WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wer schützt unser Eigentum? - von Wolfgang Unterhuber

Zahlen wir doch Schutzgeld statt Steuern für die Sicherheit

Wien (OTS) - Die Kriminalstatistik ist erschreckend: 307 Morde allein in den ersten acht Monaten des Jahres. 10.465 Raubüberfälle, 16.705 Einbrüche, über 51.000 Diebstähle, und ganze 9713 Mal wurde ein Auto geklaut. Die Rede ist hier von Chicago. Jener 2,7 Millionen Einwohner zählenden Metropole, die so gerne mit Wien verglichen wird. In der Bundeshauptstadt gab es bis Mitte August 16 Morde. Bis September wurden 2135 Autos gestohlen und es gab 7250 Wohnungseinbrüche. Das mit den Einbrüchen ist natürlich auch für Wien eine Horrorzahl. Aber Wien ist nicht Chicago und Chicago wird auch nicht Wien werden. Die US-Metropole erinnert eher an Gotham City aus dem Comic "Batman": Eine Stadt mit Slums und Verbrecherbanden, die sich untereinander bis aufs Blut bekämpfen. Wien ist im Vergleich dazu Entenhausen.

Dennoch haben wir ein Problem. Wir müssen konstatieren, dass die Politik gegenüber den organisierten Einbrecherbanden vollkommen plan-und hilflos dasteht. Die zeitweilige Installation der Soko Ost war ein schlechter Witz. Dabei ist es oberste Pflicht eines Staates, das Eigentum seiner Bürger zu schützen. Dieser Pflicht kommt der Staat hierzulande nur noch mit Hängen und Würgen nach. Sichtbarer Beweis dieser Ohnmacht ist die Tatsache, dass Unternehmen und Einzelpersonen immer öfter auf die nicht gerade billige Hilfe von privaten Sicherheitsdienstleistern zurückgreifen müssen.

Wir sind also beinahe wieder im Mittelalter angekommen. Damals wandten sich die Bürger an einen Patron, der für Geld ihr Eigentum und Leben beschützte. Die wirksamste Methode wäre jetzt also die, sich an die Hintermänner der Einbrecherbanden zu wenden und ihnen gegen Schutzgeld Sicherheit abzukaufen. Fragt sich dann nur, wofür wir Steuergeld für die innere Sicherheit zahlen. Übrigens: Die Polizei hat an der Misere keine Schuld. Sie wurde in den vergangenen Jahren stark redimensioniert - besonders unter Schwarz/Blau/Orange.

Und was hat das mit Wirtschaft zu tun? Sehr viel. Sicherheit ist ein wichtiger Standortfaktor. Allein in Wien haben über 300 internationale Konzerne ihre CEE-Headquarter. Ausländische Manager sind begeistert; von unserem Kulturangebot und davon, dass sie des Nächtens ungefährdet durch die Straßen flanieren können. Jetzt aber kann es gut sein, dass sie danach ausgeräumte Wohnungen vorfinden. Nachdem sich unsere Regierung endlich auf einen EU-Kommissar geeinigt hat, wäre es "nett", wenn sie sich ernsthaft dem Thema Sicherheit widmen würde.

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