- 10.11.2009, 16:05:11
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"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: " Grüne brauchen mehr als einen neuen Anstrich"
Die Ökos drohen von der Avantgarde - zur Adabei-Partei zu mutieren.
Wien (OTS) - Hand aufs Herz: Können Sie sich spontan an ein großes
Thema in den vergangenen Monaten erinnern, das Sie mit den Grünen im
Verbindung bringen? Keines? Welche Debatte oder Kampagne aus jüngster
Zeit kommt Ihnen in den Sinn, die Sie mit der Öko-Fraktion untrennbar
assoziieren? Auch keine?
Gewiss: Grüne Abgeordnete wie Peter Pilz decken im
Spitzel-Ausschuss des Parlaments Sünden der Vergangenheit im
Bermudadreieck zwischen Innenministerium und Staatsanwaltschaft
erfolgreich auf. Grüne Abgeordnete wie Eva Glawischnig liefern
seriöse Vorschläge zur Lösung der Hochschulmisere. In den Schubladen
des Parlamentsklubs liegen wohldurchdachte Konzepte für so gut wie
alle Lebensbereiche. In keiner Partei ist mutmaßlich so viel
akademischer Sachverstand zu Hause wie bei Glawischnig & Co.
Aber wo sind die "politischen Tore", die etwa heuer von den Grünen
"geschossen" wurden?
Allein in Oberösterreich ist es ihnen gelungen, ihr Ergebnis zu
halten und weiter als Regierungspartner mitzumischen. Auch die Stadt
Graz wird schwarz-grün regiert. Beide Vorzeigeprojekte entwickelten
bislang nur regionale Strahlkraft.
Die Grünen wirken auffällig farblos und weitaus älter als die 23
Jahre, die sie seit ihrem erstmaligen Einzug ins Parlament auf dem
Buckel haben.
Die Partei stand in ihrer Urzeit für Ökologie: Zwentendorf,
Hainburg, Nationalparks. Und für Menschenrechte und Integration:
Fairer Umgang mit Zuwanderern und Asylanten.
Kantige und originelle Persönlichkeiten von Freda Meissner-Blau
bis Herbert Fux, von Madeleine Petrovic bis Johannes Voggenhuber
prägten das äußere Erscheinungsbild.
Alexander Van der Bellen deckte als brummelnde Vaterfigur die
Ermüdungserscheinungen der Öko-Bewegung zu; brillierte in Debatten
als wacher Geist, der sich nicht dem politischen Quaksprech
unterwarf.
Eva Glawischnig, die die Parteiführung nach dem Wahldebakel vor
einem Jahr übernommen hat, kann als jungen Parteichefin die Schwächen
der Grünen nicht mehr länger allein camouflieren. Sie wirkte
sichtlich erleichtert, als sie gestern den Caritas-Manager Stefan
Wallner als neuen Parteimanager präsentierte.
Der Bundesgeschäftsführer spielt intern eine wesentlichere - vor
allem strategische - Rolle, als nach außen hin sichtbar wird. Bis
zu seiner Wahl Anfang Dezember wollen sich Glawischnig und Wallner
noch nicht in die Karten schauen lassen.
Für eine neue strategische und personelle Ausrichtung der Grünen
ist es aber, um es in der Sprache der einstigen Öko-Alarmisten zu
sagen, fünf nach zwölf.
Sonst mutieren die Grünen endgültig von der einstigen
Avantgarde-Partei zur Adabei-Partei: Die in der Lage ist, zu jedem
Thema auch etwas zu sagen, aber für nichts mehr steht als für eine
mehr oder weniger sympathische Ansammlung von bemühten Mandataren.
Rückfragehinweis:
KURIER, Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
mailto:[email protected]
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