• 10.12.2009, 08:56:13
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Fahrplanwechsel am 13.12.09: Versuch einer Bewertung aus Fahrgastsicht

Schwaz in Tirol (OTS) - Da der "ArbeitsKreis FAHRGAST Tirol",
http://www.fahrgast-tirol.at als Kooperationspartner von "PRO BAHN
Österreich", http://www.probahn.at fungiert, seien einleitend einige
allgemeine Anmerkungen erlaubt. Anschließend wird der "ArbeitsKreis
FAHRGAST Tirol" die Tiroler Fahrplansituation ab dem 13.12.09 anhand
einiger konkreter BEISPIELE kommentieren.

Vor dem Hintergrund des UNO-Weltklimagipfels in Kopenhagen wies
Klimaexpertin und Wissenschaftlerin des Jahres 2005 Dr. Helga
Kromp-Kolb (Institut für Meteorologie, Universität für Bodenkultur,
Wien) am 07.12.09 in "Zeit im Bild" (ORF 2) darauf hin, dass in
Österreich der VERKEHRSBEREICH FÜR EIN VIERTEL ALLER KLIMARELEVANTEN
EMISSIONEN VERANTWORTLICH sei und dass dieser Bereich überdies am
schnellsten wachse. Damit im Verkehrsbereich die Emissionen reduziert
werden können, benötigt es unter anderem einen attraktiven
öffentlichen Verkehr (ÖV). Die Forderungen von "PRO BAHN Österreich"
lauten daher:

* AUSTRO-TAKT 2020 für Bahn und Bus.
 * Mindestbedienqualität für Bahn oder Bus - auch an Wochenenden.
 * Erhaltung und Sanierung von Bahnstrecken hat Vorrang vor 
   Brenner-Basistunnel.
 * Regionalbahnen sind "Kulturträger", sichern Arbeitsplätze und 
   ein touristisches Angebot.
 * Einführung eines Österreich-Tickets zur Benutzung aller 
   öffentlichen Verkehrsmittel.
 * 1 Nahverkehrsmilliarde statt Kohlendioxid-Strafzahlungen (laut 
   Europäischer Umweltagentur wird von den "alten" 15 EU-Staaten 
   nur ÖSTERREICH die KLIMASCHUTZZIELE NICHT erreichen; anstatt den 
   Ausstoß der Treibhausgase bis zum Jahr 2012 im Vergleich zu 1990 
   gemäß Kyoto-Abkommen um 13 Prozent zu reduzieren, werden die 
   Emissionen der Treibhausgase zunehmen; derzeit liegt Österreich 
   ungefähr 11,3 Prozent über den Werten von 1990).

Wie bewertet nun der "ArbeitsKreis FAHRGAST Tirol" die
ÖV-SITUATION IN TIROL? Während IN ANDEREN BUNDESLÄNDERN
REGIONALBAHNEN ZUM TEIL GESCHLOSSEN bzw. Fahrpläne teilweise
ausgedünnt werden (zwei Beispiele mögen genügen: (I) OBERÖSTERREICH /
NIEDERÖSTERREICH, DONAUUFERBAHN: Das Streckenstück Sarmingstein -
Emmersdorf scheint im ab 13.12.09 gültigen ÖBB-Kursbuch nicht mehr
auf, weil dort keine Züge mehr verkehren werden, obwohl die Wachau
seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und im Jahr 2008
vom unter Tourismus-ExpertInnen hochgeschätzten "National Geographic
Traveler Magazin" zur "Best Historic Destination in the World" gekürt
wurde; (II) STEIERMARK, GESÄUSEBAHN: Auf der elektrifizierten
Bahnstrecke durch den Nationalpark Gesäuse fährt nur noch an
Samstagen, Sonn- und Feiertagen ein einziges Personen beförderndes
Zugpaar, und zwar von Wien in den aufgrund alljährlich stattfindender
Ski-Weltcuprennen international weitum bekannten
Weltmeisterschaftsort Schladming und retour), wird in TIROL der WEG,
DAS ÖV-ANGEBOT AUSZUBAUEN, AUCH NACH DEM FAHRPLANWECHSEL AM 13.12.09
KONSEQUENT FORTGESETZT. Dass dieser Ansatz richtig ist, belegt auch
die Tatsache, dass laut Verkehrsverbund Tirol (VVT) im Jahr 2008 ca.
59,3 Millionen Fahrgäste (plus 4,7%) den ÖV in Tirol genutzt haben.
Tirol liegt damit hinter Wien an zweiter Stelle. Der Verkehrsclub
Österreich (VCÖ) hat in einer Studie nachgewiesen, dass der Ausbau
des ÖV-Angebots in Tirol dazu führt, dass die Abhängigkeit vom
eigenen Auto sinkt. Die Gesamtzahl der mit dem privaten Pkw
gefahrenen Kilometer in Tirol ist seit dem Jahr 2006 um 60 Millionen
Kilometer auf rund vier Milliarden Kilometer gesunken. Im
Durchschnitt war damit ein Pkw in Tirol im Jahr 2008 rund 13.590
Kilometer unterwegs, das sind um 375 Kilometer weniger als noch im
Jahr 2006.

