NÖ Ärztekammer ist nicht grundsätzlich gegen Disease-Management-Programme eingestellt

Der Nutzen für Patientinnen und Patienten muss jedoch bei zukünftigen Projekten in den Vordergrund gestellt werden

Wien (OTS) - Der Wirbel rund um die Kündigung des "Disease Management Programmes Diabetes Mellitus Typ 2 - Therapie aktiv" durch die NÖ Ärztekammer war groß. Die Gebietskrankenkasse und das Land Niederösterreich haben sich gewundert, der NÖ Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger konnte die Kündigung nach eigenen Angaben "kaum fassen". Zwischenzeitlich haben sich auch einige Selbsthilfegruppen kritisch zu Wort gemeldet.

"Wir Ärztinnen und Ärzte in Niederösterreich haben uns bei der Kündigung jedoch nicht wie behauptet gegen die bestmögliche Betreuung unserer Patientinnen und Patienten ausgesprochen, sondern für die bestmögliche Betreuung", erläutert Dr. Christoph Reisner, Ärztekammerpräsident in Niederösterreich. Er führt weiter aus: "Das Programm ist für die Mehrzahl der Ärztinnen und Ärzte in dieser Form nicht lebbar. Dies erklärt auch die geringe Teilnehmerzahl. Gegen eine sich immer weiter aufblähende Bürokratie, die uns Ärztinnen und Ärzten immer mehr der Berufung beraubt, die uns zur Wahl unseres Berufes geleitet hat, muss sich die Ärztekammer wehren."

Schwerpunkt Verbesserung der Behandlung

Man stellt sich so einer Entwicklung entgegen, wonach zukünftig nur noch so genannte "Spezialisten" bestimmte, im ärztlichen Beruf elementare Behandlungen durchführen dürften, wenn sie nach den Vorgaben der politischen Führung vor allem in Bürokratie nachweislich zertifiziert geschult wurden: "Ich verwehre mich dagegen, dass für Behandlungen, die man in seiner Ausbildung gelernt hat, nun eine neuerliche Ausbildung nachzuweisen ist. Weiters verwehre ich mich gegen eine doppelgleisige Dokumentation. Im Hinblick auf zukünftige DM-Programme wird man darauf achten müssen, dass der Schwerpunkt auf eine Verbesserung der Behandlung gelegt wird", so Präsident Dr. Reisner.

Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte benötigen aus seiner Sicht statt DM-Programmen in der vorliegenden Form eine Aufwertung ihrer Routinearbeit. "Unter anderem auch für die bestmögliche Betreuung der Diabetiker. Gerade im hausärztlichen Bereich sollten die Ärztinnen und Ärzte das anwenden dürfen, was zu den elementaren Grundlagen ihres Berufs gehört. Dies gehört im Kassenvertrag verankert und nicht in einer als Qualitätssicherung getarnten Zugangsbeschränkung für Patientinnen und Patienten durch übertriebene Bürokratie festgeschrieben", so der Ärztekammerpräsident.

Ärztekammer ist gesprächsbereit

Er zeigt sich allerdings offen und gesprächsbereit für eine Optimierung solcher Projekte: "Wir sind nicht grundsätzlich gegen Disease-Management-Programme. Was uns stört ist die Form. Der Nutzen für Patientinnen und Patienten muss bei zukünftigen Projekten in den Vordergrund gestellt werden, die Bürokratie muss in den Hintergrund. Zukünftige Programme müssen für die Mehrzahl der Ärztinnen und Ärzte praktikabel sein."

Präsident Dr. Reisner wundert sich auch über die Art der Reaktion auf die Kündigung: "Warum melden sich nicht die Verantwortlichen, um Gespräche mit der Ärztekammer zu führen? Um die Rahmenbedingungen für alle akzeptabel zu machen?" Die NÖ Ärztekammer ist jedenfalls gesprächsbereit und erwartet Kontaktaufnahme von den Stellen, die sich für eine Optimierung der Behandlung zuständig fühlen.

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