- 01.12.2009, 11:11:47
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Industrie: Einseitiger Klimaschutz darf Industrie nicht aus Europa vertreiben
IV: Alleingang Europas wäre massiver Standortnachteil - Fahnemann: Brauchen Investitions- und Planungssicherheit - Zrost: Bei zunehmenden Kosten drohen Produktionsverlagerungen
Wien (OTS/PdI) - "Österreichs Industrie steht für einen sinnvollen
Klimaschutz auf Basis neuester Technologien und Innovationen, der den
Wirtschafts- und Industriestandort Österreich und Europa und die
damit verbundenen Arbeitsplätze sichert. Klimaschutz ist eine globale
Herausforderung, die nur auf globaler Ebene zu lösen ist", betonte
der Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Dr. Veit Sorger
heute, Dienstag, bei einer Pressekonferenz mit IV-Generalsekretär
Mag. Markus Beyrer, Dipl.Bw. Thomas Fahnemann, Vorstandsvorsitzender
RHI AG, sowie Mag. Rudolf Zrost, Geschäftsführer Zementwerk Leube
GmbH und Präsident der IV Salzburg. "Ein durch unrealistische
Vorgaben erzwungenes Abwandern österreichischer Industrieproduktion
in Länder mit geringeren Auflagen würde massiv Wohlstand und
Beschäftigung im Inland kosten UND zu einem Anstieg der globalen
CO2-Emissionen führen", sagte IV-Generalsekretär Markus Beyrer.
Die Wechselwirkungen zwischen Klimawandel und Treibhausemissionen
zeigten sich besonders deutlich beim Vergleich EU - China. "Europas
Anteil an den globalen antropogenen Emissionen liegt derzeit bei 14
und schon bald bei weniger als 10 Prozent, während auf China bis 2030
rund ein Drittel entfallen dürfte", so Sorger. Der bisherige
Klimaschutz-Alleingang Europas stelle im weltweiten Wettbewerb einen
großen Standortnachteil und eine ernste Bedrohung vor allem der
energieintensiven Industrie dar. "Dies ist der falsche Weg. Wer es
ernst meint mit dem Klimaschutz kommt deshalb um einen globalen
Ansatz mit fairer Lastenverteilung und gleichen
Wettbewerbsbedingungen nicht herum", erklärte der IV-Präsident.
GS Beyrer: Industrie hat Hausaufgaben gemacht
IV-Generalsekretär Beyrer betonte, "die österreichische Industrie
bekennt sich klar zu einem sinnvollen Klimaschutz und hat ihre
Hausaufgaben gemacht. Österreichs Industrieunternehmen gehören zu den
energieeffizientesten der Welt. Wir haben seit 1990 das
Wirtschaftswachstum vom Zuwachs bei Energieverbrauch und CO2-Ausstoß
entkoppelt. Auch die aktuelle heimische Klimabilanz 2009 belegt dies
wieder klar: Während die Wertschöpfung aus der Sachgütererzeugung
seit 1990 um über 60 Prozent gesteigert wurde, gab es nur um knapp 23
Prozent mehr Industrie-Emissionen. Österreich gehört zu den Ländern
mit dem niedrigsten CO2-Ausstoß pro erzeugtem Produkt. Kurz: je mehr
Güter wir in Österreich produzieren, desto besser für das Weltklima."
Für die Industrie sei klar: "Die Angebote der USA wie auch Chinas
sind bescheiden und auch wegen der fehlenden Bereitschaft zu
internationalen Verpflichtungen nicht akzeptabel." China sei
mittlerweile der größte Emittent vor den USA und habe seit 1990
50-mal mehr CO2 erzeugt, als Europa in der gleichen Zeit eingespart
habe. Noch wesentlich stärker gefordert seien insbesondere auch die
USA, deren allfälliges, noch nicht beschlossenes Reduktionsziel von
minus 17 Prozent gegenüber 2005 "bescheidenen rund minus 4 Prozent
gegenüber 1990 entspricht", erklärte der IV-Generalsekretär.
"Die Notwendigkeit eines ambitionierten globalen Klimaabkommens
für die Zeit nach Kyoto wird von der europäischen Industrie und den
nationalen Industrieverbänden unterstützt. Ein Klimaabkommen muss
ALLE einbeziehen, braucht aber unbedingt tatsächlich vergleichbare
Reduktionsbeiträge sowie signifikante Beiträge der Schwellenländer.
Die Haltung der Industriellenvereinigung und des europäischen
Industrie- und Arbeitgeberdachverbandes BUSINESSEUROPE ist angesichts
der Positionen der anderen Vertragsparteien im Vorfeld der
Kopenhagener Konferenz eindeutig: keine weiteren unilateralen
EU-Reduktionsziele über die bestehenden und schwer verkraftbaren 20
Prozent hinaus. Überzogene Alleingänge kosten heimische Arbeitsplätze
UND schaden dem Weltklima", so Beyrer.
