- 26.11.2009, 16:25:23
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Kapellari: Hochschulen brauchen die Präsenz von Christen
Grazer Bischof lud zu "Hochschul-Empfang" - Weder Verschmelzung von Gesellschaft und Religion noch Beziehungslosigkeit zwischen beiden ist wünschenswert
Graz, 26.11.2009 (KAP) Die Bedeutung der Präsenz von Christen im
Hochschulbereich hat der Grazer Bischof Egon Kapellari bei einem
Empfang für steirische Hochschulprofessoren und für Vertreter der
Katholischen Hochschulgemeinden betont. Trotz der Säkularisierung
sei Religion, "sowohl in ihrer sympathischen wie in ihrer
bedrohlichen Gestalt", ein Thema für alle Bereiche der Gesellschaft.
Christen müssten auch an den Hochschulen eine "Kultur des Diskurses
auf Augenhöhe und der Allianzen für gemeinsam Mögliches im Dienst
einer besseren Welt" fördern, so Kapellari am Mittwochabend im
Grazer Priesterseminar.
Gleichzeitig distanzierte sich der Grazer Bischof von zwei einander
widersprechende Haltungen: Sowohl eine Identität von Gesellschaft
und Religion, "wie der Islam sie weitgehend praktiziert und zu
erhalten sucht", als auch eine Beziehungslosigkeit nach Art des
französischen Laizismus, würden der Bewahrung und weiteren
Entwicklung des "Humanen" im Weg stehen, so Kapellari.
Die katholische Kirche begegne heute in Westeuropa einer
Zivilgesellschaft, die in ihrem Bezug zu Religion sehr plural sei.
Neben einer weit verbreiteten religiösen Gleichgültigkeit bestehe
eine religionsfreundliche Bereitschaft und, als neuer Faktor, ein
"mitunter aggressiver und sich missionarisch betätigender" Atheismus.
"Von all dem werden sich ernsthafte und zumal intellektuell
profilierte Christen nicht lähmen lassen", ermutigte der Grazer
Bischof seine Gäste: "Sie werden Allianzen in der Kirche selbst und
auch außerhalb der Kirche suchen, um sich dieser Herausforderung mit
ihren Bedrohungen und Chancen zu stellen".
Angesichts der von einer "Stabilitätskrise" erfassten Gesellschaft
plädierte Kapellari zur Lösung weltweiter Probleme wie Hunger oder
Klimawandel für einen "unpathetischen Pragmatismus" abseits
"apokalyptischer Schauer". Dieser Pragmatismus müsse aber imstande
sein, Allianzen mit sinnstiftenden Kräften in der Kultur, zumal auch
in Kunst und Religion, zuwege zu bringen. So könne er jenseits
fiebriger Utopien zu einem idealistischen Realismus gedeihen, "der
heute angesichts vieler alter und neuer offener Fragen besonders
notwendig erscheint".
(ende)
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