"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: "Der Super-GAU"

Aus der Lehman-Pleite werden Lehren gezogen - aber auch die richtigen?

Wien (OTS) - Nun, vor einem Jahr standen die Banken weltweit vor einem gähnendem Abgrund - ein vollständiger Systemzusammenbruch war möglich, Regierungen und Zentralbanken waren nahe der Panik. Mit viel Geld - unvorstellbar viel Geld - wurden die Banken am Laufen gehalten. Die große Frage lautet nun: Werden daraus die Lehren gezogen und sind es die richtigen?
Die jüngsten Beschlüsse der Zentralbanken, den Finanzinstituten härtere Kapitalvorschriften aufzuerlegen, sind richtig. Bei der grenzüberschreitenden Aufsicht über die Banken ist der Mut nicht mehr so ausgeprägt: Die Vorschläge der EU gehen bisher nicht weit genug. Und die freiwillige Selbstkontrolle der Banken offenbart, dass wenig gelernt wurde. In der Londoner City und anderswo sind wieder die alten Zocker unterwegs, genau wie früher. Jene Banker, die erkannt haben, dass es so nicht weitergeht - wie Erste-Chef Andreas Treichl - prangern genau dies an. Mit gutem Grund, denn sie sind zwar klüger geworden, aber was hilft das, wenn andere nicht mitmachen? Wenn die Krise, die durch die Lehman-Pleite vervielfacht wurde, Zweifel an den sogenannten Selbstreinigungskräften des Marktes entfachte, so muss es die jetzige Reaktion vieler Banken noch viel mehr.
Die Banken sind schlecht beraten, denn ihre wichtigste Währung heißt Vertrauen. Die haben sie großteils verloren. Anstatt aber nun -wie die heimischen Großbanken - an dessen Wiederherstellung zu arbeiten, bestätigen viele Wertpapierhändler die Vorbehalte, die bestehen.
Gefragt sind jetzt die Aufsichts- und Kontroll-Instanzen in Staat und in Zentralbanken. Sie müssen das Korsett so eng anlegen, dass den Unbelehrbaren die Luft zum Spekulieren geraubt wird.

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