• 26.11.2009, 09:57:26
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Auch die Wiener "Friedensdialoge" trugen zur "Wende" bei

Das vom Sozialethiker Rudolf Weiler begründete "Institut für Friedensforschung" initiierte 20 internationale Symposien unter dem Titel "Christen und Marxisten im Friedensgespräch"

Wien, 26.11.2009 (KAP) Der Wiener Sozialethiker und langjährige
Präsident der Johannes-Messner-Gesellschaft, em. Prof. Rudolf
Weiler, hat im Zuge des heurigen Gedenkens an die "Wende" von 1989
an die Bedeutung der "Friedensdialoge" zwischen Christen und
Marxisten erinnert. Weiler hatte mit dem von ihm initiierten Wiener
"Institut für Friedensforschung" ab 1971 eine wesentliche Rolle in
diesem christlich-marxistischen Dialog gespielt. Heute ist klarer,
dass Initiativen wie diese "Friedensdialoge" wesentlich zur
Vorbereitung der "Wende" beigetragen haben.

In den insgesamt 20 vom "Institut für Friedensforschung"
veranstalteten internationalen Symposien wurden zentrale Fragen der
Friedenssicherung besprochen wie etwa die damals besonders akute
atomare Aufrüstung. Wie Prof. Weiler im Gespräch mit "Kathpress"
sagte, werde die Bedeutung dieser ausführlich dokumentierten und bis
in höchste politische und kirchliche Kreise hinein verfolgten
Symposien bis heute nicht ausreichend erfasst. Denn die
Gesprächspartner bei diesen Symposien waren hochrangig und
einflussreich. Was bei den Symposien zur Sprache kam, fand bis ins
Zentralkomitee der KPdSU Beachtung.

Den Anstoß für die Friedensdialoge habe letztlich das Zweite
Vatikanische Konzil mit seiner Pastoralkonstitution "Gaudium et
spes" gegeben. Im Kontext des Erwachens von zivilgesellschaftlichen
Friedensinitiativen in den sechziger Jahren bildete "Gaudium et
spes" für die Christen eine Art Initialzündung für ihr
politisch-gesellschaftliches Engagement für den Frieden.

Den eigentlichen Impuls für die Entwicklung der Friedensdialoge
stellte laut Weiler schließlich die berühmte Tagung der
"Internationalen Paulusgesellschaft" 1967 in Marienbad dar. Erstmals
gelang damit eine Öffnung der ideologisch starren Fronten, so
Weiler, der selbst an der Tagung teilnehmen und so erste Kontakte
mit zukünftigen Gesprächspartnern knüpfen konnte.

Wiener "Institut für Friedensforschung"

Das an der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät 1967 als Frucht
des Konzils errichtete "Institut für Friedensforschung" unter
Leitung von Prof. Weiler sollte schließlich in Kooperation mit dem
in Wien angesiedelten "Internationalen Institut für den Frieden"
(IIF) den "Friedensdialog" aufnehmen. Weiler, der theologisch nie
als "Linksabweichler" verdächtig war, konnte umso unbefangener auch
mit prominenten sowjetischen Gesprächspartnern in Kontakt treten.

Im November 1971 kam es in Wien zu einer ersten internationalen
wissenschaftlichen Konferenz des "Internationalen Instituts für den
Frieden" (IIF) und des "Instituts für Friedensforschung" der Wiener
Katholisch-Theologischen Fakultät, dem Weiler vorstand. Die Tagung
stand unter dem Thema "Friedenssuche aus verschiedener
weltanschaulicher Sicht" und zielte darauf ab, über das Trennende
hinweg nach Gemeinsamkeiten zu suchen - ein Prinzip, das auch bei
den folgenden Dialogen beachtet wurde.

Eine Fortsetzung fand dieser Dialog schließlich 1973 in Moskau mit
einer Tagung über "Mittel und Wege zur Lösung von Problemen der
gesellschaftlichen Entwicklung aus verschiedener weltanschaulicher
Sicht". Es folgten nahezu jährliche weitere Treffen.

Veränderte Lage nach 1989

Nach der "Wende" 1989 änderte sich laut Prof. Weiler auch die
Ausrichtung des Dialogs maßgeblich. Die Dialoge in den siebziger und
achtziger Jahren waren unter dem Schlagwort der "friedlichen
Koexistenz" geführt worden. Aber schon bei der 16. Dialogrunde im
August 1989 in Leusden (Niederlande) wurde bereits eine deutliche
Auflockerung der Ost-West-Konfrontation festgestellt. Das 17.
Symposion im September 1990 in den USA stand bereits unter gänzlich
veränderten Vorzeichen. Entsprechend stand bereits die Frage der
"allgemeinmenschlichen Werte" im Mittelpunkt.

Der Wegfall des politischen Ringens um den Frieden zwischen den
Supermächten ging mit einer Verschiebung zu Fragen des
Zusammenlebens und der gemeinsamen Wertebasis einher. Die Frage der
Wertebasis hatte von Anfang an bei den Wiener Dialogen eine Rolle
gespielt, rückte aber mit dem Auflösungsprozess der Sowjetunion umso
mehr in den Mittelpunkt.

Vatikan war informiert

Den Schlusspunkt der "Friedensdialoge" bildete schließlich das 20.
Symposion im September 1993 in Moskau. Es stand gänzlich im Zeichen
des Umbruchs in das neue Jahrtausend und trug den Titel:
"Europäische Zivilisation an der Grenze zweier Jahrtausende:
Demokratie, Liberalismus/Marktwirtschaft und gemeinsame fundamentale
Werte".

Der Heilige Stuhl war stets über den Fortgang der Gespräche
informiert: Prof. Weiler pflegte immer einen intensiven Austausch
über die Tagungen mit Kardinal Franz König und der Apostolischen
Nuntiatur in Wien. Seit 1988 nahm außerdem der damalige Sekretär des
Päpstlichen Rates für die Nichtglaubenden, Msgr. Franc Rode (der
heutige Kardinal und Präfekt der Ordenskongregation), als Beobachter
an den Tagungen teil.

Friedensdialog mit Entwicklungsländern

Wenn man heute an die damalige Tradition der Friedensdialoge
anknüpfen wolle, müssten sie laut Weiler mit den Entwicklungsländern
geführt werden. Dabei gehe es auch um Probleme der Religion, konkret
etwa die Frage nach einer auch den Islam umfassenden Begründung
gemeinsamer Werte des Zusammenlebens.

Die Friedensdialoge der Jahre 1971 bis 1986 sind ausführlich
dokumentiert in den drei Bänden "Christen und Marxisten im
Friedensgespräch". Die weiteren Dialogrunden bis 1993 wurden in der
Zeitschrift "Wiener Blätter für Friedensforschung" des
Universitätszentrums für Friedensforschung (UZF) dokumentiert.

O-Töne des Gesprächs mit Prof. Weiler können in Kürze unter
www.katholisch.at/o-toene abgerufen werden.

(ende)
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