"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wohl erworbene Rechte wird es für die Jungen nicht mehr geben" (von Johannes Kübeck)

Ausgabe vom 16.10.2009

Graz (OTS) - Rund 800.000 Mal im Jahr trifft im schönen, reichen Österreich einen Berufstätigen das Los des Arbeitsplatzverlustes. Diese Tatsache sollte am Anfang jeder Debatte über die so genannte "Hackler"-Pension stehen. Denn die Gruppe, die diese begünstigte Form der Frühpension in Anspruch nehmen kann, ist in ihrem Berufsleben praktisch nie arbeitslos geworden. Sonst könnte sie nämlich gar nicht die hohe Zahl an 40 oder 45 Beitragsjahren zusammen bringen.

Diese Gruppe hat natürlich in den vielen Jahren enorme Pensionsbeiträge bezahlt. Das muss man anerkennen. Doch das hätten auch andere gerne getan, aber sie konnten es nicht, weil sie immer wieder die Stelle verloren. Die aktuelle Krise, deren Höhepunkt auf dem Arbeitsmarkt erst bevorsteht, bringt nicht nur fatale Rekorde bei der Arbeitslosigkeit. Sie bewirkt auch, dass viele Berufstätige die Aussicht verlieren, durch viele Beitragsjahre einst eine Altersversorgung wie die der heutigen "Hackler" zu bekommen.

Speziell wenn es um höhere Pensionen geht, ist oft von den wohl erworbenen Rechten die Rede, auf denen sie beruhten. Es gilt als Recht - noch dazu als wohl erworbenes Recht -, einen sicheren Job zu haben, und nicht etwa als Begünstigung, oder einfach als Glück.

Doch wenn Begünstigungen einer Gruppe wohl erworben sind, was ist dann mit den weniger Begünstigten? Haben sie etwas verschuldet, weil ihr Arbeitgeber sie nicht von der Jugend bis zur Pension durchgehend angestellt hat? Sind nur höhere Pensionen wohl erworben und die Mindestrenten nicht?

Alle diese Fragen werden in der laufenden Debatte beiseite geschoben. Mit viel Energie verteidigen die Lobbys und Klientelpolitiker die "Hackler"-Pension, obwohl sie nur eine Art Episode im österreichischen Pensionssystem gewesen sein wird. Die Älteren hatten wegen der erlebten schlechten Zeiten kaum Chancen auf diese Wohltat, und die Jungen finden eine Arbeitswelt mit häufigen Jobwechseln vor, in der sie wohl erworbene Rechte gar nicht mehr ansammeln können.

Aber für ein Auslaufmodell, das für vielleicht ein Zehntel von ein paar heutigen Pensionistenjahrgängen gilt, betreiben Politiker und Interessensgruppen einen Aufwand, als ginge es um die Rettung des Abendlandes.

Es bestätigt sich wieder, dass nicht Betroffenheit - zum Beispiel der Mindestrentner - etwas bewegt, sondern eine starke Lobby. Und die "Hackler" haben so eine Lobby.****

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