• 26.11.2009, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Klein sein ist auch ein Vorteil - von Irina Frühmann

Profitabel, aber riskant: Hüpfen auf einem Bein

Wien (OTS) - Österreichs mittelständische Bauunternehmen hüpfen
vor, wie es gehen kann: Wie ein Bilanzvergleich der KPMG zeigt,
arbeiten die Kleinen tendenziell profitabler als die Großen. Dafür
gibt es mehrere Gründe. Erstens müssen die Kleinen weniger bis gar
kein Geld in die Expansion stecken und sind somit bei den
Kalkulationen freier als ihre wachstumsgetriebenen großen
Mitbewerber. Die Strabag pumpt zum Beispiel jedes Jahr 30 bis 50
Millionen Euro in die Marktexpansion.

Der zweite Grund ist, dass die Mittelständler weniger Anlagevermögen
besitzen als die Konzerne und daher weniger Abschreibungen zu machen
haben. Das wirkt sich positiv auf die Bilanz aus.

Der dritte und wichtigste Grund ist regionale Verankerung. So gut wie
alle Firmen, die mit besonders hohen Profitabilitätsraten glänzen,
sind Lokalkaiser, wie die Vorarlberger Baufirma Schertler-Alge, die
Kufsteiner Firma Bodner oder die Kärntner Bauunternehmung Kostmann.
Sie sind laut Bilanzeinblick um ein Mehrfaches profitabler als die
Top-drei-Bauriesen Strabag, Porr oder Alpine.

Vierter Grund für das gute Abschneiden der Mittelständler ist
schließlich ihr Spezial-Know-how, mit dem sie sich gegen ihre
scheinbar übermächtigen Konzernkollegen durchsetzen.

Ein weiterer Vorteil, der allerdings auch zum Nachteil werden kann,
ist die Flexibilität der Kleinen: Eine zehnprozentige
Personalkosteneinsparung geht bei einem 100-köpfigen Team schneller
als bei einer mehrere tausend Mann großen Belegschaft. Dieser stärker
und rascher wirkende Hebel birgt Gefahr: Während Strabag-Boss Hans
Peter Haselsteiner seinen Milliardenkonzern selbst gerne als
Tausendfüßler bezeichnet, der ein ausfallendes Standbein leicht
verkraftet, ist für den sozusagen auf ein Bein fokussierten
Mittelständer ein Verlust fatal.

Insgesamt erweisen sich die in den Boomzeiten von manchen Bossen
belächelten Regionalkaiser als sehr beachtlich. Ob das so bleibt,
wird wesentlich davon abhängen, ob 2010 und 2011 genügend staatliche
Konjunkturmaßnahmen umgesetzt werden.

Die Angst der Firmen vor Auftragseinbrüchen macht sich bereits breit.
Sie führt dazu, dass Unternehmer Aufträge billiger ausführen, als sie
es eigentlich verantworten können. Das kann dazu führen, dass
kommende Baubilanzen ganz anders aussehen.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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