• 26.11.2009, 14:37:41
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Höchste Zeit für eine Kehrtwende in der Bildungspolitik: Bildungsgewerkschaften unterstützen die europaweiten Protestaktionen

Aufruf vorgelegt von GEW - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (Deutschland) GÖD - Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (Österreich) Warschau, 23. 11. 2009

Wien (OTS) - Studierende, Schülerinnen und Schüler in Österreich,
Deutschland und anderen Staaten haben Protestaktionen gegen die
Bildungskatastrophe gestartet. Ihre Proteste werden von Lehrerinnen
und Lehrern, Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern und ihren
Gewerkschaften unterstützt. Es entwickelt sich eine breite
europäische Bewegung für eine Kehrtwende in der Bildungspolitik.
Deshalb haben GEW und GÖD diesen Aufruf zur Unterstützung der
Schülerinnen, Schüler und Studierenden vorgelegt. Wir laden
Bildungsgewerkschaften in ganz Europa ein, diesen Aufruf zu
unterzeichnen.

Es ist etwas faul in Europa. Schulen, Hochschulen und andere
Bildungseinrichtungen sind chronisch unterfinanziert. "Während über
Nacht Billionen Euro für die Rettung der Banken mobilisiert werden
konnten, tun sich die Regierungen schwer, wenn es um die dringend
erforderlichen Zukunftsinvestitionen in die Bildung geht. Junge
Menschen werden durch ungleiche Bildungschancen und fehlende
Ausbildungs- und Studienplätze ihrer Zukunftschancen beraubt", so der
Vertreter der österreichischen Lehrergewerkschaften auf
internationaler Ebene, Dkfm. Mag. Helmut Skala. "Der Bologna-Prozess
hat ein besseres Studium und eine leichtere Mobilität versprochen,
seine Umsetzung führt in vielen europäischen Staaten zu
Verschlechterungen. Schulen und Hochschulen werden Markt und
Wettbewerb ausgesetzt und zu Bildungs-Unternehmen umstrukturiert. Die
Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen im Bildungsbereich werden mehr
und mehr flexibilisiert, befristete Beschäftigungsverhältnisse sind
im Vormarsch. Darunter leiden die Qualität der Bildung und die
Attraktivität der anspruchsvollen Berufe in Bildung und Wissenschaft"
so Skala bei der Konferenz in Warschau.

Deshalb fordern Bildungsgewerkschaften in ganz Europa

- eine deutliche Verbesserung der Finanzierung der 
   Bildungseinrichtungen nicht trotz, sondern wegen der Finanzmarkt-
   und Wirtschaftskrise: Investitionen in die Bildungseinrichtungen 
   und in die Zukunftschancen junger Menschen sind das beste 
   Konjunkturprogramm; 

 - Chancengleichheit für alle jungen Menschen - durch eine gute 
   Schule für alle, die ihre individuelle Förderung gewährleistet 
   und durch eine leistungsfähige Ausbildungsförderung für alle 
   Studierenden; 

 - einen Kurswechsel bei der Umsetzung des Bologna-Prozess, der die 
   soziale Dimension des europäischen Hochschulraums stärkt, die 
   uneingeschränkte Durchlässigkeit beim Übergang vom Bachelor zum  
   Master gewährleistet, die Mobilität von Studierenden und 
   Hochschulbeschäftigten fördert und die Qualität von Lehre und 
   Studium verbessert; 

 - Innovation durch Partizipation in Schulen, Hochschulen und 
   anderen Bildungseinrichtungen - durch einen Ausbau der 
   Mitbestimmungsrechte von Beschäftigten sowie von Studierenden, 
   Schülerinnen und Schülern; 

 - eine Verbesserung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen der 
   an den Bildungseinrichtungen Beschäftigten - durch mit den 
   Gewerkschaften ausgehandelte, sozial abgesicherte und angemessen 
   vergütete Beschäftigungsverhältnisse.

Rückfragehinweis:
MMag. Jürgen Rainer
Vorsitzender BMHS-Gewerkschaft
Tel.: 01/533 63 35

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