Die Landmedizin darf nicht aussterben

Vor allem die ältere Bevölkerung leidet unter der derzeitigen Gesetzgebung

Wien (OTS) - Mit großer Freude reagierte der Niederösterreichische Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner auf das rege Medieninteresse anlässlich der Pressekonferenz und der Hausapothekenkundgebung am gestrigen Mittwoch: "Das zeigt ganz deutlich, dass wir mit diesem Thema einerseits die Anliegen der betroffenen Menschen ganz genau treffen und dass es andererseits offenbar nur durch etwas ausgefallenere Aktionen gelingt, auch das entsprechende Interesse am Thema zu erzeugen."

Die NÖ Ärztekammer versucht seit Jahren die Problematik aufzuzeigen, wonach alleine in Niederösterreich in den kommenden Jahren etwa 100 Hausapotheken geschlossen werden müssen, und mit vielen von ihnen die wohnortnahe, volkswirtschaftlich günstigere und dringend benötigte ärztliche Grundversorgung ausstirbt. "Das wird etwa 200.000 Menschen in Niederösterreich ganz hart treffen, wenn keine Gesetzesänderung herbeigeführt werden kann."

Die Seniorenvertreter erkennen den Ernst der Lage

Die Kritik richtet sich vor allem gegen einen Teil im Apothekengesetz, wonach bei Neueröffnung einer öffentlichen Apotheke alle ärztlichen Hausapotheken im Umkreis von vier Kilometern schließen müssen. Alle Hausapotheken im Umkreis von sechs Kilometern dürfen bei einer Ordinationsübergabe vom Nachfolger nicht mehr weiter betrieben werden. " Und das trifft vor allem entlegene Landgebiete mit vorwiegend älterer Bevölkerung", so der Ärztekammerpräsident weiter. Daher muss diese Schutzzone für öffentliche Apotheken fallen.

"Das haben die politischen Vertreter unserer Seniorinnen und Senioren erkannt", freut sich Präsident Dr. Reisner. Ingrid Korosec, die Landesvorsitzende des Wiener Seniorenbundes, zeigte sich bei der Pressekonferenz davon überzeugt, dass Änderungen in der Gesetzgebung notwendig sind: "Die starren Kilometerregelungen sind nicht das, was im heutigen Leben gebraucht wird." Der Pensionistenverband Österreichs, repräsentiert durch Präsident Karl Blecha, sprach per Videobotschaft zu den Journalisten: "Das Apothekengesetz sieht kein Eingehen auf örtliche Gegebenheiten vor. Die starre Regelung nimmt in keiner Weise bedacht auf die Bedürfnisse der Menschen."

Eine öffentlichkeitswirksame Aktion war dringend notwendig

Symbolisch für die Schließung von Ärztlichen Hausapotheken in Niederösterreich wurde in Paudorf bei Krems gestern Nachmittag die Medikamentenversorgung zu Grabe getragen. Dort spielt sich vor Ort gerade eine "Hausapothekenschließungsgroteske" ab. "Wir haben diesen Weg gewählt, da unsere bisherigen Bemühungen immer auf taube Ohren gestoßen sind. Wir haben im Vorfeld auch mehrfach alle Landes- und Bundesabgeordneten aus Niederösterreich schriftlich auf diese Problematik aufmerksam gemacht. Da bis dato wenig Bewegung in die Diskussion gekommen ist, war eine Aktion dieser Art dringend notwendig", so Präsident Dr. Reisner.

Solidarisch zeigte sich auch der Bundesobmann-Stellvertreter des Österreichischen Seniorenbundes, Dr. Klaus Hecke, selbst Bewohner einer Landregion in Niederösterreich, der sich auf dem Podium zu Wort meldete. Wie auch bei früheren Aktionen hat sich die betroffene Paudorfer Bevölkerung rege an der Kundgebung beteiligt. "Wir sind jedenfalls zuversichtlich, dass nun Bewegung in die Angelegenheit kommt. In Kürze wird sich der Seniorenrat, also die Dachorganisation aller Senioren- und Pensionistenverbände, als gesetzlich anerkannte Interessenvertretung mit dieser wichtigen Problematik auseinandersetzen", so Präsident Dr. Reisner abschließend.

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