• 05.10.2009, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das ist kein Fundament für Anleger - von Susanne Leiter

Eduard Zehetner macht einen Schritt vor und zwei zurück

Wien (OTS) - Wahrscheinlich ist es bereits Resignation - gepaart
mit einem guten Schuss Gewohnheit. Anders ist es nicht zu erklären,
dass der jüngste Immobilienskandal an der Wiener Börse kaum Resonanz
fand. Seit mehr als zwei Jahren dürfen wir uns jetzt mit der
österreichischen Immobilienbranche mehr als intensiv
auseinandersetzen. Den Anfang machte 2007 Meinl. Auf den Tag genau
vor einem Jahr trat der damalige Immofinanz- und Immoeast-Chef Karl
Petrikovics zurück - und löste den nächsten Eklat aus. Nach diversen
Scharmützeln setzte sich mit Eduard Zehetner ein CEO durch, der nicht
lange fackelte. Ihm ist es zu verdanken, dass bei den Anlegern wieder
das Vertrauen in die beiden Unternehmen und wohl auch zur ganzen
Branche zurückkehrte: Die beiden Aktien entwickelten sich von
konkursreifen Penny-Stocks hin zu wieder investierbaren Werten.

Apropos Vertrauen: Das zu gewinnen, sollte eines der obersten Ziele
eines börsenotieren Unternehmens sein, will es am Kapitalmarkt
reüssieren. Glaubwürdigkeit und Transparenz sind somit die so banal
einfachen wie notwendigen Zutaten für den Erfolg. Vor allem bei der
Transparenz hapert es bei der Immofinanz noch gewaltig.

Jüngstes Beispiel: Das Ringelspiel, welche Gesellschaft die Provision
(aus dem Buwog-Verkauf) an Walter Meischberger und Peter Hochegger
letzten Endes zahlte - und damit verbunden die Tatsache, dass die
Rechnung an die falsche Gesellschaft ging, nämlich die Immoeast
Beteiligungs GmbH, und sie diese trotzdem beglichen hat. Ob, und wenn
ja, welche juristische Folgen es hat, dass das falsche Unternehmen
Kosten (ob gerechtfertigt oder nicht) übernommen hat, muss wohl jetzt
zusätzlich noch geprüft werden. Das alles vor dem Hintergrund, dass
es Zehetners erklärtes Ziel ist, Immofinanz und -east möglichst bald
zu fusionieren.

Was bleibt, sind (Privat-)Anleger, die auf Zwei-Jahres-Sicht noch auf
beeindruckenden Kursverlusten quer über die Immobranche verteilt
sitzen - Verluste, die vor allem auf die Misswirtschaft in drei
Unternehmen zurückzuführen sind. Was bleibt, ist die ständige
Befürchtung, dass bald schon die nächste Aufregung vor der Tür stehen
könnte. Was damit bleibt, ist eine Branche, deren Image - teils
selbst verschuldet, teils unschuldig zum Handkuss gekommen - mehr als
angekratzt ist. Dann gerät ein öffentlicher Vergabeprozess ins
Zwielicht, aus einem Immobilienskandal wird ein Politikskandal.
Hauptdarsteller: Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Und was
letzten Endes bleibt, ist ein weiterer Imageschaden für den gesamten
österreichischen Kapitalmarkt.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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