• 06.10.2009, 10:15:14
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Bad Ischler Dialog - Experten: Müssen wieder auf den wirtschaftlichen Wachstumspfad kommen

Tumpel-Gugerell: "Alles dafür tun, dass eine solche Krise nicht mehr eintreten kann" - Neben konjunkturellen auch strukturelle Probleme lösen

Wien (OTS) - Wien (PWK741)- "Es ist wichtig, die Krise zu
überwinden, es ist aber auch nötig, alles dafür zu tun, dass eine
solche Krise nicht mehr eintreten kann", sagte Gertrude
Tumpel-Gugerell, Mitglied des Direktoriums der Europäischen
Zentralbank (EZB), in ihrem Vortrag beim Bad Ischler Dialog der
Sozialpartner. Die Reformen zur Stabilisierung des Finanzmarktes, die
die G-20 beschlossen haben, müssten nun in die tägliche Praxis
umgesetzt werden - "nicht verzögert und nicht verwässert", forderte
sie. Außerdem müsse dafür gesorgt werden, dass das Kreditsystem
wieder funktioniere. Die Kreditvergabe stagniere oder sei sogar
leicht rückläufig. Die Banken hätten in der Krise die Kreditstandards
deutlich angehoben, so Tumpel-Gugerell: "Firmen, die vor drei oder
vier Jahren leicht Kredit bekommen haben, tun sich dabei heute
deutlich schwerer." Allerdings sei krisenbedingt auch die Nachfrage
nach Krediten gesunken. Die Rolle der Banken bei der
Finanzmittelbereitstellung sei in Europa viel wichtiger als in den
USA, erklärte sie. In der Eurozone erfolge drei Viertel der
Kreditvergabe durch die Banken, während es in den USA nur knapp mehr
als ein Fünftel sei. Der Rest kommt dort vom Kapitalmarkt. Als Grund,
dass in Europa der Abschwung deutlich abgemildert werden konnte,
nannte Tumpel-Gugerell die automatischen Stabilisatoren, zum Beispiel
Arbeitslosengeld: "In den USA gibt es ein solches Sozialsystem
nicht."

Peter Spahn, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität
Stuttgart-Hohenheim, konstatierte: "Wir haben in Europa ein
Staatsschulden-Problem." Und er warnte davor, die strukturellen
Probleme aus den Augen zu verlieren: "Da gibt es einen Zielkonflikt:
Je schneller konjunkturelle Probleme gelöst werden, desto schneller
kann es passieren, dass die nach wie vor existierenden
Strukturprobleme dem Vergessen anheim fallen. Wir müssen daran
festhalten, strukturelle Probleme auch dann zu lösen, wenn die
konjunkturellen schon aus der Welt geschafft sind." Weiters führte er
aus, dass Lohnpolitik in Europa Rücksicht auf nationale
Produktivitätsfortschritte nehmen solle und sprach sich für eine
Klärung der Fragen "Wie sollen Manager entlohnt werden - und wer
soll darüber bestimmen?" aus. Zudem gelte es einen weiteren Anlauf in
Sachen Mitarbeiterbeteiligung zu machen. Und Spahn plädierte dafür,
dass Banken durch mehr Eigenkapital eine stärkere Standfestigkeit
haben sollen. Die Verpflichtung zu mehr Eigenkapitalbildung könnte
möglicherweise an die Größe der Banken gekoppelt sein.

Katja Gentinetta, stellvertretende Direktorin des unabhängigen
Schweizer Think Tanks Avenir Suisse, der vor einem Jahrzehnt von 14
internationalen Schweizer Firmen ins Leben gerufen wurde, schlug
bezüglich der vorhandenen strukturellen Probleme in die selbe Kerbe
wie Spahn. Konjunkturprogramme dürften nicht zur Strukturerhaltung
eingesetzt werden: "Es kann nicht sein, dass Strukturen um ihrer
selbst willen erhalten bleiben", meinte sie in Bezug etwa auf
Kurzarbeit. Strukturelle Reformen - allen voran die Altersvorsorge
und Arbeitsmarktregulierung - haben oberste Priorität."
Weder die Schweiz noch Deutschland und Österreich hätten Zeiten des
Aufschwungs für solche Reformen genützt, das mache diese jetzt umso
notwendiger, aber auch ungleich schwieriger. Die
Finanzmarktregulierung sei zwar ein notwendiges Element zur
Krisenbewältigung, aber eben nur ein Element unter vielen. Bezüglich
Ausweg aus der Krise formulierte die Philosophin, es müsse gelingen,
wieder auf den wirtschaftlichen Wachstumspfad zu kommen, denn:
"Langfristig geht es nur mit Wachstum." (JR)

Rückfragehinweis:

Wirtschaftskammer Österreich
   Stabsabteilung Presse
   Mag. Rupert Haberson
   Tel.: 05 90 900-4362
   Internet: http://wko.at/Presse
   
   
   Thomas Angerer
   AK Wien Kommunikation
   tel.: (+43-1) 501 65-2578
   mailto:[email protected]
   http://wien.arbeiterkammer.at

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