• 10.12.2009, 10:00:31
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Klimaschutz: Österreich weltweit Schlusslicht bei Windkraftausbau

Neue Einspeisetarife sind Chance für Klima und Wirtschaft

Wien (OTS) - Windkraft wird ein Fünftel der von der EU bis 2020
geforderten Treibhausgas-Einsparung liefern, in Österreich wäre sogar
ein Viertel möglich. Während die Windkraft weltweit mit plus 50% auch
2009 einen neuen Ausbaurekord verzeichnet, herrscht in Österreich
seit dreieinhalb Jahren Stillstand. 2009 belegt Österreich den
letzten Platz beim Windkraftausbau - und das weltweit. Nun ist ein
Wendepunkt möglich: In Österreich sind die Verhandlungen über
Einspeisetarife für Ökostrom in der Endphase. Bei einem
Einspeisetarif auf europäischem Niveau von mindestens 9,8ct/kWh
könnte die Blockade endlich gelöst werden und Österreichs
Windkraftunternehmen 1,3 Mrd. Euro in den nächsten fünf Jahren
investieren, um das Ökostromziel von 700 MW neuer Windkraft bis 2015
zu erreichen. Ein positives Ergebnis in Kopenhagen würde die
Windkraft weltweit noch stärker beflügeln und brächte für die
heimische Windkraft-Zulieferindustrie die Chance, ihr jährliches
Exportvolumen von derzeit 350 Mio. Euro auf über eine Milliarde Euro
zu steigern.

Windkraft wird 20% zu Klimaziel der EU beitragen

Nach Berechnungen der European Wind Energy Association -EWEA wird
die Windkraft 20 % zum Klima-Ziel der EU beitragen. Bereits heute
werden durch die Nutzung der Windkraft in Europa 100 Mio. Tonnen CO2
vermieden. Im Jahr 2020 können durch den Ausbau der Windkraft
jährlich ca. 333 Mio. Tonnen CO2 durch die saubere Stromproduktion
vermieden werden - also um rund 230 Mio. Tonnen CO2 mehr als heute.
Zur Erreichung des EU Klimaschutzzieles (minus 20% der
Gesamtemissionen bis 2020 bezogen auf das Niveau von 1990) müssen die
Emissionen um 1.100 Millionen Tonnen CO2 gesenkt werden. Der
voraussichtliche Ausbau der Windkraft wird somit rund ein Fünftel des
Klimaziels der EU erfüllen.

Weltweit neues Rekordwachstum von 50% in den ersten drei Quartalen -
Stillstand in Österreich

"Sollten sich die Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen auf
ein ambitioniertes Ergebnis einigen, wird dies den weltweiten Boom
der Windkraft weiter beflügeln", so Mag. Stefan Hantsch,
Geschäftsführer der IG Windkraft. Weltweit verzeichnet die Windkraft
schon jetzt jährliche Zuwachsraten von 20 bis 30%. Dieser Trend ist
auch angesichts der Wirtschaftskrise ungebrochen, wie die Zahlen von
2009 beweisen: weltweit wurden in den ersten drei Quartalen 17.814 MW
neu errichtet. Das sind sagenhafte 50,3% mehr als im
Vergleichszeitraum 2008, in Europa waren es 5.245 MW, immerhin 24%
mehr als 2008. "Österreich ist hier leider weltweit das Schlusslicht:
2009 kann keine einzige neue Anlage errichtet werden", bedauert
Hantsch. Ende 2009 sind 617 Windräder mit einer Gesamtleistung von
995 Megawatt (MW) am Netz. Diese Anlagen erzeugen rund 2,1 Mrd.
Kilowattstunden sauberen Strom und tragen bereits 3,9 % zur
öffentlichen Stromproduktion bei.

Knackpunkt Einspeisetarif

Entscheidend für den weiteren Ausbau der Windkraft in Österreich
ist der Einspeisetarif. "Wir österreichischen Betreiber haben fix
fertige Projekte mit einem Investvolumen von gut 100 Mio. Euro in den
Schubladen und warten schon seit Jahren auf einen Einspeisetarif, der
den wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen ermöglicht", so DI Fritz
Herzog, Geschäftsführer der Ökoenergie Wolkersdorf, die rund 40
Windkraftanlagen mittels Bürgerbeteiligung betreibt. Und weiter:
"Seit 2006 war der Tarif einfach nie kostendeckend. Also haben wir im
Ausland projektiert. Europaweit liegt der Tarif bei durchschnittlich
10,3 ct pro Kilowattstunde. Bei den österreichischen
Windverhältnissen brauchen wir einen Tarif von zumindest 9,8 ct/kWh,
zuzüglich der Netzgebühren, die es für uns Erzeuger eigentlich nur in
Österreich gibt."

Die Einspeisetarif-Verhandlungen sind in eine finale Phase
eingetreten. Seit Wochen wird auf den Begutachtungsentwurf des
Wirtschaftsministers gewartet. Offensichtlich wird aber versucht,
schon im Vorfeld einen Konsens zwischen Wirtschafts,- Umwelt- und
Konsumentenschutzministerium sowie den Sozialpartnern herzustellen.
DDie Ökostromverbände sind bei diesen Verhandlungen ausgeschlossen.
Wenn man nicht wenigstens jetzt, wo die Ökostromförderkosten ohnehin
durch das Gesetz klar begrenzt sind, Tarife verordnet, die dem
Europavergleich standhalten, dann laufen wir Gefahr, dass Österreich
sowohl bei der Windkraft als auch in den anderen Bereichen
erneuerbarer Technlogogien völlig den Anschluss verliert und noch
mehr zur Lachnummer wird. Wir wollen in saubere Stromproduktion
investieren. Und das nicht nur im Ausland!", meint Herzog
abschließend.

Investitionen in Milliardenhöhe für Ökostromziel

Bei einem Einspeisetarif auf europäischem Niveau könnten
Österreichs Windkraftunternehmen 1,3 Mrd. Euro investieren, um das
Ökostromziel von 700 MW neuer Windkraft bis 2015 zu erreichen. Durch
die Anfangsinvestitionen und den darauffolgenden Betrieb würde bei
der Windkraft eine heimische Wertschöpfung von einer Milliarde Euro
sichergestellt werden. 3.500 Jahresarbeitsplätze beim Bau und 700
Dauerarbeitsplätze würden geschaffen.

Exportvolumen österreichischer Zulieferer kann auf über eine Mrd.
Euro gesteigert werden

Trotz des Stillstands in Österreich partizipieren renommierte
heimische Unternehmen als Windkraftanlagen-Zulieferer vom Wachstum
der Windkraft in aller Welt. DI Martin Krill, Sprecher des
Firmenbeirates der IG Windkraft und Geschäftsführer des
Ökostromanlagen-Planungsbüros PROFES: "Derzeit exportieren
österreichische Unternehmen Komponenten und Dienstleistungen in einem
Volumen von jährlich 350 Mio. Euro, ein positives Ergebnis in
Kopenhagen bringt für uns die Chance, die Exporte auf über eine
Milliarde Euro pro Jahr zu steigern."

Die Windkraft könnte in Österreich ein Viertel der Reduktionsziele
bis 2020 bringen

Die Windkraft ist eine der billigsten und am schnellsten zu
bewerkstelligenden Klimaschutzmaßnahmen. Durch Österreichs 617
Windräder werden derzeit 1,3 Mio. Tonnen CO2-Emissionen jährlich
vermieden. Die Windkraft kann bis 2020 von derzeit 995 MW auf 3.500
Megawatt (MW) ausgebaut werden. Die Windkraftanlagen würden dann
statt bisher rund 2 Milliarden kWh ca. 7,3 Mrd. kWh erzeugen, was 10%
des heimischen Stromverbrauchs entspricht.

Somit könnte die jährliche CO2 Einsparung durch die Produktion von
Strom aus Windkraft von derzeit 1,3 Mio. Tonnen CO2 auf über 4,8 Mio.
Tonnen erhöht werden. Diese Steigerung um 3,5 Mio. Tonnen CO2
entspricht etwa 25 % des Reduktionsbedarfes Österreichs von 14 Mio.
Tonnen CO2 bis zum Jahr 2020. Durch Einsatz modernster Technik wäre
für die Verdreieinhalbfachung der Produktion nur die Steigerung der
Anlagenzahl von derzeit 617 auf ca. 1.100 Anlagen notwendig.

Rückfragehinweis:
Infomaterial auf www.igwindkraft.at/?mdoc_id=1011891
Mag. Stefan Moidl, IG Windkraft:
+43 676/370 78 20, s.moidl@igwindkraft.at

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