• 27.10.2009, 18:06:08
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wer schützt unser Eigentum? - von Wolfgang Unterhuber

Zahlen wir doch Schutzgeld statt Steuern für die Sicherheit

Wien (OTS) - Die Kriminalstatistik ist erschreckend: 307 Morde
allein in den ersten acht Monaten des Jahres. 10.465 Raubüberfälle,
16.705 Einbrüche, über 51.000 Diebstähle, und ganze 9713 Mal wurde
ein Auto geklaut. Die Rede ist hier von Chicago. Jener 2,7 Millionen
Einwohner zählenden Metropole, die so gerne mit Wien verglichen wird.
In der Bundeshauptstadt gab es bis Mitte August 16 Morde. Bis
September wurden 2135 Autos gestohlen und es gab 7250
Wohnungseinbrüche. Das mit den Einbrüchen ist natürlich auch für Wien
eine Horrorzahl. Aber Wien ist nicht Chicago und Chicago wird auch
nicht Wien werden. Die US-Metropole erinnert eher an Gotham City aus
dem Comic "Batman": Eine Stadt mit Slums und Verbrecherbanden, die
sich untereinander bis aufs Blut bekämpfen. Wien ist im Vergleich
dazu Entenhausen.

Dennoch haben wir ein Problem. Wir müssen konstatieren, dass die
Politik gegenüber den organisierten Einbrecherbanden vollkommen plan-
und hilflos dasteht. Die zeitweilige Installation der Soko Ost war
ein schlechter Witz. Dabei ist es oberste Pflicht eines Staates, das
Eigentum seiner Bürger zu schützen. Dieser Pflicht kommt der Staat
hierzulande nur noch mit Hängen und Würgen nach. Sichtbarer Beweis
dieser Ohnmacht ist die Tatsache, dass Unternehmen und Einzelpersonen
immer öfter auf die nicht gerade billige Hilfe von privaten
Sicherheitsdienstleistern zurückgreifen müssen.

Wir sind also beinahe wieder im Mittelalter angekommen. Damals
wandten sich die Bürger an einen Patron, der für Geld ihr Eigentum
und Leben beschützte. Die wirksamste Methode wäre jetzt also die,
sich an die Hintermänner der Einbrecherbanden zu wenden und ihnen
gegen Schutzgeld Sicherheit abzukaufen. Fragt sich dann nur, wofür
wir Steuergeld für die innere Sicherheit zahlen. Übrigens: Die
Polizei hat an der Misere keine Schuld. Sie wurde in den vergangenen
Jahren stark redimensioniert - besonders unter Schwarz/Blau/Orange.

Und was hat das mit Wirtschaft zu tun? Sehr viel. Sicherheit ist ein
wichtiger Standortfaktor. Allein in Wien haben über 300
internationale Konzerne ihre CEE-Headquarter. Ausländische Manager
sind begeistert; von unserem Kulturangebot und davon, dass sie des
Nächtens ungefährdet durch die Straßen flanieren können. Jetzt aber
kann es gut sein, dass sie danach ausgeräumte Wohnungen vorfinden.
Nachdem sich unsere Regierung endlich auf einen EU-Kommissar geeinigt
hat, wäre es "nett", wenn sie sich ernsthaft dem Thema Sicherheit
widmen würde.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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