• 04.11.2009, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: GM hat recht, Magna einen Imageschaden - von Hans-Jörg Bruckberger

Vielleicht hat die Opel-Schlappe aber sogar ihr Gutes

Wien (OTS) - Wir haben es geahnt. "Vielleicht will GM Opel ja gar
nicht (mehr) verkaufen", haben wir an dieser Stelle Ende August
geschrieben. Als dann verkündet wurde, dass Magna den Zuschlag für
Opel bekommt und ganz Deutschland applaudierte, waren wir in der
Redaktion skeptisch. Denn nebenbei hieß es damals schon, dass noch
Details geklärt und bestimmte Bedingungen erfüllt, werden müssen.
Eine definitive Lösung schaut anders aus. Spielen die Amerikaner auf
Zeit und warten die deutschen Wahlen ab, um Angela Merkel zumindest
den schlimmsten politischen Schaden zu ersparen? Ja, genau das taten
sie.

Lassen wir jeglichen Patriotismus und europäisches Selbstwertgefühl
mal beiseite und betrachten die Geschichte ganz sachlich. Tut man
das, so kann man General Motors (GM) keinen Vorwurf machen. Die
Amerikaner haben einfach ihr Recht als Eigentümer gewahrt. Als
solcher ist es legitim, sich Zeit zu lassen und einen Rückzieher zu
machen. Offenbar war das Vertragswerk auch so ausgestaltet, dass GM
eine Ausstiegsklausel hatte. Wer sich darauf einlässt, muss damit
rechnen, dass es auch dazu kommen kann.

Genau genommen hat GM das sogar clever gemacht: Anstatt in größter
Not voreilig zu verkaufen, haben die Amerikaner auf Zeit gespielt.
Jetzt schaut die Konjunktur wieder besser aus, GM ist nach
erfolgreichem Chapter-11-Verfahren aus dem Gröbsten draußen und hat
wieder etwas finanziellen Spielraum. Wieso soll man sich dann aus
Europa zurückziehen und einen neuen Konkurrenten in Russland
einhandeln? Klar stecken hinter der verbesserten Situation bei GM
Staatshilfen, doch darüber dürfen sich Europäer nicht aufregen - sie
hätten Magna ja auch welche gewährt.

Für Magna, besonders für CEO Sigi Wolf, ist die Causa Opel natürlich
eine Niederlage. Viel Zeit, Energie, und letztendlich auch Geld,
wurde investiert. Und jetzt steht man mit leeren Händen da. Dass Wolf
für GM Verständnis zeigt, ist klar - GM ist ein wichtiger Kunde. Ein
Imageschaden bleibt jedenfalls, zudem hat man sich mit den
Opel-Plänen bei Kunden keine Freunde gemacht. Als Zulieferer mit
großer Abhängigkeit von US-Kunden, die wie Chrysler abspringen oder
wie GM kleinere Brötchen backen, braucht Magna nun dringend einen
Plan B. Andererseits kann man durchaus sagen: "Wer weiß, wofür diese
Niederlage gut ist". Denn mit Opel wäre Magna ein hohes Risiko
eingegangen, ein Erfolg keineswegs garantiert gewesen. Letzteres gilt
auch für die österreichischen Standorte - vielleicht wären
Kapazitäten nach Russland abgezogen worden.

Der einzig wirkliche Verlierer ist die deutsche Politik, der wieder
einmal vor Augen geführt wurde, wer in der Welt das Sagen hat. Bis
zur nächsten Wahl ist das aber auch wieder vergessen.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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