Uni-Proteste: Der Aufstand der "normalen" Studierenden

Institut für Jugendkulturforschung veröffentlicht top-aktuelle Umfrage

Wien (OTS) - Anlässlich der aktuellen Studierenden-Proteste hat
das Institut für Jugendkulturforschung eine Blitz-Umfrage unter 213 Studierenden der Universität Wien durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Proteste zu Dreiviertel von Studierenden getragen werden, die keiner hochschul- oder parteipolitischen Organisation angehören. Es ist offensichtlich, dass die ÖH und die StudentInnenorganisationen kaum einen Einfluss auf das Geschehen im Audimax der Universität Wien haben. Wir haben es also mit einer spontanen Bewegung von Betroffenen zu tun, die ohne auf ihre Interessensvertretung zu warten, selbst das Heft des Handelns in die Hand genommen haben. Die Enttäuschung durch die Institutionenpolitik und die neuen Kommunikationsmöglichkeiten, die die Selbstorganisationsfähigkeit von spontanen Bewegungen steigern, sind die wesentlichen Faktoren, die zur Emanzipation der StudentInnen von traditionellen Organisationen wie der ÖH und den Studierendenorganisationen geführt haben.

Studierende gegen EU-Bildungspolitik

"Bildung statt Ausbildung" heißt die Forderung der Studentenbewegung, die für die studentische Basis am wichtigsten ist. Im Zentrum der Kritik steht damit die Bildungspolitik der Europäischen Union, die das Studium in erster Linie den Verwertungsinteressen der Wirtschaft unterordnet und auf die persönlichen Bildungsinteressen und Bildungsziele des Einzelnen vergisst. Auch der Drittmittelforschung steht die große Mehrheit der Protestierenden ablehnend gegenüber. Verlangt wird eine vom Staat ausfinanzierte und damit von der Wirtschaft unabhängige Universität. Daneben sind das Verhindern von Zugangsbeschränkungen und die langfristige Verhinderung von Studiengebühren die wichtigsten Forderungen der Basis der Bewegung.

Für ein Studium ohne Behinderung durch Ausstattungsmängel

Trotzdem sind die protestierenden Studierenden nicht im traditionellen Sinn "politisch". Allgemeine gesellschaftspolitische Forderungen spielen in der Bewegung kaum eine Rolle. Am wichtigsten ist es für die aktiv protestierenden Studierenden, die Ausstattungsmängel an den Universitäten zu beseitigen sowie die Schaffung eines ausreichenden Lehrveranstaltungsangebotes. In diesem Zusammenhang werden folgende Problembereiche als die größten Mängel der Universitäten gesehen:

  • zu wenig breites Lehrveranstaltungsangebot,
  • überfüllte Hörsäle,
  • fehlende Aufenthaltsräume,
  • schlechtes Betreuungsverhältnis und zu teure Skripten.

Wenig überzeugt sind die protestierenden Studierenden von der Universitätspolitik der politischen Parteien. Zweidrittel von ihnen sind der Auffassung, dass gegenwärtig keine Partei gute universitätspolitische Konzepte anbieten kann. Offenbar haben die Studierenden auch deshalb ihre Geschicke mit den Protesten selbst in die Hand genommen.

Die Eigenstudie "Uni-Proteste 2009" ist gegen eine Schutzgebühr von Euro 70.- (zzgl. 20% USt.) erhältlich.

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