• 19.10.2009, 12:11:13
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90 Jahre Internationale Arbeitsorganisation

Festakt im Sozialministerium - Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit

Wien (OTS) - Anlässlich der Festveranstaltung "90 Jahre
Internationale Arbeitsorganisation (ILO)" im Sozialministerium
würdigten Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Sozialminister Rudolf
Hundstorfer und Christine Marek, Staatssekretärin im
Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend, die Verdienste
der ILO in ihrem 90 jährigen Einsatz für soziale Gerechtigkeit und
menschenwürdige Arbeit in einer krisengeschüttelten Welt; ein
hochrangiger ILO-Vertreter, Exekutivdirektor Kari Tapiola, erläuterte
die ILO-Strategien. Auch die Spitzen der Sozialpartner, die
Präsidenten des ÖGB, der Wirtschaftskammer, der Arbeiterkammer und
der Generalsekretär der Industriellenvereinigung waren gekommen, um
mit Sozialminister Hundstorfer, der Staatssekretärin Marek,
ILO-Europadirektorin Ulshöfer sowie der Parlamentarierin und
ÖAAB-Generalsekretärin Karl über die Rolle der ILO als Gestalterin
einer fairen Globalisierung zu diskutieren. ****

ILO - Historischer Abriss

Die ILO wurde 1919 durch die Pariser Friedensverträge zur
Beendigung des ersten Weltkriegs als Teilorganisation des Völkerbunds
gegründet, da der "Weltfriede auf Dauer nur auf dem Boden der
sozialen Gerechtigkeit aufgebaut werden kann". Bereits damals wurde
ihre einzigartige, dreigliedrige Struktur, in der neben den
Regierungen die Vertreter der Arbeitnehmer- und Arbeitgeber
gleichberechtigt mitbestimmen, geschaffen. Österreich war von 1919
bis 1938 und ist seit 1947 einer der nunmehr 183 Mitgliedsstaaten.
Nach beiden Weltkriegen war die ILO bemüht, Österreich rasch in ihre
Mitte wiederaufzunehmen und ins internationale Geschehen zu
integrieren. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs stellte sich die ILO an
die Spitze der Planungen für die soziale Gestaltung der globalen
Nachkriegsordnung. Der Völkerbund wurde von den Vereinten Nationen,
der UNO, abgelöst und die ILO wurde UNO-Sonderorganisation. Zu ihrem
50. Jahrestag erhielt die ILO 1969 den Friedensnobelpreis.

Zwt.: Fischer - soziale Stabilität als notwendiges Fundament für
sozialen Frieden und politische Stabilität

"Der dreigliedrige Struktur der ILO bildete, und bildet bis heute,
die Grundlage für wirtschaftlichen Fortschritt und sozialen
Wohlstand", betonte Bundespräsident Fischer in seiner Festrede. "Die
österreichische Erfahrung im Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg
zeigt, dass eine funktionierende Sozialpartnerschaft eine der besten
Krisenmaßnahmen ist. Und heute in Zeiten der globalen Wirtschafts-
und Finanzkrise , die Arbeitsplätze vernichtet und soziale
Errungenschaften gefährdet, ist die ILO erst recht gefragt, das Ziel
der sozialen Gerechtigkeit aktiv zu verfolgen", so Fischer.

ILO Strategie für eine faire Globalisierung

Die 1990er-Jahre, in denen auch die Schattenseiten der
Globalisierung immer mehr zum Vorschein traten, haben den Ruf nach
der ILO als Gestalterin einer fairen Globalisierung verstärkt ins
Blickfeld gebracht. Und in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends
hat die ILO mit Verfestigung der Agenda für menschenwürdige Arbeit
und der Annahme der "ILO-Erklärung über soziale Gerechtigkeit für
eine faire Globalisierung" im Jahr 2008 diesem Ruf entsprochen.
Dass die soziale Dimension der Globalisierung in den letzten Jahren
zu einem der bestimmenden Themen der ILO-Arbeit geworden ist,
spiegelt insbesondere die "ILO-Erklärung über soziale Gerechtigkeit
für eine faire Globalisierung" wieder: Sie bekräftigt formell die
"Agenda für menschenwürdige Arbeit" als ILO-Strategie für eine faire
Globalisierung: Diese Strategie fordert die parallele Verfolgung der
vier ILO-Ziele Beschäftigung, soziale Sicherung, sozialer Dialog
sowie grundlegende Arbeitsrechte, darunter das Verbot der
Zwangsarbeit, die Abschaffung der Kinderarbeit, die Beseitigung von
Diskriminierungen in Beschäftigung und Beruf, sowie ein Recht auf
Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen.

