- 13.11.2009, 11:35:35
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Experten sehen in semantischen Technologien kein Wundermittel - BILD

Wien (OTS) - Auffinden von relevanten Informationen wird
erleichtert - Automatisierte Businessplan-Bewertung erleichtert
Kreditvergabe - Konkrete Anwendungsbeispiele bei Podiumsdiskussion
erörtert
Potenziale in Nischen statt Vorteile für die breite Masse: Den
derzeit großen Hype um semantische Systeme, die das "Internet der
Zukunft" prägen und die Suche revolutionieren sollen, beurteilten
Experten bei einer Podiumsdiskussion des APA-IT-Forums gestern,
Donnerstagabend, in Wien eher skeptisch. "Wir glauben nicht an ein
großes semantisches Web, sondern eher an semantische Technologien,
die bei spezifischen Internetanwendungen helfen können", erklärte
Thierry Declerck vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche
Intelligenz (DFKI).
Praktische Einsatzmöglichkeiten gebe es bereits. Als Beispiel
nannte Declerck die Wissensgewinnung aus Radiologie-Berichten, wobei
Bilder und Texte mit semantischen Informationen versehen werden.
Dadurch könnten Fragen beantwortet werden wie: "Zeige mir Akten von
Patienten, die eine Vergrößerung der Lymphknoten haben." Dies diene
dazu, neue Erkenntnisse zu gewinnen, beziehungswiese die Behandlung
zu verbessern.
Im Finanzbereich könnten etwa veränderte Informationen automatisch
Ratingagenturen und Banken mitgeteilt werden. Ein mögliches
Einsatzgebiet sei auch die standardisierte Darstellung von
Geschäftsberichten. "Da müsste viel umgestellt werden und das kostet.
Allerdings ist Transparenz hier sehr wichtig. Das beweist die große
Nachfrage aus der Industrie", so Declerck. Außerdem könnten etwa
Businesspläne automatisch bewertet werden, um die Entscheidung über
die Kreditvergabe zu vereinfachen.
"Semantische Technologien unterstützen Unternehmen auch bei ihrem
Internet-Marketing. Angebote können effizienter und an mehreren Orten
im WWW zugleich dargestellt werden", ergänzte Christian Siegfried
Boser, Leiter des Fachbereiches Semantic Web der
WKÖ-Standardisierungsinitiative AUSTRIAPRO. Ein Beispiel dafür sei
das Projekt "ebSemantics", im Rahmen dessen man die
Unternehmensdatenbank "Firmen A-Z", die rund 400.000 Betriebe
umfasst, semantisch aufbereitet habe.
Info-Häppchen für größeren Geschäftserfolg
Nun könnten Gastronomen kostenlos eintragen, welche speziellen
Angebote - etwa Kinderspielpatz, Gastgarten - sie haben. Hoteliers
würde ermöglicht, Details wie Sauna oder WLAN-Zugang anzugeben. Ziel
sei es, Nachfrager und Anbieter zusammenzubringen. Plattformbetreiber
könnten die Daten, die automatisch aktualisiert werden, gratis
einbinden. Die Touristiker müssten sich um nichts weiter kümmern.
"Leichter auffindbare Info-Häppchen für die Kunden bedeuten mehr
Geschäftserfolg und somit eine wirtschaftliche Belebung gerade in
schwierigen Zeiten", so Boser. Eine Ausweitung auf andere Branchen
werde angestrebt.
Dass semantische Technologien das Potenzial haben, das Auffinden
von relevanten Informationen zu erleichtern, bestätigte auch Manfred
Mitterholzer von der APA-IT. Die potenziellen Einsatzgebiete seien
vielfältig, es gebe auch schon Beispiele für interessante
Anwendungen. Ein weiterer Vorteil sei das Entdecken von versteckten
Zusammenhängen, das mit herkömmlichen Mitteln nicht leicht erreichbar
wäre. Bei der Ähnlichkeitssuche in Zeitungs-Datenbanken könnte etwa
abgefragt werden, welche Personen häufig in einem bestimmten Kontext
vorkommen würden.
"Was aus Sicht der Benutzer als evolutionäre Weiterentwicklung
wahrgenommen wird, erfordert an der Basis aber zum Teil komplexe
neuartige Technologien und Herangehensweisen", so Mitterholzer. In
Anwendungen, wo Interoperabilität von Daten und Metadaten für den
Geschäftserfolg von Bedeutung ist, führe jedoch mittelfristig kein
Weg an der "Semantifizierung" vorbei. Diese sollte daher bei
Neuprojekten gleich von Anfang an mitgedacht werden.
Datenflut vs. unbrauchbare Treffer
Aktuell bestehe das Problem darin, dass man entweder keine
brauchbaren Daten bekomme oder von einer Datenflut überrollt werde,
sagte Francisco de Sousa Webber, Geschäftsführer der Matrixware
Information Services GmbH, die sich auf professionelle Suche
spezialisiert hat. Wenn man beispielsweise etwas erforschen und
patentieren wolle, müsse recherchiert werden, ob es nicht bereits ein
Patent gebe. Nachdem davon Investitionsentscheidungen von Hunderten
Millionen Euro - etwa in der Pharmabranche - abhängen würden, dürfe
kein Dokument übersehen werden, "da ist absolute Präzision
notwendig". Hier könnten semantische Technologien helfen.
Für ein wichtiges Thema hält er zudem die Mehrsprachigkeit -
schließlich gebe es auch chinesische Patente. Automatische
Übersetzungen seien zwar nicht perfekt, die im Patent eingesetzte
Technologie könnte aber erkannt werden. "Wenn man die möglicherweise
betroffenen Patente auf fünf eingrenzen kann und die dann einem
Human-Übersetzer gibt, ist schon viel geschafft." Früher sei das
praktisch gar nicht lösbar gewesen.
APA-IT-Forum
Die Veranstaltungsreihe APA-IT-Forum setzt sich aus mehrmals
jährlich stattfindenden Treffen zu aktuellen Themen der
Informationstechnologie zusammen. Die APA-IT lädt Kundinnen und
Partner, Journalistinnen und Branchenvertreter zu Fachgesprächen
sowie Publikumsdiskussionen mit jeweils aktuellen Themenschwerpunkten
ein. Das persönliche Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen aus dem
Business steht dabei im Vordergrund.
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Rückfragehinweis:
Barbara Rauchwarter Unternehmenssprecherin Leiterin Marketing & Kommunikation APA - Austria Presse Agentur Tel.: +43/1/360 60-5700 barbara.rauchwarter@apa.at www.apa.at
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