• 13.11.2009, 12:57:58
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"Die Kunst, den Nerv zu treffen"

Bei den Kongresstage Anästhesie der Vinzenz Gruppe suchen Mediziner schonende Methoden für äußerst junge und für betagte Patienten

Wien (OTS) - "Unsere ältesten und unsere jüngsten Patienten machen
uns ein wenig Sorge", konzediert Univ.-Doz. Dr. Gerhard Redl,
leitender Anästhesist am Orthopädischen Spital Speising, im
Zusammenhang mit Vollnarkosen bei Operationen.

Denn trotz Fortschritten in der Pharmakologie der Anästhetika in
den letzten zwei Jahrzehnten, die einen weitgehend sicheren Einsatz
ermöglichen, bestehen bei den ganz jungen und besonders betagten
Patienten immer noch Rest-Risiken:

Ältere Personen leiden unmittelbar nach einer Vollnarkose
vereinzelt an Bewusstseinsstörungen, die sich ähnlich wie Demenzen
gebärden. "Das sind häufig nur leichtere Störungen, die die Merk- und
Konzentrationsfähigkeit einschränken, die aber mitunter auch länger
andauern können", erklärt Doz. Redl, der heuer Präsident der
Kongresstage Anästhesie der Vinzenz Gruppe (13. und 14. November)
ist. Da käme es schon einmal vor, dass Angehörige berichten: "Der Opa
ist irgendwie nicht mehr so wie früher!"

Bei Kleinkindern wiederum kann es nach mehreren Narkosen mitunter zu
Verhaltensstörungen kommen, aber auch zu kognitiven Dysfunktionen.

Der Hintergrund: Bei den Kleinen sind die Organfunktionen noch
nicht so stark ausgeprägt, bei den Älteren wiederum schon wieder
eingeschränkt. Der Organismus hat also nur wenige Reservekapazitäten,
um Stress-Situationen wie schwere Operationen adäquat zu managen.

Die Anästhesisten suchen derzeit daher nach alternativen
Narkose-Methoden, um diese Risken möglichst einzudämmen. Redl:
"Daher sind bei Babys wie bei älteren Menschen die interdisziplinäre
Zusammenarbeit und das akribische Einhalten von Standard-Prozessen
für die medizinische Vorbereitung vor Operationen besonders wichtig.
Auch das Monitoring und postoperative Checks müssen besonders
sorgfältig durchgeführt werden."

Gleichzeitig bemühen sich die Mediziner, so oft es nur irgendwie
möglich ist, eine Vollnarkose zu vermeiden. In Deutschland, etwa,
wird schon jeder fünfte chirurgische Eingriff ohne Vollnarkose
durchgeführt - auch in Österreich ist die Zahl im Steigen begriffen.

Regionalanästhesie - eine mögliche Alternative zur Vollnarkose

Eine Alternative für manche (wenn auch nicht alle) Fälle ist etwa
die Regionalanästhesie. Diese hat mit ihren peripheren
Nervenblockaden insbesondere in der orthopädischen Chirurgie und in
der Unfallchirurgie in den vergangenen zehn Jahren erheblich an
Bedeutung gewonnen. Von den Vorteilen der Regionalanästhesie sollen
nun verstärkt auch die besonders jungen sowie betagten Patienten
profitieren.

Bei der Regionalanästhesie lassen sich die Anästhesisten bei der
Betäubung von Nerven und bei der Anlage von Gefäßzugängen von
modernsten Ultraschallgeräten den Weg weisen. Mit Hilfe dieser
Methode benötigen sie nur noch einen Bruchteil der bisher
erforderlichen Narkosemittel. Das Anlegen von Arterien- und
Venenkathetern und Katheter ist praktisch schmerzfrei und im Nu
erledigt. Der Vorteil für die Patienten: Sie nehmen von der Prozedur
kaum etwas wahr, die Dosierung von Narkose- und lokalen
Betäubungsmitteln kann deutlich reduziert werden. "Der Einsatz von
Ultraschall ist ohne Zweifel die wichtigste aktuelle Entwicklung in
der Regionalanästhesie und hat das Potenzial, die Regionalanästhesie
zu revolutionieren", ist Dr. Redl überzeugt.

In Zukunft sieht er die Ärzte bei der Visite nicht mehr mit
Stethoskop beim Patienten sondern einem kleinen tragbaren
Ultraschallgerät. "Schon messen wir in Speising bei der täglichen
Visite regelmäßig das Herzvolumen mit Ultraschall."

An den Kongresstagen Anästhesie der Vinzenz Gruppe ist auch die
postoperative Schmerztherapie ein Thema. Redl dazu: "Die
Schmerztherapie nach einer Operation ist zwar medizinisch bereits
sehr fortgeschritten. Wir haben alle Mittel dazu. Doch in der Praxis
gibt es immer noch Fallstricke, denn es muss sowohl der Patient, als
auch der Operateur und der Krankenhausökonom damit zufrieden sein".

Anästhesisten nehmen Patienten die Angst

Für den Patienten hat Doz. Redl übrigens einen wichtigen Tipp vor
Operationen parat: "Reden Sie mit Ihrem Anästhesisten! Teilen Sie ihm
Ihre Sorgen mit und lassen Sie sich die Narkose und mögliche
Nachwirkungen erklären!" In den Spitälern der Vinzenz Gruppe, zu der
derzeit sieben Kliniken zählen, ist es bereits gang und gäbe, dass
vor Operationen mit Patienten Anästhesie-Vorgespräche geführt
werden, um ihnen die Angst zu nehmen und das Prozedere zu erklären.

Rückfragehinweis:

Annemarie Kramser
   Vinzenz Gruppe Krankenhausbeteiligungs- und Management GmbH, Wien
   Leitung Kommunikation
   Gumpendorfer Straße 108, 1060 Wien
   Tel : +43 /1/59988-3088
   Mobil: +43 /664 412 50 39
   E-Mail: annemarie.kramser@vinzenzgruppe.at
   www.vinzenzgruppe.at

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