- 09.11.2009, 19:00:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Jetzt ist Geduld gefragt - von Robert Lechner
Österreichs Industrie kommt nur langsam in Schwung
Wien (OTS) - Den Tiefpunkt sehen die meisten Industriekapitäne
schon hinter sich. Der Weg bis zu einer spürbaren Erholung ist aber
nicht nur weit, sondern auch besonders steinig. Nachdem die Umsätze
in wichtigen Industriesektoren heuer um bis zu 25 Prozent einbrechen
werden, sind im kommenden Jahr selbst in den optimistisch
eingestellten Bereichen nicht mehr als fünf Prozent Plus drinnen.
Ein Gutteil davon ist freilich routinemäßige Schwarzmalerei der
Standesvertreter vor den entscheidenden Lohnrunden. Unter dem Strich
bleibt aber: die Erholung der Industrie, die sich bereits in einigen
westeuropäischen Staaten wie Deutschland abzeichnet, ist hierzulande
nicht so richtig greifbar. Und das wird auch noch mindestens bis 2011
so bleiben. Die chemische Industrie ist dafür ein gutes Beispiel.
Während Konzerne wie BASF im Nachbarland für Aufbruchsstimmung und
ein erwartetes Plus von neun Prozent sorgen, wird in Österreich nur
von einem leichten Anstieg von zwei bis fünf Prozent gesprochen. Wenn
die Inflation auch nur leicht zunimmt, bleibt davon real kaum etwas
übrig. Das sind schlechte Nachrichten, da es kaum einen besseren
Konjunkturindikator gibt als die Chemie. In fast allem, was
produziert wird, stecken chemische Vorprodukte.
Gemäß einem Szenario der Industriellenvereinigung wird es sogar bis
2023 (!) dauern, bis der Sektor wieder auf dem Niveau vor der Krise
angekommen ist. Wer derzeit solche langfristigen Schätzungen wagt,
kann durchaus als kühn bezeichnet werden, wo doch nicht einmal klar
ist, was in den kommenden drei Monaten passiert. Die Prognose passt
aber ins Bild, wonach es mit dem Aufschwung in der österreichischen
Industrie noch länger nichts wird. Was Unternehmen wie Wienerberger
kürzlich an Zahlen veröffentlicht haben, trägt auch nicht dazu bei,
Optimismus zu schüren.
Ganz verlieren sollte man ihn trotzdem nicht. Denn Indizes wie jener
der Bank Austria über die Einschätzung der Einkaufsmanager geben
durchaus Hoffnung. Bei näherer Betrachtung wird zudem rasch klar,
warum Österreich hinterherhinkt. Der Abschwung hat zunächst einmal
leicht zeitversetzt begonnen. Ähnliches passiert natürlich, wenn es
um die Trendwende nach oben geht. Außerdem hängt die Produktion zu
einem guten Teil an Exportländern, die es besonders hart erwischt
hat. In diese Kategorie fallen die einstigen Hoffnungsmärkte in
Zentral- und Osteuropa. Deren Absturz ins Bodenlose zu verdauen
braucht eben seine Zeit.
Dadurch bleibt nicht nur die Arbeitslosigkeit ein brisantes Thema.
Auch mit der Sanierung der Staatsfinanzen kann, wie von Ökonom
Bernhard Felderer klargestellt, frühestens in zwei Jahren begonnen
werden.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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