• 12.11.2009, 12:49:42
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Pauschalverunglimpfung der Gesundheitspolitiker war nicht beabsichtigt

Der NÖ Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner erwartet sich aber trotzdem, dass seine Optimierungsvorschläge für das Gesundheitssystem von den zuständigen Stellen überprüft werden

Wien (OTS) - "Schlechte Gesundheitspolitikerinnen und -politiker
gefährden die Gesundheit genauso wie schlechte
Gesundheitsdienstleiter. Diese allgemeinen Aussagen sind richtig,
davon muss sich ja niemand zwangsläufig betroffen fühlen", so Dr.
Christoph Reisner, Ärztekammerpräsident aus Niederösterreich. Dr.
Helga Krismer, Landtagsabgeordnete bei den Grünen in
Niederösterreich, übte heute starke Kritik an der
Patientenzeitschrift "sprechstunde" der NÖ Ärztekammer, wonach aus
Ihrer Sicht alle Gesundheitspolitiker pauschal mit dem Warnhinweis
"Politiker-Inkompetenz gefährdet Ihre Gesundheit" beschimpf werden.

"Dies war nicht unsere Absicht. Ein Zweck unseres
Patientenmagazins ist es, auf die bestehenden Schwächen im System
hinzuweisen, zu sensibilisieren und auch Optimierungsvorschläge zu
erarbeiten", so Präsident Dr. Reisner. "Aber Gott sei Dank gibt es
Politikerinnen und Politiker, die aufgrund unserer Veröffentlichungen
über das System nachdenken."

Ärztekammer hat keinen Einfluss auf gesundheitspolitische
Entscheidungen, aber zahlreiche Vorschläge

Er kann den Vorwurf, sich als Vertreter der Ärztekammer aus der
Verantwortung zu stehlen, ebenfalls nicht verstehen. "Unsere
Vorschläge liegen am Tisch. Leider haben wir keinerlei Einfluss auf
allfällige Entscheidungen. Aber damit sind wir nicht die einzigen im
System", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Erst vor kurzem ließ etwa
Gesundheitsminister Alois Stöger vermelden, dass er zwar die
Kostensteigerungen in den Spitälern als problematisch sehe, aber dass
ihm aufgrund des bestehenden Finanzausgleichs bis 2013 die Hände
gebunden seien. Dies ist eines der Probleme, die wir als gefährlich
für die medizinische Versorgung sehen und somit für die Gesundheit
unserer Patientinnen und Patienten. Und es handelt sich hierbei
zweifelsfrei um Politikerentscheidungen!"

Dem unkonkreten Vorwurf, eine Freundin von Dr. Krismer hätte
verzweifelt versucht, zwei Stunden den diensthabenden Hausarzt zu
erreichen, kann Präsident Dr. Reisner ebenfalls nichts abgewinnen.
"Diensthabende Hausärztinnen und Hausärzte arbeiten in Zeiten wie
diesen mit Grippewelle an der Belastungsgrenze und sind noch häufiger
im Dienst der Patientinnen und Patienten unterwegs. Da kann es schon
einmal zu Wartezeiten kommen. Doch wer ist daran schuld? Die
betroffenen Ärztinnen und Ärzte? Oder vielleicht doch das von
Politikern gestaltete System?"

Wenn die Probleme nicht gelöst werden, bewahrheitet sich der
Warnhinweis

Die neue Grippe ist übrigens ein sehr gutes Beispiel, wie
hierzulande mit gesundheitspolitischen Fragestellungen umgegangen
wird: "Während vor allem in den westlichen Bundesländern die
niedergelassene Ärzteschaft sinnvoller Weise in die medizinischen
Maßnahmen gegen die neue Grippe eingebunden wird, findet das in
Niederösterreich bisher nicht statt. Wir halten das medizinisch für
bedenklich."

Übrigens ist dieses Patientenmagazin unter www.arztnoe.at online
abrufbar. "Ich empfehle allen Politikerinnen und Politikern, sich
unsere Vorschläge einmal anzusehen und zu prüfen. Wenn diese Punkte
in den kommenden Jahren nicht gelöst werden, steuern wir auf massive
Finanzierungsprobleme bei schlechterem Zugang der Bevölkerung zu
Gesundheitsdienstleitungen zu. Und spätestens dann hat sich unser
Warnhinweis leider bewahrheitet", fasst Präsident Dr. Reisner
zusammen.

Rückfragehinweis:
Pressestelle, Michael Dihlmann, Tel. 0664/144 98 94, mailto:[email protected], www.arztnoe.at

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