- 18.11.2009, 19:48:10
- /
- OTS0327 OTW0327
"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zurück aus der Dusche wieder mitten im Spielgeschehen" (Von Reinhold Reiterer)
Ausgabe vom 19.11.2009
Graz (OTS) - Die Jubelkundgebungen waren enden wollend. Am
Wochenende stellte die ORF-Geschäftsführung den 35 Stiftungsräten den
Finanzplan, sprich das Budget 2010, zu. Am Montag einigte sich die
große Koalition auf eine Novellierung des 2001 verabschiedeten
ORF-Gesetzes.
Klaus Pekarek, der vom Land Kärnten geschickte Vorsitzende des
ORF-Stiftungsrates, erblickt in diesem Konvolut alles andere als
einen großen Wurf, er spricht vom "kleinsten gemeinsamen politischen
Nenner" und bedauert, "dass man die Chance versäumt hat, den ORF
strategisch und strukturell langfristig neu zu positionieren".
Voll Häme berichten die Printmedien vom "teuersten ORF-Transfer aller
Zeiten". Die ÖVP ließ sich eine zeitlich befristete Refundierung der
Gebührenbefreiung in der Höhe von 160 Millionen Euro schon ab 2010
mit einer Personalie abkaufen. Der jetzige Chefredakteur im
ORF-Landesstudio Niederösterreich, Richard Grasl, wird neuer
ORF-Finanzdirektor. Damit hat die VP einen absoluten Vertrauensmann
in der ORF-Geschäftsführung, der sich einerseits als Gegenkandidat zu
Generaldirektor Wrabetz positionieren kann und der ein entscheidendes
Wort bis zum Auslaufen der Amtsperiode von Wrabetz und Co. Ende 2011
mitzureden hat.
Seinerzeit fand der kurzzeitige Unterrichtsminister Helmut Zilk den
Proporz in der Schule zum Kotzen. Warum fällt er mir gerade jetzt
ein? Weil der Kuhhandel das Maß aller Dinge in der koalitionären
Medienpolitik ist? Was werde er nicht alles zur Frauenförderung im
ORF unternehmen, schrieb Wrabetz in seine Bewerbung. Die einzige Frau
in der Geschäftsführung, die VP-nahe Sissy Mayerhoffer, ließ er wie
eine heiße Kartoffel fallen. Die Finanzdirektorin ist seit
Montagnacht Chefin im Bereich "Humanitarian Broadcasting". Alexander
Wrabetz hat diesen (Rück-)-Tritt auf die ganz feine englische Art
hingekriegt.
Überhaupt, der ORF-Alleingeschäftsführer ist schon ein
bewundernswertes Stehaufmanderl. Vor einem Jahr hätte wohl niemand
auch nur einen luckerten Heller auf seine Zukunft gesetzt. Vom
Bundeskanzler abwärts zweifelten rot-schwarze Spitzenpolitiker dessen
Fähigkeiten an, so ein Unternehmen wie den ORF zu führen.
In der Kickersprache ausgedrückt, befand sich Wrabetz bereits in der
Kabine unter der Dusche. Jetzt ist er wieder auf dem Spielfeld und
verteilt die Bälle. Und hat überhaupt keinen Genierer, die
Begehrlichkeiten der Parteizentralen zu erfüllen.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mail: [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ






