• 08.12.2009, 20:13:08
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ohne die USA geht es im Irak nicht, aber mit ihnen auch nicht" (Von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 9.12.2009

Graz (OTS) - Gestern weit über hundert Todesopfer, vorgestern
sieben tote Schulkinder, 155 Tote bei einem Anschlag vor wenigen
Wochen;
Die Horror-Meldungen aus dem Irak reißen nicht ab. Das
erst von Saddam Husseins Schergen, dann von den US-Bomben und nun vom
Al-Kaida-Terror gequälte Land kommt nicht zur Ruhe.

Eine Aufstockung der US-Truppen vor zwei Jahren hat den Albtraum, den
die Menschen hier erleben, nur kurzfristig durch ein wenig Hoff
nung verdrängt. Doch jetzt ? vor den nun auf März verschobenen
Parlamentswahlen ? wachsen der Terror-Hydra wieder die Köpfe. Sie hat
nur darauf gewartet, das Land wieder zu destabilisieren und den
irakischen Zentralstaat zu zerschlagen.

Von der angepeilten Rückkehr der mehr als zwei Millionen Flüchtlinge,
die das Land seit dem Einmarsch der Amerikaner verlassen haben, ist
man jetzt wieder weit entfernt und die Angst ausländischer Investoren
vor dem Terror verhindert den wirtschaftlichen Aufbau des verarmten
Landes.

Noch haben die USA 115.000 Soldaten im Irak stationiert,
aber die großen Städte mittlerweile geräumt. Irakische Polizisten
sollten jetzt für Sicherheit sorgen ? wie man sieht mit wenig Erfolg.
Schon im kommenden August wird die Truppenstärke der Amerikaner auf
50.000 Mann verringert und bis Ende 2011 wollen sie ? das war
ein zentrales Wahlversprechen von US-Präsident Barack Obama ?
endgültig abziehen.

Aber was kommt danach in einem Staat, in dem es ohne die Amerikaner
nicht geht ? weder auf politischer Ebene noch bei Sicherheitsfragen ?
aber mit -ihnen auch nicht, weil sie als Besatzer verhasst sind?

Schulterzuckend könnte man konstatieren: Selber schuld, die
Amis! Hätte George W. Bush den Krieg nicht vom Zaun gebrochen, müsste
Barack Obama jetzt die heiße Irak-Suppe nicht auslöffeln, die ihm
sein Vorgänger eingebrockt hat. Mag sein.

Aber es hilft dem Irak nicht wirklich, Schuldige in der Vergangenheit
zu suchen.Alle Staaten der Welt, nicht nur die USA, sind jetzt dazu
aufgerufen, dem historischen Zweistromland an Euphrat und Tigris eine
Zukunft zu verschaffen ? durch eine effizien
tere Ausbildung und eine bessere Bewaffnung der irakischen
Sicherheitskräfte und durch mehr Druck auf die politischen
Kräfte, religiöse und ethnische
Gräbenkämpfe einzustellen.

Gelingt das nicht in den nächsten Monaten, wird der Irak als hand
lungsfähiger Zentralstaat endgültig untergehen und eine ohnedies
instabile Region in einen Strudel der Gewalt mit unabsehbaren Folgen
stürzen. ****

Rückfragehinweis:
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