Der "ArbeitsKreis FAHRGAST Tirol" ist sich bewusst, dass der
Fahrplanwechsel am 13.12.09 das ÖV-Angebot zwar grundsätzlich
verbessert. Allerdings fallen die Änderungen im Schienen- und
Busverkehr heuer aufgrund der Umstellung des ÖBB-Fernverkehrs sehr
umfassend aus, was dazu führt, dass zahlreiche Verbindungen nicht
mehr zu seit Jahren üblichen Zeiten verkehren werden. Diese
ZEITVERSCHIEBUNGEN können dazu führen, dass das ÖV-ANGEBOT TEILWEISE
ALS VERSCHLECHTERUNG EMPFUNDEN wird.

EXEMPLARISCH (OHNE ANSPRUCH AUF VOLLSTÄNDIGKEIT) sei auf
nachfolgende PROBLEME hingewiesen:

(A) NAHVERKEHR:

STUBAITALBAHN: Der 30-Minuten-Takt zwischen Kreith (Gemeinde
Mutters) und Innsbruck weist wie bisher auch ab 13.12.09 ausgerechnet
in der morgendlichen Stoßzeit ein "Loch" auf: Ein Zug mit der Abfahrt
in Kreith zur Taktzeit um 7 Uhr 25 kann auch im neuen Fahrplan
aufgrund der eingleisigen Infrastruktur nicht geführt werden. Die
eingleisige Infrastruktur muss daher nach Meinung des "ArbeitsKreises
FAHRGAST Tirol" mit Hilfe einer Finanzierung aus dem Privatbahngesetz
durch Berücksichtigung im mittelfristigen Investitionsprogramm des
Bundes so adaptiert werden, dass auf der Stubaitalbahn ein
lückenloser, TAKTFAHRPLAN "OHNE FAHRPLANLÖCHER" realisiert werden
kann.

ÄHNLICHE PROBLEME existieren übrigens auch AUF ANDEREN
EINGLEISIGEN BAHNSTRECKEN IN TIROL (AUßERFERNBAHN; BAHNSTRECKE
ZWISCHEN ÖTZTAL UND KURZ VOR LANDECK; DRAUTALBAHN; KARWENDELBAHN;
PUSTERTALBAHN). In diesem Zusammenhang wirkt sich NEGATIV aus, dass
die POLITISCH VERANTWORTLICHEN so AUF DAS MILLIARDENGRAB BRENNER
BASISTUNNEL FIXIERT sind, dass auf die REALISIERUNG KLEINERER
BAULICHER EINGRIFFE AN DIVERSEN BESTEHENDEN TIROLER BAHNSTRECKEN, um
auf der jeweiligen Bahninfrastruktur einen idealen Taktfahrplan
fahren zu können, "vergessen" wird.

