• 27.11.2009, 16:20:11
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"KURIER"-Kommentar von Christoph Kotanko: "Die Fähigkeiten, die im Moment gefragt sind"

Seine Zähigkeit wird dem künftigen EU-Kommissar Hahn in Brüssel nützen.

Wien (OTS) - Er war angeblich die "dritte Wahl", eine
koalitionäre Notlösung für Brüssel. In EU-Kreisen herrschte laut
Süddeutscher Zeitung das "blanke Entsetzen über diese Personalie."
Der ganze Vorgang beweise, "dass der Regierung Europa derzeit nicht
wichtig ist."
Das war kein vorzeitiger Abgesang auf Gio Hahn, sondern die
Vorhersage für Günther Oettinger. Der deutsche Politiker (DCU) wurde
lange heftig angezweifelt.
Jetzt bekam er das Energieressort, eines der wichtigsten in der
EU-Kommission. "Neue Energie für Europa!", schallt es nun durch den
deutschen Blätterwald.
In Österreich war der Vorgang ähnlich. Zuerst das Gezerre um die
Nominierung, der würdelose Streit um Ex-Vizekanzler Molterer, den
die SPÖ nicht wollte, und die Bürgerliche Ferrero-Waldner, die sich
die ÖVP nicht aufzwingen lassen wollte. Dann tauchte als Kompromiss
der Name Hahn auf (zuerst im KURIER, 18. September).
Da werde nicht viel herauskommen, munkelten die Insider, denn
das Kleinreden gehört zum Nationalcharakter wie die Großmäuligkeit.
Gestern präsentierte ihn Kommissionschef Barroso als neuen
Regionalkommissar. Der 51-jährige Wiener wird für den größten
Budgetposten der Europäischen Union zuständig sein.

Henry Ford hat einmal gesagt: "Erfolg besteht darin, dass man
genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind".  Hahn hat
eine Eigenschaft, die in Brüssel überlebenswichtig ist:

Zähigkeit. Die hat er oft bewiesen. Er überwand eine Krebserkrankung
und stellte sich verschiedensten beruflichen Herausforderungen.
Der studierte Philosoph versuchte, der Wiener ÖVP ein liberales
Image zu geben; er war Boss beim Glücksspielkonzern Novomatic; und
er wagte den Gang in die Bundespolitik, wo er zuletzt mit den
streikenden Studenten Zores hatte.
Seine Ausdauer, Anpassungsfähigkeit und ein gewisser "Wiener
Schmäh" erwiesen sich stets als nützlich. Barroso traut Hahn zu, dass
er damit gute Ergebnisse schafft.
Die Aufgabe ist groß genug. Im Eurosprech lautet der
Arbeitsauftrag, "den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen
Zusammenhalt durch Verringerung der Entwicklungsunterschiede zwischen
Regionen und Mitgliedsstaaten zu stärken". Es geht, grob gesagt, um
innereuropäische Entwicklungshilfe.
Hahn sitzt auf einem riesigen Geldtopf, der alle denkbaren
Begehrlichkeiten weckt. Hauptzielgebiete sind die strukturschwachen
Staaten Ost- und Mitteleuropas. Hahn bekam den EU-Posten wohl auch
wegen der mentalen, wirtschaftlichen und kulturellen Nähe
Österreichs zu diesen Ländern.
Die Regionalpolitik ist ein Treibsatz für Beschäftigung und
Wachstum. Doch zu Hahns Aufgaben wird auch das Neinsagen gehören. Er
hat kein Füllhorn. Weil das nicht alle potenzielle Empfänger so
sehen, stehen ihm harte Auseinandersetzungen bevor. Doch wer mit
heiler Haut die Wiener Stadt- und die österreichische Innenpolitik
überstand, muss in Brüssel nicht bangen.

Rückfragehinweis:
KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601

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