Die Zukunft der Rinder ist hornlos

Bereits 2020 könnten nur noch hornlose Rinder gezüchtet werden. Schmerzhafte, betäubungslose Enthornung von Kälbern wäre damit beendet.

Wien (OTS) - "Bauernblick und Forschersicht - Gemeinsame
Strategien für mehr Tiergerechtheit" war das Generalthema der 16. FREILAND-Tagung, die Ende September an der Universität für Bodenkultur Wien stattfand. Mit über 200 TeilnehmerInnen aus fünf Nationen bestätigte die FREILAND-Tagung ihren Rang als führende angewandte Ethologietagung im deutschsprachigen Raum.

Auch dieses Jahr ließen ExpertInnen mit neuesten Wissenschaftsergebnissen aufhorchen: Die schmerzhafte, betäubungslose Enthornung der Kälber - wie sie aktuell in der Landwirtschaft praktiziert wird - könnte schon bald der Vergangenheit angehören.

"Es ist eine Schande, dass gerade in den hochentwickelten Landwirtschaftsstaaten das betäubungslose Enthornen praktisch aller für die Milcherzeugung vorgesehenen Kälber heute zur praxisüblichen Selbstverständlichkeit geworden ist. Ganz selbstverständlich werden die Tiere den beengten Raumverhältnissen moderner Ställe angepasst, anstatt die Ställe den Bedürfnissen der Tiere entsprechend zu gestalten!" so Reinhard Geßl, Tagungsleiter vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Österreich). "Neben der Konzeption von Ställen, die den arteigenen Bedürfnissen der Tiere gerecht werden, muss es ein weiteres wesentliches Ziel der landwirtschaftlichen Tierhaltung sein, schmerzhafte Eingriffe in die Integrität der Tiere - wie die betäubungslose Enthornung - bei vorhandenen Alternativen umgehend abzustellen."

Realistische Zukunftsoption bei FREILAND-Tagung vorgestellt

Eine realistische Zukunftsoption zur Problematik der betäubungslosen Enthornung wurde nun bei der 16. FREILAND-Tagung von Wissenschaftern und Praktikern vorgestellt.

Jack Windig von der Animal Science Group of Wageningen UR in den Niederlanden erläuterte die Möglichkeiten neuer Zuchwertschätzungsmodelle:

"Hornlosigkeit gibt es bei Rindern schon seit Jahrtausenden, wobei einzelne Rassen überhaupt hornlos sind wie zum Beispiel Aberdeen Angus oder Galloway. Einige Rassen zeigen einzelne hornlose Tiere -und einige Rassen sind wiederum für ihre dominanten Hörner bekannt wie etwa Schottische Hochlandrinder. Die klassischen Milchviehrassen zeigen bisher nur ganz wenige reinerbig hornlose Tiere, welche allerdings heute leistungsmäßig Defizite aufweisen. Mit modernen Zuchtwertschätzungsmodellen wie der genomischen Selektion wird es gelingen, innerhalb von vier Generationen, also 6 bis 10 Jahren, homozygot genetisch hornlose Stiere mit guten Zuchtwerten zu züchten", so der renommierte niederländische Züchtungsexperte.

Diese Ansicht bestätigte ebenso Thomas Grupp von der Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Rinderzucht- und Besamungsorganisationen: "Auch beim Fleckvieh gehen in Deutschland alle Bemühungen in Richtung hornlose Genetik. Heute kann prognostiziert werden, dass - wenn Politik, Bauern und Konsumenten an einem Strang ziehen - in der Fleckviehpopulation im Jahr 2020 der Großteil der geborenen Kälber genetisch hornlos sein wird."
Zucht auf Hornlosigkeit als Alternative zur schmerzhaften Enthornung "Wir können das Rad der Rinderhaltung nicht zurückdrehen. Da der Zug für die Haltung behornter Kühe in der Praxis leider längst abgefahren ist, müssen wir jetzt nach schmerzfreien Alternativen suchen" so Tagungsleiter Reinhard Geßl. "Die sehr emotionale Diskussion der beiden Experten-Vorträge beweist: In Österreich braucht es noch viel Überzeugungsarbeit, um sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Kühe von Geburt an keine Hörner ausbilden und dennoch keine Krüppel sind. Schlussendlich tragen reinerbig hornlose Rinder zwar das Hornanlagen im genetischen Code, das Horn wird aber nicht mehr ausgebildet. Bis zur praxistauglichen Umsetzung sind noch viele kritische Züchtungsfragen zu klären und zu lösen, als Alternative zur schmerzhaften Enthornung scheint die Zucht auf Hornlosigkeit aber ein interessantes Modell. Die 16. FREILAND-Tagung hat zur forcierten Zucht in Österreich einen kräftigen Impuls gegeben."

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Bauernblick und Forschersicht, EUR 14,- zzgl. Versandspesen unter www.freiland.or.at oder freilandtagung@freiland.or.at

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