• 02.10.2009, 08:21:35
  • /
  • OTS0012 OTW0012

Was SchülerInnen mit 10 bzw. mit 14 können (sollten)!

Die VCL lud am 30.9.2009 zur Podiumsdiskussion über die Bildungssituation in Österreich

Wien (OTS) - Mag. Gerhard Riegler, der Vorsitzende der ÖPU,
stellte in einem viel beachteten Referat die Ergebnisse der
OECD-Studien PIRLS und TIMSS den PISA-Ergebnissen gegenüber.

Deutlich wurde dabei, dass Defizite, die bei den PISA-Studien zu
Tage treten, bereits bei den 10-Jährigen gegeben sind, und zwar in
größerem Ausmaß als bei den 15-Jährigen. So lande Österreich unter
den 21 Staaten, die sowohl an PISA als auch an TIMSS teilgenommen
haben, bei den 10-Jährigen auf dem 13. Rang, erreiche bei den
15-Jährigen aber immerhin den Platz 8. Dies sei nicht als Kritik an
den Volksschullehrerinnen zu verstehen. Bildung beginne nämlich nicht
erst mit 6, sondern im Elternhaus ab dem Zeitpunkt der Geburt. Die
Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus entfalte "seine volle
Wirkung bereits vor dem 10. Geburtstag, in den Jahren, in denen die
Kinder zuerst keine und dann die Volksschule, also eine Gesamtschule,
besuchen." Die PISA-Ergebnisse als Argument für eine Gesamtschule
anzuführen, sei somit geradezu "pervers", so Riegler wörtlich.

Mag. Isabella Zins, Bundesobfrau der VCL und Direktorin des BORG
Mistelbach, stellte am Beginn ihres Referats die Frage, warum
international anerkannte Bildungs- und ErziehungsexpertInnen aus
Deutschland - wie Joachim Bauer, Michael Winterhoff oder Josef Kraus
- in Österreich so wenig Beachtung fänden. Dabei könnten diese doch -
basierend auf den Erfahrungen mit dem deutschen Schulsystem -
praxisbezogene Lösungen aufzeigen. Nicht ein System-Wechsel sei
zielführend, sondern eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema
"Erziehung" - im Elternhaus und in der Schule.

Isabella Zins stellte daher die These auf, dass eine
Bildungsoffensive nur gemeinsam mit einer Erziehungsoffensive
sinnvoll sei, und untermauerte dies durch ein Zitat Joachim Bauers:
"Zugewandte, anwesende Bezugspersonen sind durch nichts zu ersetzen.
.... Heranwachsende stundenlang dem Fernsehen oder Bildschirmspielen
zu überlassen, ist ein Begabungszerstörungsprogramm erster Klasse!"

Zins wünscht sich - sowohl als Mutter als auch als Lehrerin - eine
Potenzialanalyse und Beratung schon VOR Schuleintritt und VOR den
Nahtstellen im Bildungssystem mit 10 und 14. Zins plädierte für
ehrliche Leistungsbeurteilung und aussagekräftige Zeugnisse.
Die VCL-Vorsitzende sprach sich abschließend für ein groß angelegtes
Schulausbau-Programm sowie für den Einsatz eines multiprofessionellen
ExpertInnen-Teams an den Schulen aus und schloss mit einem Zitat des
deutschen Bundespräsidenten Köhler, der kürzlich J.F. Kennedy
zitierte: "Es gibt nur eine Sache in der Welt, die teurer ist als
Bildung: KEINE Bildung."

Abg.z.NR. Mag. Katharina Cortolezis-Schlager zeigte sich zu Beginn
ihrer Ausführungen beeindruckt von dem, was SchülerInnen mit 10 und
14 laut Lehrplan können sollen. Mit Applaus quittierten die zahlreich
anwesenden PädagogInnen aus mehreren Bundesländern den Nachsatz der
VP-Politikerin: Sie sei aber auch beeindruckt davon, was SchülerInnen
mit 10 und 14 tatsächlich können.

Cortolezis-Schlager sprach sich vehement dagegen aus, das
österreichische Schulwesen schlecht zu reden. So beweise nicht
zuletzt die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa die Qualität
unsere Bildungssystems.

Defizite ortet Cortolezis-Schlager an der vielfach unbeachteten
Schnittstelle zwischen Elternhaus und Kindergarten, ebenso wie bei
der zwischen Kindergarten und Volksschule. Wer Schule den
gesellschaftlichen Herausforderungen entsprechend gestalten will,
müsse auch in den Schulbau investieren. Nur bei adäquater
Infrastruktur könnten Individualisierung sowie Ganztagsbetreuung auf
freiwilliger Basis funktionieren. Abschließend sprach sich
Cortolezis-Schlager ausdrücklich dafür aus, dass die Bildungspolitik,
allen voran die Unterrichtsministerin, endlich zum konstruktiven
Dialog mit allen Schulpartnern, insbesondere mit der
Lehrergewerkschaft findet.

Rückfragehinweis:
Mag. Isabella Zins / Bundesobfrau der VCL (Tel. 0676/3925746)
Mag. Eva Scholik / Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NOB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel