- 06.10.2009, 17:48:31
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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Michael und Karl-Heinz"
Ausgabe vom 7. Oktober 2009
Wien (OTS) - "Das geht niemand etwas an", sprach Michael Häupl. Er
glaubt, solcherart die Diskussion über die exorbitanten
Gehaltsprivilegien seiner Wiener Beamten abdrehen zu können. Ein
kühner Versuch, kosten diese Privilegien doch 130 Millionen Euro.
Daher meinen zumindest Steuerzahler, schon eine Meinung zu dieser
Zweiklassen-Gesellschaft in der Beamtenschaft haben zu dürfen. So
viele Inserate können Häupl und die ihm unterstehenden Unternehmungen
wohl nicht schalten (natürlich wieder auf Kosten der Gebühren- und
Steuerzahler, die das ja nichts anzugehen hat), dass dieser
Missbrauch ganz unter den Tisch kehrbar wäre.
Dabei müssten im Rathaus alle Alarmsirenen läuten: Zeigt doch ein
internationales Ranking, dass Wien als Geschäftsstandort weiter an
Attraktivität verliert und nur noch an 28. Stelle unter 34
untersuchten Städten liegt. Dahinter befinden sich nur noch
Chaos-Zentren wie Athen. Bei diesem Ranking geht es aber nicht - wie
bei anderen - um einen Schönheitswettbewerb, sondern um die beinharte
Bewertung von Kosten und Infrastruktur. Nur daran orientieren sich
internationale Firmen, wenn sie über neue Investitionen und damit
neue Arbeitsplätze entscheiden.
Ohne neue Jobs bleibt Wien aber nur eines: In Schönheit sterben. Und
das geht alle an.
*
Angenommen, Karl-Heinz Grasser sagt die reine Wahrheit, und er hat
weder von den Provisionen rund um den Buwog-Kauf gewusst noch dabei
irgendwie angeschoben. Selbst dann lastet ein dickes Minus auf seiner
politischen Bilanz: nämlich die Tatsache, dass er bei der Auswahl
seiner Freunde und Mitarbeiter immer zielsicher in den Fettnapf
greift. Wie ja offensichtlich auch bei der Wahl seines Friseurs.
*
Die Sozialpartner rufen schon wieder nach neuem Staatsgeld und warnen
vor dem Sparen. Sie begründen das mit dem Gleichnis von der
Lungenentzündung, nach der man die Antibiotika ja auch nicht gleich
absetzen dürfe. In Wahrheit aber wäre ein anderer pharmakologischer
Vergleich sinnvoller: nämlich der mit Drogensüchtigen, die ständig
neue Argumente finden, warum sie mit dem Drogenkonsum nie jetzt,
sondern immer nur demnächst aufhören werden.
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]
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