- 20.10.2009, 10:06:22
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Den Dollar zum Gärtner machen - Hans Weitmayr
Der Dollar wird als sicherer Hafen gesehen - das ist bizarr
Wien (OTS) - Angesichts der schwersten Wirtschaftskrise seit den
30er-Jahren muss man sich folgende Markteinschätzung wirklich auf der
Zunge zergehen lassen: Der US-Dollar wird von Investoren als sicherer
Anlegerhafen gesehen. Das zeigen die jüngsten Kursverläufe aller
großer Indizes ganz deutlich: Fallen die Aktienmärkte, steigt der
Dollar. Der Umkehrschluss gilt - und das regelmäßig. Womit auch die
gegenwärtige Schwäche des Greenback erklärt ist. Sie beruht nämlich
nicht auf der Meinung, dass die USA unmittelbar vor dem Kollaps
stehen. Ganz im Gegenteil: Angesichts der scheinbaren Erholung aller
wichtigen Märkte und Kennzahlen sehen Händler - wörtliches Zitat - "
derzeit keinen Grund, den Dollar zu kaufen", dazu erscheint die Lage
einfach zu positiv. Das wiederum ist zu bizarr, um es einfach so
stehen zu lassen. Denn hierbei handelt sich um eine Einschätzung,
über die man im Nachhinein verwundert den Kopf schütteln und sich
fragen wird: "Wieso hat man das alles unwidersprochen akzeptiert?"
Denn hinter der Annahme, den Dollar als unsinkbares wirtschaftliches
Gut zu sehen, steht einmal mehr die klassische "too big to
fail"-Mentalität. Jeder, der investmenttechnisch mit Lehman Brothers
zu tun hatte, weiß, wie zuverlässig diese Faustregel ist. Und jetzt
wird diese Bauernregel auf die wichtigste Währung der Welt
angewendet: Der Dollar darf einfach nicht scheitern, weil er zu
marktrelevant ist. Wieso eigentlich nicht? Ist im Verlauf der
Geschichte nicht jede Währung irgendwann einmal untergegangen? Dass
ausgerechnet der Dollar eine Ausnahme darstellen soll, ist relativ
lachhaft - vergessen wir nicht, dass der Dollar von exakt der
Notenbank herausgegeben wird, die die aktuelle Wirtschaftskrise
überhaupt erst ausgelöst hat.
Vergessen wir nicht, dass sich an der Position dieser Notenbank
seither nichts geändert hat. Ihr Gouverneur ist von Washington
politisch ebenso abhängig wie sein Vorgänger, der die Krise mit
seiner, aus dem Weißen Haus vorgegebenen, expansiven Geldpolitik erst
so richtig aufgeblasen hat.
Vergessen wir nicht, dass sich die Bilanzsumme dieser Bank seit
Ausbruch der Krise verdreifacht hat.
Vergessen wir nicht, dass die US-Volkswirtschaft ein Defizit
einfährt, wie man es bislang nur aus umfassenden Kriegszeiten kannte.
Letzteres, das sei natürlich zugegeben, praktizieren andere Staaten
auch. Aber an ihnen hängt auch nicht das wirtschaftliche Wohl und Weh
der gesamten Welt.
All das heißt zwar nicht, dass der Dollar übermorgen von der
Bildfläche verschwindet - aber ein sicherer Hafen sieht definitiv
anders aus.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at
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