• 03.11.2009, 13:15:35
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Offener Brief von VSStÖ/SJÖ/aks an das Regierungsteam der SPÖ

Wien (OTS) - Mit einem offenen Brief anlässlich des heutigen
MinisterInnenrates richten sich der Verband Sozialistischer
StudentInnen (VSStÖ), die Sozialistische Jugend Österreich (SJÖ) und
die Aktion Kritischer SchülerInnen (aks) an das Regierungsteam der
SPÖ:

Liebe Ministerin, lieber Minister, liebe GenossInnen,

Die Studierendenproteste der letzten Wochen zeigen, dass an den
Universitäten viel im Argen liegt - und dass die Studierenden sich
wehren. Die Universitäten brauchen mehr Geld - und nicht weniger
Studierende. Über die vielen Studierenden und den Anstieg der
StudienanfängerInnen aufgrund der Teilabschaffung der Studiengebühren
müssen wir uns freuen - anstatt über Beschränkungen zu sprechen.

Die Sozialdemokratie heftet sich in Österreich und weltweit den
Kampf für Bildung als emanzipatorische Kraft auf die Fahnen. Die
gemeinsame Schule ist ein Teil dieses Kampfes. Aber nicht
Schulbildung, auch Hochschulbildung muss frei und allen zugänglich
sein - denn nur das ermöglicht gerechten und gleichen Zugang zu
Bildung; Zugangsbeschränkungen halten Menschen vom Studieren ab.
Daran ändern Umdeutungsversuche in "qualitative
Zulassungsvoraussetzungen" oder "Zugangsregelungen" nichts.
Zugangsbeschränkungen, egal ob Aufnahmetest, Numerus Clausus oder
Knock-Out-Prüfung in einer verschärften Studieneingangsphase, hindern
vor allem sozial Schwächere am Studierenden.

Bildungsnahe Schichten sind an den Universitäten um den Faktor
Drei überrepräsentiert (BMWF, Materialien zur sozialen Lage der
Studierenden 2007). Kinder von Vätern mit akademischem Abschluss
beginnen also mehr als fünfmal häufiger ein wissenschaftliches
Studium als jene von Vätern mit Lehrabschluss. Deutlicher lässt sich
die soziale Selektivität des österreichischen Bildungssystems nicht
aufzeigen.

Begründet werden Zugangsbeschränkungen in aller Regel mit der
schlechten budgetären Lage der Universitäten, man könne sich nur eine
bestimmte Anzahl an Studierenden "leisten". Dabei wird aber gerne
verschwiegen, dass jene schlechte budgetäre Lage Ergebnis einer
bewussten Budgetpolitik ist. Welchen Stellenwert Bildung hat, ist
nämlich kein Sachzwang sondern politischer Wille. Dass Hahn und Co
den "Ansturm der Deutschen" dazu verwenden, wieder Studiengebühren
und noch mehr Zugangsbeschränkungen zu fordern, mag im Verständnis
konservativer Politik logisch sein - als SozialdemokratInnen darauf
einzusteigen, ist aber der falsche Weg.

Wir fordern euch auf, den Worten und Bekenntnissen zu zwei Prozent
des BIP für den tertiären Bereich nun Taten folgen zu lassen - und
der ÖVP und ihren Wünschen nach Elite-Hochschulen nicht klein bei zu
geben! Hochschulen können und müssen ohne Zugangsbeschränkungen
funktionieren. Dazu braucht es nicht nur ein Bekenntnis und
Soldarisierungen sondern tatsächliche Verbesserungen. Der erste
Schritt auf einem langen Weg zu einem fairen Hochschulsystem ist die
Hochschulmilliarde.

Für den offenen Hochschulzugang!

Sophie Wollner, VSStÖ Bundesvorsitzende
Iris Schwarzenbacher, aks Bundesvorsitzende
Wolfgang Moitzi, SJ Verbandsvorsitzender

Rückfragehinweis:
Philipp Lindner, SJÖ-Pressesprecher, Tel: 0699/81 25 22 41

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