SCHARNITZ, SEEFELD: PENDLERINNEN AUS SCHARNITZ FORDERN mit Recht,
dass von Montag bis Freitag speziell um 17 Uhr 38 und 19 Uhr 38
ZUSÄTZLICHE ZÜGE VON INNSBRUCK NACH SCHARNITZ verkehren (damit der
Zug mit der Abfahrtszeit um 17 Uhr 38 verkehren kann, müsste wegen
der Eingleisigkeit der entgegenkommende Güterzug zeitlich verlegt
werden). Denn es ist nicht tragbar, dass ab 13.12.09 z.B. zwischen 18
Uhr 38 und 20 Uhr 08 kein Zug nach Scharnitz verkehrt. Es ist zwar
sehr zu begrüßen, dass jetzt neu um 23 Uhr 08 ein Spätzug nicht nur
bis Seefeld sondern bis Scharnitz fährt. Dass ab 13.12.09 aber
mehrere bisher von Innsbruck nach Seefeld verkehrende ABENDZÜGE
EINGESTELLT werden, ist abzulehnen.

HALTESTELLE SCHAFTENAU: Die Argumentation der ÖBB, dass der ab
13.12.09 verkehrende REX 5343 (Innsbruck Hbf ab 7 Uhr 13, Wörgl an 8
Uhr 01) Schaftenau nicht bedienen könne, weil dieser Zug nicht nach
Kufstein sondern gemäß Wunsch des Pendlerforums in Wörgl direkt ins
Brixental geführt werde, ist nicht stichhaltig. Der "ArbeitsKreis
FAHRGAST Tirol" schlägt vor, den REX 5343 aus zwei so genannten
FLÜGELZÜGEN zu bilden. Dann kann der Zug in Wörgl in zwei Teile
getrennt werden: Ein Triebwagenteil kann direkt und umsteigefrei in
das Brixental und der andere Triebwagenteil direkt und umsteigefrei
nach Kufstein gefahren werden. So kann auch die Haltestelle
Schaftenau direkt und umsteigefrei bedient werden. Denn im
Industriegebiet des Langkampfener Ortsteils arbeiten immerhin ca.
1000 Beschäftigte in verschiedenen Firmen. Auf der Bayerischen
Oberlandbahn (BOB) verkehren seit Jahren so genannte FLÜGELZÜGE
umsteigefrei von München nach Bayrischzell, Lenggries und Tegernsee.
Dadurch konnte das FAHRGASTAUFKOMMEN bei der BOB im Vergleich zu 1997
UM MEHR ALS 200 PROZENT GESTEIGERT werden. Was in Bayern
funktioniert, sollte eigentlich auch in Tirol funktionieren. Die ÖBB
verfügen ja über geeignete Triebwagen.

HAIMING, MÖTZ, RIETZ, SILZ, STAMS: PendlerInnen aus dem Oberland
beklagen, dass im neuen ab 13.12.09 gültigen Fahrplan bei
Dienstbeginn um 7 Uhr in Innsbruck die ZÜGE NACH INNSBRUCK an Sonn-
und Feiertagen (aber teilweise auch an Werktagen) ZUR FALSCHEN ZEIT
AM FALSCHEN ORT sind, und zwar speziell für PendlerInnen aus Haiming,
Mötz, Rietz, Silz und Stams. Fahrplanverbesserungen werden von den
ÖBB leider erst für Februar 2010 angekündigt. Der "ArbeitsKreis
FAHRGAST Tirol" fordert sofortige Nachbesserungen!

PATSCH UND UNTERBERG-STEFANSBRÜCKE: IN PATSCH UND
UNTERBERG-STEFANSBRÜCKE HALTEN AB DEM 13.12.09 - WIE BISHER - FAST
KEINE NAHVERKEHRSZÜGE. Forderung des "ArbeitsKreises FAHRGAST Tirol":
In Patsch und Unterberg-Stefansbrücke sollen zumindest all jene
Nahverkehrszüge, denen keine internationale Fahrplantrasse im
Zugfolgeabstand folgt, anhalten. Denn für diese Nahverkehrszüge gilt
das Argument, dass durch das Anhalten insbesondere nachfolgende
Güterzüge so behindert werden, dass die Streckenkapazität abnimmt,
nicht.

