- 08.10.2009, 12:35:41
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Kein Nutzen für Patientinnen und Patienten ersichtlich
DMP-Programme bringen nur Zusatzaufwand und sorgen in letzter Konsequenz für eine Verschlechterung der Versorgung
Wien (OTS) - Der Präsident der NÖ Ärztekammer Dr. Christoph
Reisner versteht die Behauptung von Patientenanwalt Dr. Gerald
Bachinger nicht, dass der NÖ Ärztekammer Standespolitik vor
Patienteninteressen gehen würde. "Wir haben intern lange diskutiert,
ob wir dieses von Verwaltung und Bürokratie geprägte Projekt
weiterführen sollen. Ausschlaggebend für die Entscheidung im Sinne
der Patientinnen und Patienten war jedoch eine Absage an die
Tendenzen zur Zerstückelung von Einzelfächern, die uns Ärztinnen und
Ärzte immer mehr der Berufung berauben, die uns zur Wahl unseres
Berufes geleitet haben." Patientenanwalt Bachinger zeigte sich im
Vorfeld entrüstet über die Kündigung des Desease-Management-Programms
für Altersdiabetes durch die NÖ Ärztekammer.
Die NÖ Ärztekammer stellt sich so einer Entwicklung entgegen,
wonach zukünftig nur noch so genannte "Spezialisten" bestimmte, im
ärztlichen Beruf elementare Behandlungen durchführen dürften, wenn
sie nach den Vorgaben der politischen Führung vor allem in Bürokratie
nachweislich zertifiziert geschult wurden. "Wenn die Verantwortlichen
in Politik die Wertigkeit der Diabetesbehandlung wirklich derzeit so
hochrangig ansehen, dann sollte wie von der Ärztekammer immer
gefordert eine entsprechende Adaptierung der möglichen
Leistungspositionen bei den Kassenverträgen erwirkt werden."
Das Interesse war nur für eine Minderheit gegeben
Mehr als 90 Prozent der betroffenen Patienten in Niederösterreich
wurden im Projekt DMP nicht erfasst. "Daher kam es aus unserer Sicht
zu keiner Verbesserung des ärztlichen Leistungsangebotes. Die
statistische Erfassung der Diabetespatienten stand bei den Schulungen
und auch beim Projekt selbst im Vordergrund", so Präsident Dr.
Reisner weiter. "Der Großteil der Diabetespatientinnen und -patienten
werden und wurden auch ohne das neue Projekt von uns Ärztinnen und
Ärzten schon immer sehr gut durch ihre Krankheit begleitet. Die
Forderung der Ärztekammer nach neuen Leistungen im Kassenvertrag
dieses Krankheitsbild betreffend wurde hingegen ständig abgeblockt."
Das Interesse an dem Projekt seitens der Ärzteschaft war aus
diesen Gründen schon immer gering. Hunderte Kolleginnen und Kollegen
draußen in den Praxen haben sich ausführlich mit den DMP-Bedingungen
auseinandergesetzt und sind zum Schluss gekommen, dass so etwas
keinen Sinn ergibt. "Nach zwei Jahren Laufzeit ist eine Minderheit
der Niedergelassenen in das Programm eingestiegen. Natürlich haben
wir einige wenige Rückmeldungen von Ärztinnen und Ärzten, die mit
unserer Entscheidung nicht zufrieden sind. Aber der Großteil der NÖ
Ärzteschaft ist froh, dass wir uns gegen diese Tendenz zur
Zerstückelung der Einzelfächer und einer weiteren Aufblähung von
Bürokratie ausgesprochen haben."
Zugangsbeschränkung unter dem Deckmantel von Qualität
Im benachbarten Deutschland sieht man bereits, wohin die dort
vorhandene ähnliche Tendenz führt. "Einmal damit begonnen, werden
immer weitere Management Programme in das ärztliche Berufsleben
drängen. Für immer mehr Teilgebiete drohen notwendige
Sonderqualifikationen. Jedes neue DMP zieht die Ärzteschaft tiefer
hinein in den Strudel der Gesundheitsbürokratie. Eines Tages kommt
dann vielleicht noch die für eine Kassenverrechnung verpflichtende
Nachschulung im Blutdruckmessen", so Präsident Dr. Reisner.
Die aufkeimende "Diplomitis" birgt die Gefahr der kompletten
Entsolidarisierung in sich. "Wir benötigen jedoch eine Aufwertung
unserer Routinearbeit. Unter anderem auch für die bestmögliche
Betreuung der Diabetiker. Gerade im hausärztlichen Bereich sollten
die Ärztinnen und Ärzte das anwenden dürfen, was zu den elementaren
Grundlagen ihres Berufs gehört. Dies gehört im Kassenvertrag
verankert und nicht in einer als Qualitätssicherung getarnten
Zugangsbeschränkung für Patientinnen und Patienten durch übertriebene
Bürokratie festgeschrieben, so Präsident Dr. Reisner abschließend.
Rückfragehinweis:
Ärztekammer Niederösterreich - Pressestelle, Michael Dihlmann
Tel. 0664/144 98 94, [email protected] , www.arztnoe.at
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