Wadani: "Bandion-Ortner stellt uns unter Generalverdacht"

Deserteure fordern die Wiederherstellung ihrer Ehre und Würde

Wien (OTS) - "Claudia Bandion-Ortner stellt uns unter Generalverdacht", wettert der Sprecher des Personenkomitees "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz" Richard Wadani anlässlich der gestern bekannt gewordenen Pläne des Justizministeriums zur angeblichen "Rehabilitierung" der Wehrmachtsdeserteure. "Wenn die Ministerin meint, sie müsse in einem NS-Opfer-Rehabilitierungsgesetz besonders hervorstreichen, dass Tötungsdelikte grundsätzlich nicht aufgehoben werden sollen, dann schreibt sie damit die tradierten NS-Vorurteile fort, die Deserteuren in diesem Land seit Jahr und Tag entgegengebracht werden", betont Wadani. "Diese Pläne fallen weit hinter den augenblicklichen Status quo zurück und haben mit einer Rehabilitierung nicht das Geringste zu tun. Das ist wirklich eine unglaubliche Provokation."

Allein die Annahme, es habe zwischen 1938 und 1945 in Österreich eine "normale, nicht NS-ideologische Gesetzeslage" gegeben, zeuge von fataler Ahnungslosigkeit. Denn "damals wurde jedes Urteil vor jedem Gericht auf der Basis von NS-Ideologie gefällt: Jeder Obdachlose war ein Asozialer, jeder Dieb ein Volksschädling, jede Urlaubsüberschreitung war eine Untergrabung der Manneszucht, jeder Witz über Hermann Göring eine wehrkraftzersetzende Äußerung", macht Wadani seiner Empörung Luft.

Die kompromisslose Ablehnung des Nationalsozialismus in all seinen Facetten sei eines der grundlegenden Merkmale der österreichischen Verfassung, erklärt Wadani: "Viele von uns haben diese Ablehnung schon während des Nationalsozialismus vertreten - und zwar dort, wo wir uns damals befunden haben: in der Hitler-Armee. Viele von uns haben dafür bittere Verfolgung auf sich nehmen müssen, viele von uns haben ihre Haltung mit dem Tod bezahlt."
Wadani war 1944 an der Westfront zu den Amerikanern übergelaufen. Die Deserteure, fährt der 86-Jährige fort, "haben ihren Beitrag zur Niederlage des Nationalsozialismus geleistet. Nun hat die Republik dafür zu sorgen, dass uns endlich Gerechtigkeit widerfährt. Wir fordern daher weiterhin die pauschale Aufhebung der Urteile der NS-Militärjustiz und ein Bekenntnis der Republik zu den Deserteuren -und zwar ohne Wenn und Aber. Denn eines darf man nicht vergessen: Von der Stange, bei der diejenigen blieben, die bis zur Kapitulation in der Wehrmacht kämpften, wehte nicht die rot-weiß-rote Fahne, sondern das Hakenkreuzbanner!"

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