• 18.09.2009, 13:14:50
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Caritas: Österreich hinkt bei Pflege hinterher

Küberl und Landau fordern Gesamtkonzept für "leistbares und menschenwürdiges" Pflegessystem - Starker Anstieg bei Demenzerkrankungen befürchtet - "Pflegetag" der Caritas der Erzdiözese Wien auf dem Stephansplatz

Wien, 18.09.2009 (KAP) Die Caritas vermisst in Österreich weiterhin
ein zukunftsfähiges Gesamtkonzept für den Pflegebereich. Erste
Schritte zu einer Verbesserung seien zwar getan worden, insgesamt
befinde sich Österreich aber bei der Pflegeversorgung noch lange
nicht im dritten Jahrtausend, stellten Caritas-Präsident Franz
Küberl und der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau am
Freitag bei einer Pressekonferenz fest. Die Caritas fordert ein
Pflegegesamtkonzept mit nachhaltiger Finanzierung durch einen
staatlichen Pflegefonds, die Schließung von Lücken im
flächendeckenden Betreuungs- und Pflegeangebot vor allem in
ländlichen Regionen und generell mehr Unterstützung für pflegende
Angehörige.

Jeder könne betroffen sein, wenn man selbst oder ein
Familienmitglied pflegebedürftig wird, erinnerte Küberl. "Pflege
geht uns alle an und es ist für alle wichtig, dass wir eine
Systematik in der Pflege haben, die jedem in Österreich so hilft,
dass man auch in einer pflegebedürftigen Situation menschenwürdig
leben kann", sagte der Caritas-Präsident. Der Zugang zu staatlicher
Pflege-Unterstützung dürfe keine Frage des Wohnorts sein, so Küberl:
"Das muss vom Neusiedler See bis zum Bodensee gleich sein".

Auch der Wiener Caritasdirektor Michael Landau nahm die Politik in
die Pflicht. Diese müsse durch Reformen für geeignete
Rahmenbedingungen einer nachhaltigen Pflegeversorgung sorgen. "Diese
Probleme gehören jetzt gelöst und nicht irgendwann", so Landau
unmissverständlich.

Prof. Johannes Wancata vom Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) wies
bei der Pressekonferenz auf den zu erwartenden starken Anstieg der
Demenzerkrankungen in Österreich hin. Im Jahr 2000 waren 90.500
Menschen an Demenz erkrankt, 2050 würden es bereits über 260.000
sein, so Wancata. Der Anstieg dieser Erkrankungen habe massive
Auswirkungen auf den Pflegebereich. Zwei Drittel aller älteren
Menschen in Pflegeheimen würden an Demenzerkrankungen leiden.

Dabei werden mindestens drei Viertel aller an Demenz Erkrankten nach
Angaben Wancatas derzeit zu Hause von Angehörigen oder nahe
stehenden Personen betreut. "Zwei Drittel jener Menschen, die
demenzkranke Angehörigen pflegen, fühlen sich ausgebrannt, mehr als
die Hälfte ist selbst krank und ein Viertel hat mit finanziellen
Belastungen zu kämpfen", warnte der AKH-Demenzexperte. Bei der
Pflegedebatte gehe es daher sowohl um die Würde der Kranken als auch
um die Würde der Angehörigen, sagte Wancata.

Handlungsbedarf beim Pflegegeld

"Pflegende Angehörige sind derzeit noch der größte und wichtigste
Pflegedienst im Land", unterstrich auch Caritasdirektor Landau.
Knapp 80 Prozent aller Pflegebedürftigen würden von ihnen
nahestehenden Menschen betreut, so Landau. Man dürfe diese Menschen
- der Großteil von ihnen Frauen - nicht alleine lassen, sondern
müsse ihnen durch den Ausbau flexibler und kostengünstiger
Beratungs- und Betreuungsangebote den Rücken stärken.

Handlungsbedarf ortete Landau auch beim Pflegegeld. Neben einer
regelmäßigen Valorisierung fordere die Caritas Verbesserungen beim
Einstufungsverfahren zum Pflegegeld. Hier sollten künftig
spezialisierte Fachärzte und Pflegepersonen im "Vier-Augen-Prinzip"
die Einstufung vornehmen.

Demenzerkrankte sollten zudem ein höheres Pflegegeld bekommen, sagte
Landau. Bei ihnen gehe es nicht nur um den medizinisch-pflegerischen
Bedarf, sondern auch um die Anwesenheit von Betreuungspersonen.

Ausgehend vom "Pflegetag", der am Freitag auf dem Wiener
Stephansplatz stattfand, will die Caritas in diesen Wochen das
öffentliche Tabu über das Thema "Altern in Würde" brechen.
Gleichzeitig verweist die Caritas in einer von der "Vienna Insurance
Group" (Wiener Städtischen Versicherung) unterstützten Kampagne auf
ihre breite Angebotspalette im Bereich der Betreuung und Pflege
alter Menschen. Insgesamt sind bei der Caritas österreichweit rund
4.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegebereich tätig.

O-Töne von der Pressekonferenz stehen unter
www.katholisch.at/o-toene zum Download zur Verfügung.

(ende)
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