"CO2-Musterschüler" RHI warnt vor Gefahr eines
Wettbewerbsverzerrenden Klimaabkommens
Der global tätige Feuerfestkonzern RHI ist ein Paradebeispiel für
ein österreichisches Unternehmen, das auch in Hinblick auf
CO2-Emissionen "best in class" produziert - und das nicht nur in den
österreichischen Standorten, sondern in allen Ländern. RHI hat damit
den Benchmark für die Feuerfestindustrie definiert, die für die
gesamte Grundstoffindustrie (Stahl, Zement, Kalk, Glas,
Nichteisenmetalle, Chemie, Umwelt) nicht substituierbare, feuerfeste
Produkte liefert. So fallen beispielsweise bei der Produktion 1 Tonne
Feuerfest-Material von RHI 1,4 Tonnen CO2 an, Mitbewerber aus China
hingegen produzieren mit einer um 30 - 100 Prozent schlechteren
CO2-Bilanz. "Eine weitere Reduktion der CO2-Emission ist im Fall von
RHI nur mehr in äußerst geringem Umfang und unter Einsatz enormer
finanzieller Mittel möglich, denn zwei Drittel der Emissionen sind
rein prozessbedingt und daher technisch unvermeidbar", so
RHI-AG-Vorstandsvorsitzender Dipl.Bw. Thomas Fahnemann.
Daher sehe sich ein massiv im globalen Wettbewerb stehendes
Unternehmen wie RHI mit einer Exportquote von 97 Prozent bei einem
Klimaabkommen, das weitere überproportionale Reduktionsbeiträge der
EU-Staaten vorsieht, in unfairer Weise belastet. "Wir bekennen uns
klar zum Klimaschutz und haben in den letzten 15 Jahren durch massive
Investitionen die CO2-Emissionen um rund 20 Prozent gesenkt", sagte
Fahnemann. "Aber es muss gleiche Spielregeln für alle geben: so
vertreibt man systematisch CO2-Musterschüler aus Europa, während es
sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht Sinn macht,
soviel Industrieproduktion wie möglich in Europa zu halten anstatt
sie zu verlagern. Wir brauchen als Industriebetrieb Investitions- und
Planungssicherheit für die nächsten Jahre, und das geht nur mit einer
fairen internationalen Lösung, zu der auch Industrienationen
außerhalb Europas einen signifikanten Beitrag leisten."
Zementindustrie entspricht anspruchsvoller Benchmark
Leube-Geschäftsführer und IV-Salzburg-Präsident Mag. Rudolf Zrost
erklärte, die im April dieses Jahres veröffentlichte EU-Richtlinie
für das zukünftige Emissionshandelssystem sehe insgesamt für 2020 ein
Minderungsziel von 21 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 2005 vor.
Derzeit beraten die EU-Kommission und Vertreter der
EU-Mitgliedsländer die Umsetzung Richtlinie. Gleichzeitig finden
seit Juni Beratungen zur Festlegung der produktspezifischen
Benchmarks für jeden Industriesektor statt. Eine von der
EU-Kommission beauftragte Studie schlägt für den Bereich der
Zementindustrie eine Benchmark bezogen auf das Produkt Klinker vor.
Als vorläufiger Wert für die Benchmark wird 0,780 t CO2/t Klinker
genannt.
"Es gilt als fast sicher, dass die Zementindustrie in die
endgültige Liste jener Industriesektoren aufgenommen wird, die im
Fall zunehmender Kosten aus der Versteigerung von CO2-Zertifikaten
durch Produktionsverlagerungen gefährdet sind. Das bedeutet, dass die
Zementindustrie ab 2013 jene Menge an Zertifikaten kostenfrei
zugeteilt bekommt, die einer anspruchsvollen Benchmark genügen", so
Zrost. "Damit konnten wir rechnen. Nicht gerechnet haben wir, dass
selbst die Benchmarkführer nach Meinung der EU-Kommission eine
weitere Kürzung der Zuteilung in Kauf nehmen müssen. Dieses Vorgehen
widerspricht der Philosophie des Systems Benchmark. Die
Zementindustrie lehnt diese Ansinnen entschieden ab."
Diese Einigung würde durch eine Verschärfung der EU Ziele
allerdings wieder unterlaufen, weil durch ein höheres EU-Ziel auch
die Gesamtmenge der EU-Emissionshandelszertifikate verringert werden
würde - auch für carbon leakage Unternehmen. Eine Hand der EU
anerkennt das Problem der Produktionsverlagerung und will dieses
lösen, die andere Hand droht weitere noch höhere Ziele zu
unterschreiben und damit alles wieder in Frage zu stellen.
Rückfragehinweis:
IV-Newsroom
Tel.: +43 (1) 711 35-2306
mailto:[email protected]
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