- 05.10.2009, 11:52:26
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Medizinische Berufsgruppen sollten sich auf ihre Kompetenzen und Befugnisse konzentrieren
Die von den Apothekern vielgepriesenen Leistungen am "Tag der Apotheke" sollten an 365 Tagen im Jahr passieren und nicht nur am 6. Oktober
Wien (OTS) - Anlässlich des Tages der Apotheken am morgigen 6.
Oktober mahnt der NÖ Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner ein,
dass sich die medizinischen Berufsgruppen wieder verstärkt auf ihre
Kompetenzen und Befugnisse konzentrieren. Der "Tag der Apotheke" wird
von der Apothekerkammer unter anderem damit beworben, dass so
genannte Wechselwirkungen (Interaktionen) zwischen verschiedenen
Medikamenten geprüft würden. Man verweist auf Erfahrungen in
Salzburg, wo nach Angabe der Apothekerkammer beim Probebetrieb des
"Arzneimittelsicherheitsgurts" 26.000 arzneimittelbezogene Probleme -
größtenteils Wechselwirkungen - erkannt und gelöst wurden.
"Bei dieser Argumentation werden entweder Äpfel mit Birnen
verwechselt oder die Kompetenzen der Apotheken überschritten", so
Präsident Dr. Reisner. "Im Falle von Wechselwirkungen zwischen
rezeptpflichtigen Medikamenten ist der Apotheker lediglich in der
Lage, auf mögliche Wechselwirkungen hinzuweisen. Er ist nicht befugt,
eine Lösung herbeizuführen, also eine Abänderung der Medikation
vorzunehmen. Im Übrigen verfügen verschreibende Ärztinnen und Ärzte
über eine Software zur Interaktionskontrolle, die bei jeder
Medikation verwendet wird." Oft werden im Rahmen der Medikation
Wechselwirkungen in Kauf genommen oder sogar bewusst zur Therapie
eingesetzt. "Wenn sich die Apotheker hier einmischen, überschreitet
das den Kompetenzbereich und sorgt zusätzlich für eine Verunsicherung
der Patientinnen und Patienten", warnt Präsident Dr. Reisner.
Die Kontrolle von Wechselwirkungen sollte täglich Standard sein
Ein gänzlich anderes Kapitel sind Wechselwirkungen, an denen
rezeptfreie Arzneimittel beteiligt sind. Diese werden ohne Rezept in
der Apotheke an Patientinnen und Patienten abgegeben. "Hier sollte
eigentlich eine Interaktionskontrolle Standard sein. Und zwar an 365
Tagen im Jahr und nicht nur am "Tag der Apotheke", so der
Ärztekammerpräsident. Da jede eigenmächtige Änderung der Rezeptur dem
Apotheker untersagt ist, geht Präsident Dr. Reisner davon aus, dass
die erkannten 26.000 Wechselwirkungen im Rahmen des Pilotprojekts
überwiegend rezeptfreie Präparate betreffen.
Informationen über rezeptfreie Präparate stehen den
verschreibenden Ärztinnen und Ärzten nicht zur Verfügung. "Nur wenn
in Apotheken die Abgabe jedes Medikaments - vor allem der nicht
rezeptpflichtigen Medikamente - genau dokumentiert und der
Ärzteschaft zur Verfügung gestellt würde, könnten unerwünschte
Nebenwirkungen vom Arzt bereits vor der Verschreibung verhindert
werden."
Informationen über rezeptfreie Präparate sollten der Ärzteschaft zur
Verfügung gestellt werden
Die NÖ Ärztekammer unterstützt alle sinnvollen Maßnahmen, die dazu
geeignet sind, die Medikation im Sinne der Patienten zu optimieren.
Und das bedeutet, dass rezeptpflichtige Medikationen nicht
eigenmächtig vom Apotheker abgeändert werden dürfen und dass der
Ärzteschaft im Zuge der geplanten Projekte im Rahmen der E-Medikation
auch Informationen über rezeptfreie Präparate zur Verfügung gestellt
werden müssen. Nur so können Wechselwirkungen dort vermieden werden,
wo medizinische Entscheidungen getroffen werden.
Apotheker sollten bei ihrer Kernkompetenz bleiben, und das ist die
Ausgabe der richtigen Packung wie am ärztlichen Rezept verordnet. Nur
in den seltensten Fällen müssen Arzneimittel selbst gemischt und
zubereitet werden. Viele Apotheken bieten diese Dienste gar nicht
mehr an.
"Wir freuen uns über den "Tag der Apotheke", aber die dort
großartig angepriesenen Leistungen am Patienten sollten tagtäglich
passieren", meint Präsident Dr. Reisner und ergänzt: "In den
vergangenen Jahren wurde am Tag der Apotheke jahrmarktähnlich
Blutdruck und Blutzucker gemessen. Dies gehört sicherlich nicht zur
Kernkompetenz der Apotheker, hier gibt es wirkliche Fachleute, die
Ärztinnen und Ärzte!"
Rückfragehinweis:
Pressestelle, Michael Dihlmann
Tel. 0664/144 98 94
[email protected], www.arztnoe.at
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