Der große Schritt in die Verkehrszukunft

25 Jahre Verkehrsverbund Ost-Region - Praxisvorlesung an der WU-Wien

Wien (OTS) - Der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) ist der älteste und flächengrößte in Österreich, er umfasst Wien sowie weite Teile Niederösterreichs und des Burgenlandes. Die Gründung erfolgte im Jahr 1984, in seinem Einzugsgebiet lebt rund ein Drittel der österreichischen Bevölkerung. Die Geschäftsführung haben Mag.a. Alexandra REINAGL und Mag. Wolfgang SCHROLL inne. Zur Festveranstaltung anlässlich des 25-Jahrjubiläums wurden entsprechende Grußbotschaften der Landeshauptleute von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland übermittelt. In Wien benützen immerhin 35 Prozent der Menschen, die unterwegs sind öffentliche Verkehrsmittel, nicht zu letzt deshalb betonte Landeshauptmann Dr. Michael HÄUPL in seiner Grußbotschaft: "Dies bedeutet eine großartige Steigerung der Lebensqualität und unterstreicht die Stellung Wiens als Umweltmusterstadt". Beide VOR-Geschäftsführer hoben auch, was die innere Organisation des VOR betrifft, das "hervorragende Teamwork" der dort Tätigen hervor.

Im Rahmen der seit vier Jahrzehnten an der Wirtschaftsuniversität Wien gemeinsam vom Institut für Finanzwissenschaft und Öffentliche Wirtschaft und dem Verband der Öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft Österreichs (VÖWG) veranstalteten Lehrveranstaltung, die im Wintersemester 2009/2010 unter dem Generalthema "Dienstleistungen von öffentlichem Interesse müssen auch in Krisenzeiten finanzierbar und leistbar bleiben", wurde kürzlich die Auftaktvorlesung von VOR-Geschäftsführer Mag. Wolfgang SCHROLL gehalten. Er sieht in der mit 3. Dezember 2009 in Kraft tretenden PSO-Verordnung "den großen Schritt in die Verkehrszukunft". Gemäß dieser Verordnung soll auch dort ein Markt bestehen, wo die öffentliche Hand tätig ist. Öffentliche Gelder dürften nur in transparenter Weise eingesetzt werden. Dies alles wird insoferne nicht so einfach zu handhaben sein, da in Österreich die Verkehrsstruktur durch staatliche Unternehmen geprägt ist. Auch der VOR befindet sich zu 100 Prozent in öffentlicher Hand, führt SCHROLL aus. Es gibt nur wenige private Anbieter, das mache die Situation für den Wettbewerb kritisch und die Umsetzung der EU-Verordnung problematisch.

Der ausgewiesene Verkehrsexperte weist darauf hin, dass die Defizitabgleichung bei den ÖBB durch die Republik erfolge, eine Subvention sei im öffentlichen Interesse, aber nicht unbedingt ein Leistungsanreiz. Einerseits erlaube die EU dies nicht mehr generell, andererseits könne sich aber kostendeckende Tarife niemand leisten. Soziale Tarife, wie etwa Schülerfreifahrten, müssten eben gestützt werden, dies ist als "Sozialtarifabgeltung" zu sehen.

Als Musterland für die Neuorganisation des öffentlichen Personen-Nahverkehrs, so SCHROLL, ist die Schweiz zu betrachten. Dort wurde ein Finanzausgleich mit den Kantonen geschaffen, der Bund garantiert die Zahlung, eine langjährige Planung und Bestellung. Auch in Österreich wird sich in den kommenden Jahren einiges bewegen, so soll mit 2013 die "Westbahn AG" als zweiter Anbieter auf der Strecke Wien - Salzburg fungieren. Was die gemeinwirtschaftlichen Leistungen der ÖBB betrifft, werden die Verkehrsdienste-Bestellungen neu zu definieren sein. Dies gilt für die Schiene ebenso wie für die Straße (ÖBB-Postbus). Jedenfalls sind gemäß der PSO-VO nur Dienstleistungsaufträge aus einem transparenten Verfahren vorgesehen, es können auch Public Private Partnership Projekte sein.

Was die schon angesprochene Regionalisierung betrifft, wird es auch zu organisatorischen Änderungen kommen müssen. In letzter Zeit sind wieder Pläne aufgetaucht, die die Einstellung etlicher Nebenbahnen vorsehen, bzw. als Voraussetzung für eine finanzielle Gesundung der Bahn ansehen. Was Niederösterreich betrifft, kann sich SCHROLL vorstellen, dass Strecken wie etwa die Mariazellerbahn durch das Land betrieben werden. Immerhin könne eine Bahnverbindung wie diese nicht so einfach eingestellt werden, denn neben der Bedeutung für den Fremdenverkehr sei auch die Umweltsituation zu beachten, wenn der Gütertransport von der Schiene auf die Straße verlagert werde. Ein interessantes Detail am Rande: Bei der Schneebergbahn hat die Teilprivatisierung und damit technische Aufrüstung einen wahren Boom im Tourismus gebracht. Gemäß der PSO-VO sollte so vorgegangen werden, "was ohne öffentliche Gelder geht, soll so bleiben", allerdings muss man sich dessen bewusst sein, dass beim Ausbau von Verkehrssystemen bei den Finanzen oftmals mit einem Schlüssel 20 Prozent von den Fahrgästen - 80 Prozent öffentliche Stützungsgelder zu rechnen ist. SCHROLL sieht aus heutiger Sicht für Österreich bis 2020/2025 ein neues Nahverkehrssystem in Geltung.

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