• 25.09.2009, 12:05:56
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Potenzial von Cloud Computing bleibt umstritten

Markt wächst in Österreich um 30 bis 40 Prozent - Experten diskutierten bei EBC-Veranstaltung über Chancen und Risiken

Bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community beleuchteten Experten Chancen und Risiken von Cloud Computing.

Wien (OTS) - Daten und Anwendungen in einer "Wolke" zu platzieren,
auf die - egal ob per Handy, Laptop oder Desktop - immer und überall
zugegriffen werden kann, scheint sich zum Hype zu entwickeln.
Allerdings gehen die Expertenmeinungen darüber deutlich auseinander:
Von "altem Wein in neuen Schläuchen" bis zu "ein Thema, das massive
Auswirkungen auf die IT-Landschaft haben wird", reicht die Palette.

"Dieser Markt wächst in Österreich jedenfalls derzeit um 30 bis 40
Prozent. Laut Analysten trägt dazu auch die aktuelle
Wirtschaftssituation bei", erklärte Gerwald Oberleitner von Microsoft
Österreich bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community (EBC)
gestern, Donnerstagabend, in Wien.
Außerdem würden sich die Unternehmen zunehmend auf ihre
Kernkompetenzen konzentrieren. "Wenn man sich nicht mit dem Thema
beschäftigt, wird einen das Thema überrollen", so Oberleitner.

Cloud-Plattformen würden die Grundinfrastruktur für
Betriebssysteme, Datenbanken und Zugriffskontrollen zur Verfügung
stellen. Außerdem könnten Softwareentwickler den Endkunden hier ihre
Anwendungen anbieten. "Sie sollten entsprechende Cloud Services
gleich mitdenken, um sich neue Kunden und Märkte zu erschließen",
riet Oberleitner. Denn lokal entwickelte Applikationen würden
maßgeschneiderte und branchenorientierte Lösungen ermöglichen.

Microsoft plädiert dabei für Software und Services, "das Beste aus
beiden Welten". Viele Anbieter würden ausschließlich auf
Online-Services setzen und sich auf die Fahnen heften, ohne Software
auszukommen. "Aber das stößt schnell an Grenzen, schließlich steht
nicht überall eine Internetverbindung zur Verfügung", gab sich der
Microsoft-Manager überzeugt. Am meisten profitieren würden von Cloud
Services mittelständische Betriebe mit bis zu 250 Mitarbeitern, da
hier die Kosteneffekte am stärksten zum Tragen kämen.

Die Rechenzentren müssten dabei nicht unbedingt außerhalb
Österreichs Grenzen stehen. Denn Softwaremietmodelle würden es
lokalen Anbietern erlauben, sich hier ins Spiel zu bringen.
Befürchtungen wie: "Der Server steht sicher in den USA und da liegen
dann meine Daten", hält Oberleitner deshalb für ein Vorurteil. Lokale
Rechenzentren seien wichtig, da teilweise gesetzliche Vorgaben
bestünden, Daten nicht außer Landes zu bringen oder zu speichern.

Voraussetzung ist "Vertrauen in die Datenwolke"

Man müsse zwischen Hype und Realität unterscheiden, meinte Gerhard
Fröhlich von Capgemini Austria: "Die Frage ist, ob ich das Risiko
eingehen kann, meine Kernprozesse komplett in die Cloud auszulagern.
Und diese Frage stellen sich die Entscheider." Nur wenn es gelinge,
Vertrauen in die "Datenwolke" zu schaffen, sei ein Erfolg absehbar.
Für viele spiele es keine Rolle, ob in die Cloud oder zu lokalen
Anbietern ausgelagert werde, Tatsache sei: "Ich gebe die Daten einem
Dritten."

Fröhlich bezeichnete Cloud Computing als "ernstzunehmenden Hype",
der "definitiv kommen wird". Zuerst müssten aber noch wichtige Fragen
wie Datensicherheit oder gesetzliche Vorgaben geklärt werden.
Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Cloud einmal mehr eine reine
Technologiespielerei bleibe, ohne nachhaltige betriebswirtschaftliche
und strategische Verbesserungen zu erzielen, und somit wieder
verschwinde.

Durch eine gemeinsame Nutzung von IT-Ressourcen über das Internet
seien sehr wohl Einsparungen zu erzielen, aber nicht jeder Service
eigne sich gleich gut, um in eine Cloud ausgelagert zu werden. Der
Unterschied zum Outsourcing sei, dass man nicht "ein Rechenzentrum
von A nach B schiebe", sondern Services kombiniert und den eigenen
Bedürfnissen angepasst werden könnten.

