Studentenproteste: Mehr als 70% der Studierenden befürworten Hörsaalbesetzungen und Demonstrationen

Wien (OTS) - Eine vom Institut für Jugendkulturforschung -jugendkultur.at unter Studierenden durchgeführte bundesweite Repräsentativbefragung zeigt, dass die überwältigende Mehrheit der Studierenden hinter den Protesten der letzten Wochen steht. Zudem haben sich fast 50% der BefürworterInnen auch selbst an den Protestaktionen beteiligt.

Von der Wirtschaft unabhängige Universitäten

Die unter den Protest-BefürworterInnen weitaus wichtigste Forderung ist, die Universitäten von Einflussnahme der Wirtschaft möglichst frei zu halten und für alle gesellschaftlichen Gruppen gleichberechtigten Zugang zur akademischen Bildung zu sichern. Darüber hinaus will man während des Studiums ordentlich betreut werden, keine Verschulung und keine übertriebene Konkurrenz und Selektion.

Vertrauenskrise der Politik

Über 50% der Befragten vermissen bei allen politischen Parteien des Landes hochschulpolitische Kompetenz. Die studierenden Frauen zeigen sich in diesem Zusammenhang besonders politikskeptisch. Relativ klare parteipolitische Präferenzen lassen sich im großen Lager der Protest-BefürworterInnen und im relativ kleinen Lager der Protest-GegnerInnen erkennen. Während die BefürworterInnen zum großen Teil AnhängerInnen der Grünen sind, sammeln sich bei den Protest-GegnerInnen AnhängerInnen der ÖVP.

Unterschiedliche Visionen für die Universität der Zukunft
Die beiden Lager unterscheiden sich vor allem dort deutlich, wo es um universitätspolitische Zukunftsvisionen geht. Während die Protestierenden für eine offene, alle gesellschaftliche Gruppen inkludierende Universität als Bildungsinstitution eintreten, zeigen sich die GegnerInnen als AnhängerInnen einer auf Berufsausbildung ausgerichteten, hochgradig selektiven Universität. Sie stehen Zugangsbeschränkungen positiv gegenüber und sehen im Ausschluss der deutschen Studierenden aus dem Studienbetrieb einen wichtigen Ansatz zur Lösung der Probleme der Massenuniversität.

Frauen leiden besonders unter den Problemen der Massenuniversität

Die Untersuchung des Instituts für Jugendkulturforschung -jugendkultur.at zeigt aber auch, dass die Probleme der Massenuniversität einen geschlechtsspezifischen Aspekt aufweisen. Frauen leiden besonders unter überfüllten Hörsälen, aber auch unter einer anonymen Universität, in der es in der Lehre immer weniger kontinuierliche, persönliche Betreuung der Studierenden gibt. Im höheren Ausmaß als die männlichen Studierenden sprechen sich die Studentinnen für eine solidarische, offene und gut ausgestattete Universität aus, die mehr zu bieten hat als Konkurrenz und Selektion.

Die repräsentative Studierendenbefragung ist ab 18.11.2009 gegen eine Schutzgebühr von 70,- exkl. USt. via jugendkultur@jugendkultur.at erhältlich.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Beate Großegger und Mag. Bernhard Heinzlmaier (Studienleitung)
Institut für Jugendkulturforschung
www.jugendkultur.at
Tel: 01/ 532 67 95

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