KUNDENSERVICE: Das Kundenservice ist an Bahnhöfen und in Zügen
generell zu verbessern, indem die immer zahlreicher werdenden ohne
Personal geführten "GEISTERBAHNHÖFE" und "GEISTERZÜGE" wieder mit
kundendienstlich tätigem Personal besetzt werden.

(B) FERNVERKEHR:

IMST-PITZTAL, JENBACH, KUFSTEIN, ÖTZTAL, WÖRGL: In den genannten
Stationen halten ab 13.12.09 diverse ÖBB-Fernverkehrszüge nicht mehr.
DER "ARBEITSKREIS FAHRGAST TIROL" FORDERT, DASS IN DEN AUFGEZÄHLTEN
STATIONEN WIEDER MEHR FERNVERKEHRSZÜGE HALT MACHEN (insbesondere bei
Tagesrandverbindungen).

BRIXENTAL: Die Bahnstrecke im Brixental ist - überspitzt gesagt -
auf dem besten Weg eine "NEBENBAHN" zu werden, weil es KAUM NOCH
FERNVERKEHRSZÜGE gibt. Die Strategie der ÖBB, Fernreisende in
Richtung Graz oder Klagenfurt ab 13.12.09 in erster Linie über die
Korridorstrecke zwischen Kufstein und Salzburg Hbf. "hin- und
herzuschleusen", wirkt sich insbesondere FÜR REISENDE NACH KÄRNTEN
NEGATIV aus, da sich die REISEZEIT UM CA. 15 MINUTEN VERLÄNGERN kann.
Denn eine Fahrt von Innsbruck durch das Brixental und weiter über
Zell am See und Schwarzach-St. Veit nach Kärnten ist kürzer als die
von den ÖBB hinkünftig favorisierte Verbindung über Kufstein mit
UMSTEIGEN IN SALZBURG HBF. An dieser Tatsache ändert auch der Hinweis
der ÖBB nichts, dass es zu keinen Fahrpreiserhöhungen kommen wird,
weil stets der der kürzeren Strecke zugrunde liegende Preis
verrechnet wird.

Der "ArbeitsKreis FAHRGAST Tirol" gestattet sich daran zu
erinnern, dass die ÖBB bereits im Mai 1988 mit dem in Savigliano in
Italien gebauten "PENDOLINO" im Brixental Probefahrten unternommen
haben. Dieser Zug legte sich - bildlich gesprochen - wie
MotorradfahrerInnen in die Kurven und konnte die KURVEN daher MIT
EINER HÖHEREN GESCHWINDIGKEIT DURCHFAHREN als konventionelle Züge.
Die ItalienerInnen blickten bereits im Jahr 1988 auf eine 20-jährige
Entwicklungszeit zurück und hatten dieses sehr zuverlässige System
schon damals 12 Jahre erprobt gehabt. In den Medien war 1988 zu
lesen, dass die FACHLEUTE ÜBER DIE "TIROLPREMIERE" BEGEISTERT waren.
Es wäre daher höchst an der Zeit, dass die ÖBB den FERNVERKEHR DURCH
DAS BRIXENTAL NICHT IMMER MEHR ABBAUEN, SONDERN DURCH DEN EINSATZ
GEEIGNETEN WAGENMATERIALS ATTRAKTIVER GESTALTEN. KÜRZER REISEZEITEN
sind keine Utopie, sondern realisierbar!

So weit ein Bewertungsversuch des neuen, ab 13.12.09 gültigen
Fahrplans durch den "ArbeitsKreis FAHRGAST Tirol".

Rückfragehinweis:
Martin Teißl
Sprecher des ArbeitsKreises FAHRGAST Tirol
Pirchanger 73, 6130 Schwaz in Tirol
mailto:[email protected]
http://www.fahrgast-tirol.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | FGT

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