Diskussion über Auslagerungen "langweilig"

Von "altem Wein in neuen Schläuchen" und einem "nebulosen Begriff,
unter dem jeder etwas anderes versteht", sprach hingegen Harald
Lakatha vom Softwareanbieter IT Solution. Cloud Computing sei nichts
für Anwendungen von heute. Dafür reiche auch das "alte Thema"
Outsourcing. "Es geht darum, neue Dinge zu machen und neue Services
zu entwickeln", forderte Lakatha. Die derzeitige Diskussion über
Auslagerungen sei "langweilig", das Thema Cloud Computing "noch nicht
sexy".

Er hält auch die Konzentration von Daten in einem externen
Rechenzentrum für ein Problem. "Man weiß, dass die größte Gefahr von
innen ausgeht", sagte Lakatha. Mit der Cloud eines Anbieters gebe es
einen zentralen Punkt, an dem Attacken angesetzt werden könnten -
etwa im Bereich Wirtschaftsspionage.

Thema Datenschutz wird "hoch gespielt"

"Wer unter Beobachtung steht, passt vielleicht besser auf Daten
auf, als man im eigenen Haus darauf achten würde", entgegnete
Christian Plaichner vom Softwarehersteller UC4 Senactive. Außerdem
zeige das Beispiel von Online-Bezahlsystemen schon seit Jahren, dass
das Thema Datenschutz "hoch gespielt wird".

Allerdings seien die IT-Abteilungen sehr vorsichtig, deshalb werde
es wohl länger dauern, bis sich das Thema durchsetze. Dann sieht aber
auch er "dramatische Veränderungen" auf die Branche zukommen. Es
werde "für viele, die jetzt den Kopf in den Sand stecken, noch ein
böses Erwachen geben".

Von einem "Hype-Thema", das aber "die IT-Landschaft verändern
wird", sprach auch Peter Rass von der Telekom Austria. Derzeit würden
nur 0,5 Prozent des gesamten IT-Umsatzes in Deutschland auf Software
als Dienstleistung entfallen. "Das heißt, wir sind noch in einer
frühen Phase. Es gibt derzeit wenig Bereitschaft, Daten auszulagern.
Allerdings steigt das Angebot an Services ständig, wodurch die
Branche nachhaltig umgekrempelt wird", so Rass.

"Evolution der technischen Gegebenheiten"

Getrieben werde das Thema global von Microsoft, Google und Co.
Praxisrelevant sei das derzeit aber nur für Unternehmen, die ihre IT
ohnehin neu gestalten wollten. Dabei würden vor allem
"kostengetriebene Entscheidungen" eine Rolle spielen. Prinzipiell sei
Cloud Computing "nichts Brandneues", sondern eine "Evolution der
technischen Gegebenheiten", erklärte Rass. Allerdings könnte den
Kunden nun angeboten werden, sich im Bereich Infrastruktur und
Anwendungen selbst etwas zusammenzustellen - "und das von heute auf
morgen".

"Wir stehen erst am Anfang. Aber das Thema könnte eine Euphorie
auslösen", sagte Oliver Krizek von der Navax Consulting AG.
"Allerdings müssen die ITler die Diskussion auf einem Niveau führen,
mit dem auch 'Normalsterbliche' etwas anfangen können. Anwender
interessiert der Nutzen, und nicht, welche Rechnersysteme eingesetzt
werden", so Krizek.

Von der "Datenwolke" besonders profitieren könnten Klein- und
Mittelbetriebe. "Start-ups mieten sich beispielsweise erst mal was,
statt gleich alles zu kaufen. Dass Firmen anders investieren, ist
jetzt schon merkbar", stellte Krizek fest. Deshalb könnten
Softwareunternehmen, die weiter nur auf Lizenzverkäufe setzen,
durchaus Schwierigkeiten bekommen.

Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:

- Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com
 - diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc
 - economyaustria economyaustria.at
 - Hewlett-Packard www.hp.com/at
 - IT Solution GmbH www.itsolution.at
 - Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net
 - Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria
 - NAVAX Consulting AG www.navax.at
 - NextiraOne www.nextiraone.at
 - seeyou 3.0 www.seeyou.at
 - Telekom Austria www.telekom.at
 - UC4 Senactive www.senactive.com
 - WirtschaftsBlatt Verlag AG www.wirtschaftsblatt.at
 - Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at
 - APA-MultiMedia multimedia.apa.at

Weitere Bilder unter:
http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=200909&e=20090924_e&a=event

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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Rückfragehinweis:
E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
E-mail: [email protected]
http://ebc.apa.at

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