Pauschalverunglimpfung der Gesundheitspolitiker war nicht beabsichtigt

Der NÖ Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner erwartet sich aber trotzdem, dass seine Optimierungsvorschläge für das Gesundheitssystem von den zuständigen Stellen überprüft werden

Wien (OTS) - "Schlechte Gesundheitspolitikerinnen und -politiker gefährden die Gesundheit genauso wie schlechte Gesundheitsdienstleiter. Diese allgemeinen Aussagen sind richtig, davon muss sich ja niemand zwangsläufig betroffen fühlen", so Dr. Christoph Reisner, Ärztekammerpräsident aus Niederösterreich. Dr. Helga Krismer, Landtagsabgeordnete bei den Grünen in Niederösterreich, übte heute starke Kritik an der Patientenzeitschrift "sprechstunde" der NÖ Ärztekammer, wonach aus Ihrer Sicht alle Gesundheitspolitiker pauschal mit dem Warnhinweis "Politiker-Inkompetenz gefährdet Ihre Gesundheit" beschimpf werden.

"Dies war nicht unsere Absicht. Ein Zweck unseres Patientenmagazins ist es, auf die bestehenden Schwächen im System hinzuweisen, zu sensibilisieren und auch Optimierungsvorschläge zu erarbeiten", so Präsident Dr. Reisner. "Aber Gott sei Dank gibt es Politikerinnen und Politiker, die aufgrund unserer Veröffentlichungen über das System nachdenken."

Ärztekammer hat keinen Einfluss auf gesundheitspolitische Entscheidungen, aber zahlreiche Vorschläge

Er kann den Vorwurf, sich als Vertreter der Ärztekammer aus der Verantwortung zu stehlen, ebenfalls nicht verstehen. "Unsere Vorschläge liegen am Tisch. Leider haben wir keinerlei Einfluss auf allfällige Entscheidungen. Aber damit sind wir nicht die einzigen im System", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Erst vor kurzem ließ etwa Gesundheitsminister Alois Stöger vermelden, dass er zwar die Kostensteigerungen in den Spitälern als problematisch sehe, aber dass ihm aufgrund des bestehenden Finanzausgleichs bis 2013 die Hände gebunden seien. Dies ist eines der Probleme, die wir als gefährlich für die medizinische Versorgung sehen und somit für die Gesundheit unserer Patientinnen und Patienten. Und es handelt sich hierbei zweifelsfrei um Politikerentscheidungen!"

Dem unkonkreten Vorwurf, eine Freundin von Dr. Krismer hätte verzweifelt versucht, zwei Stunden den diensthabenden Hausarzt zu erreichen, kann Präsident Dr. Reisner ebenfalls nichts abgewinnen. "Diensthabende Hausärztinnen und Hausärzte arbeiten in Zeiten wie diesen mit Grippewelle an der Belastungsgrenze und sind noch häufiger im Dienst der Patientinnen und Patienten unterwegs. Da kann es schon einmal zu Wartezeiten kommen. Doch wer ist daran schuld? Die betroffenen Ärztinnen und Ärzte? Oder vielleicht doch das von Politikern gestaltete System?"

Wenn die Probleme nicht gelöst werden, bewahrheitet sich der Warnhinweis

Die neue Grippe ist übrigens ein sehr gutes Beispiel, wie hierzulande mit gesundheitspolitischen Fragestellungen umgegangen wird: "Während vor allem in den westlichen Bundesländern die niedergelassene Ärzteschaft sinnvoller Weise in die medizinischen Maßnahmen gegen die neue Grippe eingebunden wird, findet das in Niederösterreich bisher nicht statt. Wir halten das medizinisch für bedenklich."

Übrigens ist dieses Patientenmagazin unter www.arztnoe.at online abrufbar. "Ich empfehle allen Politikerinnen und Politikern, sich unsere Vorschläge einmal anzusehen und zu prüfen. Wenn diese Punkte in den kommenden Jahren nicht gelöst werden, steuern wir auf massive Finanzierungsprobleme bei schlechterem Zugang der Bevölkerung zu Gesundheitsdienstleitungen zu. Und spätestens dann hat sich unser Warnhinweis leider bewahrheitet", fasst Präsident Dr. Reisner zusammen.

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