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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Das einfache Leben"
Ausgabe vom 7. Dezember 2009
Wien (OTS) - Der Papst hat zu Beginn der Klimaschutzkonferenz in
Kopenhagen die Menschen zu einem einfachen Leben aufgefordert. Im
Pazifik treibt derweil ein Strudel aus Plastikabfällen, ungefähr
viermal so groß wie Deutschland. Ist die Erde also mit Appellen noch
zu retten?
Nein, vermutlich ist sie das ausschließlich mit Hochtechnologie.
Allein der Plastikmüll-Strudel kann nur mit modernsten Mittel
beseitigt werden.
Der Aufruf zu einem einfachen Leben kann aber auch so interpretiert
werden, dass der Mensch seine Verantwortung wahrnimmt. Bleiben wir
beim schwimmenden Plastik: Es treibt zwischen Hawaii und Kalifornien
in internationalen Gewässern - kein Staat, keine Regierung fühlt sich
dafür zuständig oder verantwortlich.
Ähnlich geht es wohl der Erdatmosphäre. Auch für sie ist niemand
verantwortlich, also wird sie erbarmungslos mit Schadstoffen
"beschossen".
Interessant, dass es im umgekehrten Fall nicht so ist. Kaum werden in
der Antarktis wertvolle Mineralien und Öl vermutet, geht der Wettlauf
um die "Verstaatlichung" des Gebietes los. Wenn es ums Geld geht,
fühlen sich plötzlich alle zuständig.
Das kann sich aber nicht durch eine Klimaschutzkonferenz ändern,
sondern nur durch anderes Wirtschaften. Ressourcenschonung müsste an
erster Stelle stehen statt ungebremster Ausbeutung. Nun, dazu gehört
dann in der Tat eine Vereinfachung des Lebens, vor allem in den
Industrieländern. Der größte Verschmutzer der Welt sind nach wie vor
die USA. Ob sich deren Industrie und deren Konsumenten aber eines
Besseren besinnen, nur weil in Kopenhagen eine Konferenz stattfindet,
darf bezweifelt werden.
Kopenhagen wird ein Ergebnis bringen, sonst würden die
Regierungschefs nicht hinfahren. Aber ob es mehr ist als
Erbsenzählerei in Sachen CO2-Reduktion? Eher nicht. Vermutlich hätte
die Welthandelsorganisation WTO größere Chancen, wenn dort der
Umweltschutz als Kriterium des fairen Wettbewerbs eingeführt würde:
Ein Land, das Mindeststandards in Sachen Umweltschutz unterschreitet,
könnte mit Strafzöllen für Exportwaren belegt werden. Dann ginge es
wieder ums Geld - und dafür fühlen sich Regierungen ja eher
verantwortlich als für die Atmosphäre und die Meere.
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