• 08.10.2009, 13:23:01
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Wechselwirkungen zwischen seelischer Gesundheit und Körper meist unterschätzt

- Initiative "Mental & Physical Health" schafft anlässlich des Tages der seelischen Gesundheit Bewusstsein

http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=200910&e=20091008_s&a=event

Wien (OTS) - Bereits jeder Vierte ist von einer psychischen
Erkrankung wie Depression, Angststörung oder Schizophrenie betroffen.
Diese gehen meist Hand in Hand mit ökonomischen, sozialen und
persönlichen Folgen. Betroffene einer psychischen Erkrankung neigen
zu einem erhöhten Risiko für metabolische Abnormitäten wie
Bluthochdruck, Diabetes oder Adipositas, einer damit verbundenen
verkürzten Lebenserwartung sowie zu Herz-Kreislauferkrankungen.
Entgegen der herkömmlichen Meinung ist die häufigste Todesursache von
psychisch Erkrankten aber nicht Suizid, sondern meist eine
Herz-Kreislauferkrankung. In der Praxis wird die "eigentliche
Krankheit" oft auch nicht erkannt und es fehlt nach wie vor an einer
ganzheitlichen Sichtweise. Mit der Initiative "Mental & Physical
Health" soll nun für das nötige Bewusstsein und Verständnis gesorgt
werden.

Menschen mit einer psychischen Erkrankung haben ein zwei- bis
dreimal höheres Risiko an Diabetes zu erkranken beziehungsweise sind
sie auch einem zwei- bis dreimal höheren kardiovaskulären Risiko
ausgesetzt. Jeder Vierzehnte Österreicher ist von Diabetes betroffen
und jeder Vierte von einer psychischen Erkrankung. In der täglichen
Praxis werden diese Tatsachen aber selten in Zusammenhang gebracht
und den Ursachen der einzelnen Krankheitsbilder oder Symptome kaum
auf den Grund gegangen. "In den Praxen herrscht noch immer eine sehr
starke Einzelsicht und eine viel zu isolierte Betrachtung dieser
Thematik", bestätigen Univ.-Prof. Dr. Siegfried Kasper von der
Universitätsklinik für Psychiatrie und Univ. Prof. Dr. Bernhard
Ludvik von der Universitätsklinik für Innere Medizin III. Bei einem
Großteil der Betroffenen erkennen die behandelnden Ärzte oft auch die
Krankheit als solche nicht. Den Grund dafür sieht Univ.-Prof. Dr.
Siegfried Kasper in der Krankheit selbst: "Dazu trägt auch nach wie
vor das Stigma bei, das psychischen Erkrankungen anhaftet und
Betroffene oft nicht über ihre Krankheit sprechen lässt. Als Folge
werden diese nicht adäquat behandelt. Für eine Heilung bräuchten die
meisten eine effiziente Behandlung und Betreuung, die sowohl
psychotherapeutische als auch pharmakologische Therapien beinhaltet."
Aufgabe der Initiative ist es, den Zusammenhang bewusst zu machen,
einen Beitrag zur Entstigmatisierung von psychischen Krankheiten zu
leisten sowie Maßnahmen zu setzen, die gezielt gegensteuern.
"Gegenmaßnahmen wie gesunde Ernährung, ausreichende körperliche
Aktivität können erst Platz greifen, wenn sich die Betroffenen in
ärztliche Hilfe begeben. Umso wichtiger ist es, mit Hilfe einer
Initiative verstärkt auf die Bedürfnisse psychisch Kranker aufmerksam
zu machen, um hier gemeinsam etwas zu bewegen", bestätigt HR Prim.
Univ. Doz. Dr. Werner Schöny von pro mente Österreich.

