- 02.11.2009, 11:05:53
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NÖ Ärztekammer ist nicht grundsätzlich gegen Disease-Management-Programme eingestellt
Der Nutzen für Patientinnen und Patienten muss jedoch bei zukünftigen Projekten in den Vordergrund gestellt werden
Wien (OTS) - Der Wirbel rund um die Kündigung des "Disease
Management Programmes Diabetes Mellitus Typ 2 - Therapie aktiv" durch
die NÖ Ärztekammer war groß. Die Gebietskrankenkasse und das Land
Niederösterreich haben sich gewundert, der NÖ Patientenanwalt Dr.
Gerald Bachinger konnte die Kündigung nach eigenen Angaben "kaum
fassen". Zwischenzeitlich haben sich auch einige Selbsthilfegruppen
kritisch zu Wort gemeldet.
"Wir Ärztinnen und Ärzte in Niederösterreich haben uns bei der
Kündigung jedoch nicht wie behauptet gegen die bestmögliche Betreuung
unserer Patientinnen und Patienten ausgesprochen, sondern für die
bestmögliche Betreuung", erläutert Dr. Christoph Reisner,
Ärztekammerpräsident in Niederösterreich. Er führt weiter aus: "Das
Programm ist für die Mehrzahl der Ärztinnen und Ärzte in dieser Form
nicht lebbar. Dies erklärt auch die geringe Teilnehmerzahl. Gegen
eine sich immer weiter aufblähende Bürokratie, die uns Ärztinnen und
Ärzten immer mehr der Berufung beraubt, die uns zur Wahl unseres
Berufes geleitet hat, muss sich die Ärztekammer wehren."
Schwerpunkt Verbesserung der Behandlung
Man stellt sich so einer Entwicklung entgegen, wonach zukünftig
nur noch so genannte "Spezialisten" bestimmte, im ärztlichen Beruf
elementare Behandlungen durchführen dürften, wenn sie nach den
Vorgaben der politischen Führung vor allem in Bürokratie nachweislich
zertifiziert geschult wurden: "Ich verwehre mich dagegen, dass für
Behandlungen, die man in seiner Ausbildung gelernt hat, nun eine
neuerliche Ausbildung nachzuweisen ist. Weiters verwehre ich mich
gegen eine doppelgleisige Dokumentation. Im Hinblick auf zukünftige
DM-Programme wird man darauf achten müssen, dass der Schwerpunkt auf
eine Verbesserung der Behandlung gelegt wird", so Präsident Dr.
Reisner.
Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte benötigen aus seiner
Sicht statt DM-Programmen in der vorliegenden Form eine Aufwertung
ihrer Routinearbeit. "Unter anderem auch für die bestmögliche
Betreuung der Diabetiker. Gerade im hausärztlichen Bereich sollten
die Ärztinnen und Ärzte das anwenden dürfen, was zu den elementaren
Grundlagen ihres Berufs gehört. Dies gehört im Kassenvertrag
verankert und nicht in einer als Qualitätssicherung getarnten
Zugangsbeschränkung für Patientinnen und Patienten durch übertriebene
Bürokratie festgeschrieben", so der Ärztekammerpräsident.
Ärztekammer ist gesprächsbereit
Er zeigt sich allerdings offen und gesprächsbereit für eine
Optimierung solcher Projekte: "Wir sind nicht grundsätzlich gegen
Disease-Management-Programme. Was uns stört ist die Form. Der Nutzen
für Patientinnen und Patienten muss bei zukünftigen Projekten in den
Vordergrund gestellt werden, die Bürokratie muss in den Hintergrund.
Zukünftige Programme müssen für die Mehrzahl der Ärztinnen und Ärzte
praktikabel sein."
Präsident Dr. Reisner wundert sich auch über die Art der Reaktion
auf die Kündigung: "Warum melden sich nicht die Verantwortlichen, um
Gespräche mit der Ärztekammer zu führen? Um die Rahmenbedingungen für
alle akzeptabel zu machen?" Die NÖ Ärztekammer ist jedenfalls
gesprächsbereit und erwartet Kontaktaufnahme von den Stellen, die
sich für eine Optimierung der Behandlung zuständig fühlen.
Rückfragehinweis:
Pressestelle, Michael Dihlmann,
Tel. 0664/144929
mailto:[email protected]
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