Was SchülerInnen mit 10 bzw. mit 14 können (sollten)!

Die VCL lud am 30.9.2009 zur Podiumsdiskussion über die Bildungssituation in Österreich

Wien (OTS) - Mag. Gerhard Riegler, der Vorsitzende der ÖPU,
stellte in einem viel beachteten Referat die Ergebnisse der OECD-Studien PIRLS und TIMSS den PISA-Ergebnissen gegenüber.

Deutlich wurde dabei, dass Defizite, die bei den PISA-Studien zu Tage treten, bereits bei den 10-Jährigen gegeben sind, und zwar in größerem Ausmaß als bei den 15-Jährigen. So lande Österreich unter den 21 Staaten, die sowohl an PISA als auch an TIMSS teilgenommen haben, bei den 10-Jährigen auf dem 13. Rang, erreiche bei den 15-Jährigen aber immerhin den Platz 8. Dies sei nicht als Kritik an den Volksschullehrerinnen zu verstehen. Bildung beginne nämlich nicht erst mit 6, sondern im Elternhaus ab dem Zeitpunkt der Geburt. Die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus entfalte "seine volle Wirkung bereits vor dem 10. Geburtstag, in den Jahren, in denen die Kinder zuerst keine und dann die Volksschule, also eine Gesamtschule, besuchen." Die PISA-Ergebnisse als Argument für eine Gesamtschule anzuführen, sei somit geradezu "pervers", so Riegler wörtlich.

Mag. Isabella Zins, Bundesobfrau der VCL und Direktorin des BORG Mistelbach, stellte am Beginn ihres Referats die Frage, warum international anerkannte Bildungs- und ErziehungsexpertInnen aus Deutschland - wie Joachim Bauer, Michael Winterhoff oder Josef Kraus - in Österreich so wenig Beachtung fänden. Dabei könnten diese doch -basierend auf den Erfahrungen mit dem deutschen Schulsystem -praxisbezogene Lösungen aufzeigen. Nicht ein System-Wechsel sei zielführend, sondern eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema "Erziehung" - im Elternhaus und in der Schule.

Isabella Zins stellte daher die These auf, dass eine Bildungsoffensive nur gemeinsam mit einer Erziehungsoffensive sinnvoll sei, und untermauerte dies durch ein Zitat Joachim Bauers:
"Zugewandte, anwesende Bezugspersonen sind durch nichts zu ersetzen. .... Heranwachsende stundenlang dem Fernsehen oder Bildschirmspielen zu überlassen, ist ein Begabungszerstörungsprogramm erster Klasse!"

Zins wünscht sich - sowohl als Mutter als auch als Lehrerin - eine Potenzialanalyse und Beratung schon VOR Schuleintritt und VOR den Nahtstellen im Bildungssystem mit 10 und 14. Zins plädierte für ehrliche Leistungsbeurteilung und aussagekräftige Zeugnisse.
Die VCL-Vorsitzende sprach sich abschließend für ein groß angelegtes Schulausbau-Programm sowie für den Einsatz eines multiprofessionellen ExpertInnen-Teams an den Schulen aus und schloss mit einem Zitat des deutschen Bundespräsidenten Köhler, der kürzlich J.F. Kennedy zitierte: "Es gibt nur eine Sache in der Welt, die teurer ist als Bildung: KEINE Bildung."

Abg.z.NR. Mag. Katharina Cortolezis-Schlager zeigte sich zu Beginn ihrer Ausführungen beeindruckt von dem, was SchülerInnen mit 10 und 14 laut Lehrplan können sollen. Mit Applaus quittierten die zahlreich anwesenden PädagogInnen aus mehreren Bundesländern den Nachsatz der VP-Politikerin: Sie sei aber auch beeindruckt davon, was SchülerInnen mit 10 und 14 tatsächlich können.

Cortolezis-Schlager sprach sich vehement dagegen aus, das österreichische Schulwesen schlecht zu reden. So beweise nicht zuletzt die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa die Qualität unsere Bildungssystems.

Defizite ortet Cortolezis-Schlager an der vielfach unbeachteten Schnittstelle zwischen Elternhaus und Kindergarten, ebenso wie bei der zwischen Kindergarten und Volksschule. Wer Schule den gesellschaftlichen Herausforderungen entsprechend gestalten will, müsse auch in den Schulbau investieren. Nur bei adäquater Infrastruktur könnten Individualisierung sowie Ganztagsbetreuung auf freiwilliger Basis funktionieren. Abschließend sprach sich Cortolezis-Schlager ausdrücklich dafür aus, dass die Bildungspolitik, allen voran die Unterrichtsministerin, endlich zum konstruktiven Dialog mit allen Schulpartnern, insbesondere mit der Lehrergewerkschaft findet.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Isabella Zins / Bundesobfrau der VCL (Tel. 0676/3925746)
Mag. Eva Scholik / Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft

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