- 08.10.2009, 17:49:55
- /
- OTS0292 OTW0292
Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: Die totale Umverteilung
Ausgabe vom 9. Oktober 2009
Wien (OTS) - Unzählige Male schon wurde es den Menschen
eingebläut: "Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer
ärmer"; oder: "Immer mehr Menschen unter der Armutsgrenze".
Seit kurzem gibt es zu dem Thema auch eine Studie des
Wirtschaftsforschungsinstituts. Sie wurde aber sehr rasch wieder
weggeräumt, obwohl sie von Alois Guger stammt, dem Liebling der
Arbeiterkammer. Denn sie brachte verblüffende Fakten ans Licht. Sie
untersuchte die Einkommensverteilung zwischen den zehn Prozent jener
Arbeitnehmer, die am besten verdienen, und jenen zehn Prozent, die am
wenigsten verdienen. Die Bruttobezüge sind am oberen Ende 14 Mal so
hoch wie am unteren Ende. Da sich da etwa auf der einen Seite
Generaldirektoren, Minister sowie Bankmanager mit ihren Boni und auf
der anderen Teilzeitkräfte gegenüberstehen, ist das Verhältnis
nachvollziehbar.
Dann aber wurde - unvorsichtigerweise - auch noch berechnet, was nach
Abzug von Steuern und Abgaben und Hinzurechnung aller
sozialstaatlichen Zulagen und Förderungen am Ende wirklich
herauskommt: Da erhalten die oberen zehn Prozent nur noch rund 3 Mal
so viel wie die untersten.
Das ist eine unglaublich heftige Umverteilung, die einige mehr als
legitime Fragen aufdrängt: Wer soll sich denn da noch anstrengen? Wer
empfindet eine so massive (und an den osteuropäischen Sozialismus
erinnernde) Umverteilung noch als gerecht? Wann werden die
Leistungsträger in diesem Land dagegen revoltieren? Wie viele von
ihnen sind vor diesem System schon ins Ausland geflüchtet? Und: Wird
Österreich im Diktat der Krankenstands-, Kururlaubs-, Pensions-,
Sozialstaats- und Subventions-Optimiererer kollabieren?
*
Wilde Behauptungen, Widersprüche und Lauschaktionen: Das Dickicht
rund um die Familie Dichand, das Gratisblatt "Heute" und einen bei
der Staatsanwaltschaft beliebten Sachverständigen, der sich in
mitgeschnittenen Gesprächen anscheinend zu Rechtswidrigkeiten bereit
zeigte, wird immer mysteriöser - und wahrscheinlich nie ganz geklärt.
Eines ist aber klar, nämlich der Handlungsbedarf für den Gesetzgeber.
Angesichts der wichtigen Rolle von Medien in der Demokratie ist es
skandalös, dass deren Eigentümer wie bei "Heute" nicht offen gelegt
werden müssen, sondern sich hinter schweigsamen Treuhändern
verstecken dürfen.
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR






