- 12.10.2009, 09:41:12
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"Imperiales Wien": Neues Buch auf bekannten Wegen erschienen
Wien (OTS) - Zugegeben, angesichts von jeweils 2,5 Millionen
Besuchern von Schloss Schönbrunn und Tiergarten, knapp einer Million
Zuspruch der Albertina und gut 900.000 "Wow, How
impressing!"-Besuchern des Kunsthistorischen - die Zahlen stammen vom
Besucherranking des Wien Tourismus 2008 - darf sich auch ein eher für
republikanisch-libertären Eigensinn bemühter Verlag, wie der Falter
Verlag, irgendwann überlegen, die "imperiale Lücke" in seiner
Stadtführer-Reihe zu schließen. Ob Angelina Pötschners Buch "Wien,
die kaiserliche Residenzstadt" genau jene Lücke schließt, bleibt
jedoch offen. Das 360 Seiten starke Kompendium bringt zwar den Leser
an alle beeindruckenden wie auch wundersamen Orte von Rudolfs I. und
Nachfahren, ein bisschen mehr Nüchternsche Ironie und Schuh`sche
Gedankenfülle hätten dem Text nicht schlecht getan. So ist "Das
imperiale Wien" aus dem Falter Verlag auch ein Buch, welches sich
nicht nur, aber auch für monarchistisch gesinnte Kreise als baldige
Weihnachtsgabe empfehlen darf, inklusive entsprechend belustigender
Zueignung.
Das Vorwort gibt sich noch selbstkritisch - "Das riecht nach dem
Staub und dem Mief vergangener Jahrhunderte, erinnert an öde
Schulstunden ..." - ein paar Seiten weiter, dort, wo es gleich ins
Herzstück habsburgerischer Machtentfaltung, die Hofburg, geht,
verdampft das Ansinnen rasch zum engen belehrenden Daten-Fakten-Text.
Ein bisschen mehr Essay, ein bisschen mehr Infos etwa über die
kokette Verstrickung zwischen heutiger Marketing-Philosophie und
Geschaffenem, ein kleiner schlampiger Verweis auf die touristische
Vereinnahmung, aber auch Ermöglichung des gewaltigen schwarz-gelben
Bauerbes - beispielhaft an der Genese des Museumsquartieres von den
Hofstallungen zur Kunstzone abzuhandeln - hätte dem Stil des Buches
seinen "Was ich nicht alles weiß!"-Ton etwas nehmen können. Dass die
Inserate im Buch dann auch zur imperialen Dinner-Zugfahrt -
witzigerweise von Wien nach Eisenstadt und wieder retour - oder zum
Besuch des kaiserlichen Festschlosses Hof einladen, ist weniger ein
Problem, als die werbliche Fortführung des inhaltlichen Fahrplans,
der neben Schönbrunn und Tiergarten, Rathaus und Brunnen, an diversen
Palais, in der Böhmischen Hofkanzlei, in der Jesuitenkirche, im
Augarten wie noch an weiteren 20 bis 30 entsprechenden Wiener
Adressen pünktlich halt macht. Die jeweiligen Stationen sind für sich
gut beschrieben, die leserische Aufenthaltszeit übersteigt meistens
nicht die zehn Minuten, Telefonnummern, Internet-Links, Adressen und
Öffnungszeiten sind gut ausgewiesen: Pötschners Buch eignet sich
nicht nur für angehende Fremdenführer, auch für Stadtbewohner ohne
Winter- und Sommerpalais-Wohnmöglichkeit gibt es sich
lehrreich-brauchbar und hält zumindest den guten Falter-Info-Standard
auch in der "Welt von gestern" aufrecht. Nichtsdestoweniger scheint
hier ein "bisserl" die Chance auf eine interessante Neupositionierung
von habsburgischer Stadtprägung und gegenwärtigem Stadtleben vergeben
worden zu sein. Der Besuch einer Bude irgendeiner "kaisertreuen"
Landsmannschaft, oder der Blick in die Proberäumlichkeiten der
Deutsch- und Hochmeister-Laienmusikanten hätte dem Buch etwas mehr an
erforderlicher Ironie gegeben. Zu viel verlangt? Vielleicht,
andererseits ist man vom Falter Verlag durchwegs solches gewohnt.
Angelina Pötschner, "Wien, die kaiserliche Residenzstadt",
erschienen im Falter Verlag ( www.falter.at ), 360 Seiten, Wien 2009,
Euro 25,50, ISBN 978-3-85439-379-5
rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/
(Schluss) hch
Rückfragehinweis:
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