Hundstorfer - Sozialen Dialog auf allen Ebenen weiterführen

"Den sozialen Dialog auf allen Ebenen zu eröffnen, ist die
wichtigste Grundlage für eine faire Globalisierung. Dem
ILO-Normensystem kommt mit seinen 188 Übereinkommen für den Arbeits-
und Sozialbereich für die weltweite Hebung der arbeitsrechtlichen
Absicherungen eine große Bedeutung zu", unterstrich Hundstorfer, der
die effiziente weltweite Umsetzung der ILO-Übereinkommen als eine der
wichtigsten Aufgaben der ILO nannte. Vor allem den
Entwicklungsländern müsse dabei geholfen werden. Zum ILO-Engagement
für eine faire Globalisierung hob Hundstorfer die diesjährigen
ILO-Erfolge bei der Krisenbewältigung hervor: "Die Verabschiedung des
"Globalen Beschäftigungspakts" in dem alle Akteure aufgefordert
werden - auch in der Krise - Beschäftigung und Arbeitsrechte zu
sichern, für soziale Sicherheit zu sorgen und sozialen Dialog zu
fördern, sowie die Anerkennung der ILO als Partner im G-20-Prozess
sind wichtige Meilensteine des Weges der ILO, den Österreich stets
aktiv unterstützt hat.
Um den Bemühungen der ILO zum Erfolg zu verhelfen, müssen auch andere
internationale Organisationen wie IWF, Weltbank, WTO, OECD ihre
Strategien sozial gerecht ausrichten. Die Krise hat bewiesen, "dass
Marktmechanismen eine starke soziale Gegensteuerung durch den Staat
und durch die internationale Staatengemeinschaft brauchen", so der
Sozialminister. Er tritt daher ein für "eine internationale soziale
Marktwirtschaft, für die Unterstützung der Entwicklungsländer bei
der Umsetzung der ILO-Normen, für Sozialpartnerschaft auf allen
Ebenen, für ein Welthandelssystem, das soziale Aspekte und
menschenwürdige Arbeit berücksichtigt, für ein sozial ausgerichtetes
internationales Finanzsystem."
In die gleiche Richtung äußerte sich Staatssekretärin Marek:
"Handelspolitik kann angesichts der zunehmenden Globalisierung nicht
mehr isoliert betrachtet werden. Der Verankerung von Sozialstandards
auch im Handelsbereich kommt dabei eine wichtige Rolle zu."

Tapiola - Soziale Investitionen für alle Menschen
bereitstellen

"Es grenzt an ein Wunder, dass der Traum von sozialer
Gerechtigkeit nicht nur neun Jahrzehnte überdauert, sondern noch an
Kraft gewonnen hat", unterstrich Kari Tapiola in seiner Festrede.
Die ILO gehört seit Pittsburgh zum Kreis der Gipfel-Teilnehmer und
ist von den G-20 mit der Überwachung der Beschäftigungsauswirkungen
aller Krisenmaßnahmen beauftragt. "Man rechnet damit, dass es einige
Jahre dauern kann, bis Wachstum wieder zu mehr Beschäftigung führt,
und mit dem raschen Wandel in der Weltwirtschaft kann es sogar noch
länger dauern. In Zeiten einer Krise braucht es soziale
Investitionen, nicht nur, um den betroffenen Menschen zu helfen,
sondern auch, um das Fundament der nationalen Wirtschaft und der
gesellschaftlichen Strukturen zu sichern", so Tapiola. "Will man die
Konsequenzen der Globalisierung erfolgreich bewältigen, muss man zu
Hause anfangen. Eine weltumspannende Herausforderung kann nicht nur -
und nicht hauptsächlich - durch internationale Beschlüsse und
Aktionen angegangen werden. Im Gegenteil, man muss zunächst
gewährleisten, dass in allen Gesellschaften die Schwächsten nicht
ohne Unterstützung und Hilfe bleiben", betonte Tapiola die
Wichtigkeit nationaler Maßnahmen.

Besonders erfreut war Sozialminister Hundstorfer, dass die ILO die
Gelegenheit wahrnahm, am Rande der Feierlichkeiten eine Pilotstudie
über Forschritte hinsichtlich der menschenwürdigen Arbeit in
Österreich vorzustellen. Dieses "Länderprofil Menschenwürdige Arbeit
in Österreich" ist laut ILO "weltweit die erste derartige Studie, mit
der die ILO die Entwicklung in ihren Mitgliedsländern künftig
systematisch erfassen will", so Hundstorfer. Neben einer Reihe von
positiven Aspekten spare die Analyse der ILO nicht an "Kritik, die
ich als Ansporn für Verbesserungen nehme, etwa in den Bereichen der
prekären und atypischen Beschäftigungsverhältnisse oder in der
beruflichen Aus- und Weiterbildung", schloss Hundstorfer.

Rückfragehinweis:

Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) 
   Mag. Norbert Schnurrer 
   Pressesprecher des Sozialministers 
   Tel.: (01) 71100-2246 
   www.bmask.gv.at 
   
   Dipl.-Ing. (FH) Lukas POHL 
   Pressesprecher der Staatssekretärin 
   Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend 
   Federal Ministry of Economy, Family and Youth 
   1011 Wien, Stubenring 1 
   Tel.: +43 (0)1 711 00-5838 
   Fax: +43 (0)1 711 00-5542 
   mailto:[email protected] 
   www.bmwfj.gv.at

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