Verbesserte Zusammenarbeit für die Volkskrankheiten Depression und
Diabetes

In Österreich erkranken rund 400.000 Patienten einmal in ihrem
Leben an einer Depression. 250.000 befinden sich in hausärztlicher
Behandlung, bei etwa 130.000 wurden Depressionen tatsächlich
diagnostiziert, optimal behandelt werden hingegen nur maximal 36.000
Betroffene. "Wir Ärztinnen und Ärzte wissen, dass Körper und Psyche
eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen.
Wenn die Psyche leidet, hat das Auswirkungen auf den Körper, und
umgekehrt. Dieser Zusammenhang fließt verstärkt in die Betrachtung
und Diagnose von psychisch kranken Menschen", bestätigt MR Dr. Walter
Dorner von der Österreichischen Ärztekammer. Die Experten sind sich
einig, dass eine optimale Betreuung nur geboten werden kann, wenn
auch eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten
(Allgemeinmedizinern, Fachärzten und Betroffenen) besteht. "In einem
ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch sollte daher auch neben der
Abklärung der körperlichen Ursache verstärkt nach psychischen
Erkrankungen bzw. psychosozialen Faktoren gefragt werden, um hier
entsprechende Differenzialdiagnosen zu stellen", räumt Prim. Univ.
Prof. Dr. Bernhard Ludvik von der Universitätsklinik für Innere
Medizin III in Wien, ein. Dem Allgemeinmediziner kommt hier als meist
erste Anlaufstelle eine zentrale Rolle zu: "Rund 75 Prozent der
Diabetes-Patienten werden vorrangig in der allgemeinmedizinischen
Praxis betreut. Von diesen leiden laut Statistik 25 Prozent an einer
Depression. Kontinuierliche Langzeitbetreuung sowie eine
professionelle Behandlungsorganisation im Rahmen der hausärztlichen
Grundversorgung ist für alle Patienten wichtig, besonders aber bei
Vorliegen verschiedener gesundheitlicher Problembereiche", bestätigt
Dr. Ingrid Pichler von der Österreichischen Gesellschaft für
Allgemeinmedizin.

Die Initiative "Mental & Physical Health"

Die Initiative "Mental & Physical Health" wurde bereits 2008 auf
europäischer Ebene gegründet und soll nun in Österreich umgesetzt
werden. In Österreich läuft die Initiative unter dem Titel: "ganz im
Leben - Österreichische Plattform für seelische und körperliche
Gesundheit". Ziel der Initiative ist es, die Bewusstseinsbildung für
den Zusammenhang von psychischen Krankheiten und deren körperlichen
Auswirkungen zu fördern sowie eine ganzheitliche Betrachtung des
Themas zu erwirken. Die Initiative soll daher dazu beitragen, das
österreichische Gesundheitssystem stärker an den Bedürfnissen einer
ganzheitlichen Betrachtung von mentaler und physischer Gesundheit
auszurichten und die Interdisziplinarität zu fördern. Diese
Sichtweise teilt auch das Bundesministerium: "Obwohl psychische
Erkrankungen weltweit sehr stark verbreitet sind, haben Patienten mit
psychischen Störungen leider immer noch mit starker
gesellschaftlicher Stigmatisierung zu kämpfen. Durch verstärkte
soziale Akzeptanz und Toleranz kann den Betroffenen im Umgang mit
ihrer Erkrankung geholfen werden. Anerkennung und Gleichstellung sind
aus Sicht des Bundesministeriums ganz besonders wichtig", bekräftigt
Sektionschef Hon. Prof. Dr. Robert Schlögel vom Bundesministerium für
Gesundheit. Psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Doch die
gesundheitspolitischen Aktivitäten hinken diesem Trend nach. Erster
Schritt in Richtung Umsetzung der Initiative in Österreich ist es
daher, die wesentlichen Berührungspunkte von mentaler mit psychischer
Gesundheit sowohl auf politischer als auch medizinischer, sozialer
und volkswirtschaftlicher Ebene zu erfassen. "Unser Anliegen, wie
auch das der Initiative ist es, die Entwicklung und den Ausbau
psychosozialer Versorgungsmöglichkeiten im Hinblick auf die
Bedürfnisse psychisch kranker Menschen zu fördern, um eine
bestmögliche Behandlung für psychisch kranke Menschen auch
gewährleisten zu können", fordert HR Prim. Univ. Doz. Dr. Werner
Schöny.

Weitere Bilder abrufbar unter:
http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=200910&e=20091008_s&a=event

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
Welldone Marketing- und Kommunikationsberatungsges.m.b.H.
Mag. Elisabeth Kranawetvogel | Mag. Katja Mair | Public Relations
Lazarettgasse 19/4. OG, 1090 Wien
Tel.: 01/402 13 41-40 bzw. 12| e-Mail: [email protected]

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