• 12.10.2009, 14:19:59
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Bischof Küng fordert Hilfe für Schwangere in Not

"Familienbischof" weist "profil"-Bericht zurück, wonach er die Wiedereinführung der Bestrafung von Frauen nach einer Abtreibung verlange

Wien, 12.10.2009 (KAP) Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng
hat einen Bericht des österreichischen Nachrichtenmagazins "profil"
zurückgewiesen, wonach er die Wiedereinführung der Bestrafung von
Frauen nach einer Abtreibung fordere. In einem Brief an
"profil"-Chefredakteur Christian Rainer hält Küng dem Magazin eine
verzerrende Wiedergabe von Interviewaussagen vor. Er habe in seinen
Antworten "vielmehr Milde für Frauen, die abgetrieben haben",
gefordert. Der Kirche gehe es um den Schutz wehrloser Kinder und
auch um den Schutz schwangerer Frauen vor dem Druck außenstehender
Personen, die sie zu einer Abtreibung drängen wollen. Sein "erstes
und wichtigstes Anliegen" sei Hilfe für Schwangere in Not.

Bischof Küng - er ist in der Österreichischen Bischofskonferenz für
Familienfragen zuständig - wirft in dem Brief dem Nachrichtenmagazin
zudem "schweren Vertrauensbruch" vor. Er habe einem Interview nur
unter der Bedingung zugestimmt, dass der von ihm autorisierte Text
des Interviews in vollem Wortlaut erscheint, hält der Bischof fest.
Von Seiten der "profil"-Redaktion sei diese Abmachung nicht
eingehalten worden. Offensichtlich hätten seine - Küngs - Aussagen
in dem Interview "nicht in ein vorgefertigtes Konzept von strafenden
Bischöfen" gepasst.

Küng weist daher die "reißerische und sachlich unwahre" Überschrift
des "profil"-Artikels ("Bischof Küng fordert die Wiedereinführung
der strafrechtlichen Verfolgung von Frauen, die abgetrieben haben")
zurück. Er halte die vom Magazin eingeschlagene Vorgangsweise "für
journalistisch höchst bedenklich und eines Nachrichtenmagazins wie
'profil' unwürdig".

Lebensschutz bleibt stetes Anliegen

"Kathpress" dokumentiert nachfolgend den von Bischof Küng
autorisierten Wortlaut des "profil"-Interviews:

"profil": Herr Bischof, in einem Gespräch mit kath.net zum Thema
Abtreibungen werden Sie zitiert: "Es wird zu überlegen sein, wo
Vindikationen ansetzen sollen". Wie könnten angemessene
Vindikationen aussehen und wo könnten sie ansetzen?

Küng: Mein erstes und wichtigstes Anliegen ist nicht Bestrafung,
sondern Hilfestellung in Schwangerschaftskonfliktsituationen durch
Beratung, materielle Hilfe oder Vermittlung von Adoption, nach einer
Abtreibung durch seelischen Beistand und Trost, Vergebung und
Ermutigung.

Wahr ist aber auch: In Österreich hat ein Kind in den ersten drei
Lebensmonaten und ein behindertes Kind sogar während der gesamten
Schwangerschaft keinerlei gesetzlichen Schutz. Das ist eigentlich
schrecklich.

Wie könnten strafrechtliche Maßnahmen aussehen? Zu bedenken ist,
dass schwangere Frauen in Konfliktsituationen oft unter großem Druck
stehen. Auch Frauen haben natürlich ihre Verantwortung - Abtreibung
ist und bleibt immer ein Strafbestand, auch in der jetzt geltenden
Regelung ist das so -, aber es kann auch mildernde Gründe geben, die
insbesondere bei betroffenen Frauen zu berücksichtigen sind.

Ich würde bei jenen ansetzen, die auf eine schwangere Frau Druck
ausüben, das Kind abtreiben zu lassen. Das kann der Kindesvater sein
oder andere Personen; bezüglich Arbeitgeber gibt es schon
Strafbestimmungen.

Die Ärzte müssen in die Pflicht genommen werden. Die Kirche fordert
seit Jahren, verschiedene Punkte gesetzlich festzulegen und bei
Nichtbefolgung zu bestrafen; z. B. Einhalten einer Bedenkfrist,
umfassende Informationspflicht über alle Folgen einer Abtreibung,
verpflichtender Hinweis auf angemessene psychosoziale Beratung,
verpflichtende Aufforderung zur Konsultation eines anderen Arztes.
Das wären jedenfalls erste kleine Schritte in die richtige Richtung.

"profil": Wenn man sich fragt, welche Art von Tötungsdelikt eine
Abtreibung darstellen würde, kann man nach juristischer Logik nur
Mord nennen, schon deshalb, weil der Eingriff vorsätzlich und
geplant und eindeutig mit Tötungsabsicht vorgenommen wird. Wie soll
man Abtreibungen nun bestrafen?

Küng: Sie haben Recht, wenn Sie von Tötungsdelikt sprechen. Papst
Johannes Paul II. hat nicht gezögert, Abtreibung als ein
"verabscheuungswürdiges Verbrechen" zu bezeichnen, weil sich das
Kind nicht wehren kann.

In der derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Situation sehe
ich keine andere Möglichkeit, als möglichst viele Hilfestellungen
anzubieten und mit allen Kräften erneut eine Sensibilisierung für
das wichtige Anliegen des Lebensschutzes anzustreben. Sofort sollten
wenigstens die längst fälligen Verbesserungen der bestehenden
Gesetzeslage im oben angedeuteten Sinn erreicht werden. Das
langfristige Ziel muss aber ein umfassender Lebensschutz von der
Empfängnis bis zum natürlichen Tod sein. Die Kirche wird nie
aufhören, dies einzufordern.

"profil": Ist ein pränataler Mensch und seine Tötung doch anders
einzustufen als ein geborener Mensch?

Küng: Der Mensch ist Mensch von Anfang an. Niemals darf man
Kriterien einführen, zu welchem Zeitpunkt seines Lebens einem
Menschen "weniger Lebensrecht" zusteht. Nach Auffassung der
katholischen Kirche ist ein "abgestufter Lebensschutz" ethisch
niemals akzeptabel. Schon aus diesem Grund ist auch die
"Fristenlösung" keine Lösung. Was ist also anders, fragen Sie? Nur
dieses: Ein Kind kann vor der Geburt nicht protestieren.

"profil": Könnte es sein, dass sich die Kirche mit ihrer Forderung
nach strafrechtlicher Verfolgung von abtreibenden Frauen bzw.
durchführenden Ärzten zu sehr in die Politik einmischt?

Küng: Die Kirche fordert, das dürfte aus meinen Antworten klar
geworden sein, nicht so sehr die strafrechtliche Verfolgung
schwangerer Frauen, als vielmehr den Schutz wehrloser Kinder und
dann auch den Schutz schwangerer Frauen vor dem Druck außenstehender
Personen. Außerdem gehören Verantwortungslosigkeit und
Geschäftemacherei mit dem Leben bestraft.

Und ich wage zu behaupten, die Kirche muss sich bei diesem Thema
immer wieder einmischen, es ist ihre Pflicht, zum Wohle der Menschen
und der ganzen Gesellschaft ihre Stimme zu erheben. Denn wie schon
Kardinal König wiederholt sagte, die Abtreibung hinterlässt eine
tiefe Wunde in der Gesellschaft.

(ende)
nnnn

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