• 04.11.2009, 19:42:28
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wenn Gewinne winken, spielen Standorte und Politik keine Rolle" (Von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 5.11.2009

Graz (OTS) - Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die
Zukunft betreffen, hat schon der amerikanische Schriftsteller Mark
Twain gewusst, und Wirtschaftsforscher oder Börsengurus sollte man
mit diesem Thema besser gar nicht befassen.

Auch die US-Autoindustrie dürfte wohl keine exzellenten Berater
gehabt haben. Auf dem schnurgeraden Highway in den Autohimmel mit
Vollgas unterwegs wurden GM und Co im Vorjahr von der Krise völlig
unvorbereitet erwischt, nur eine nationale Kraftanstrengung konnte
Detroit vor dem totalen Crash retten. General Motors musste das
Steuer herumreißen, zum Rettungsprogramm gehörte auch der Verkauf von
Opel. Eine Überlegung aus der Not geboren und wohl nicht auf der
Basis längerfristiger Konzepte, in welche Richtung sich der Automarkt
entwickelt.

Jetzt haben die Verantwortlichen in Detroit erneut abrupt die
Richtung gewechselt. Angesichts der langsam wieder optimistischeren
Wirtschafts-Prognosen wollte man wohl nicht riskieren, mit Opel den
europäischen Automarkt zu verlieren, jeder noch so kleine
Silberstreif am Horizont dürfte Wasser auf die Mühlen jener Manager
gewesen sein, die im Verwaltungsrat von GM gegen den Verkauf gestimmt
haben.

Für Opel - und da muss man kein Prophet sein - verheißt das nichts
Gutes. Der Weg zurück zur ungeliebten Mutter, die man schon glaubte
losgeworden zu sein, wird hart werden. GM wird den europäischen
Opel-Standorten einen rigiden Sparkurs verordnen, Massenkündigungen
werden nur dann ausbleiben, wenn Deutschland oder Spanien für den
Erhalt der Opel-Standorte tief in die Tasche greifen.

Die Auswirkungen auf Magna abzuschätzen ist weitaus schwieriger. BMW
und vor allem VW werden sich künftig wohl wieder leichteren Herzens
mit Magna an einen Tisch setzen, ob das in einem schrumpfenden
Automarkt allerdings reicht, das im Opel-Deal schlummernde
Expansionspotenzial einigermaßen zu kompensieren, ist völlig offen.

Ihr Gesicht verloren hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.
Während sie zu Wochenbeginn vom US-Kongress beklatscht wurde hat man
im Staatskonzern GM hinter ihrem Rücken die Fäden für den Rückzug vom
Verkauf gezogen. Ungeachtet der schon bis dato geflossenen
Milliardenhilfe der Deutschen für Opel.

Politik ist eine Sache, Kapitalismus eine andere. Wenn sich ein
Mega-Konzern wie GM von einer Zukunft mit Opel mehr Gewinn erhofft
als ohne Opel lässt man auch eine Merkel dumm sterben.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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