- 11.09.2009, 10:42:14
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Weder Jahrhundertreform noch soziale Hängematte
Diakonie und Caritas räumen mit Vorurteilen bezüglich "Mindestsicherung" auf
Wien (OTS) - Die im Sommerministerrat beschlossene Kürzung der
Mindestsicherung von rund 15 Prozent veranlasste Caritas und Diakonie
zu einem gemeinsamen Appell und zu einer Richtigstellung: "Diese
Kürzung ist völlig inakzeptabel. Es trifft primär Familien und
Kinder, die sich die grundlegendsten Dinge wie Miete, Essen oder
Heizen nicht leisten können. Hier ist ein Muster erkennbar: Immer
wenn es um die ärmsten der Bevölkerung geht, droht der
Staatsbankrott", kritisieren Diakonie-Direktor Michael Chalupka und
Michael Landau, Caritas-Direktor der Erzdiözese Wien.
Beide Hilfsorganisationen vermissen rund um das Thema der
"Mindestsicherung" eine seriöse Diskussion. Gängige Klischeebilder
von Sozialhilfebezieher, wie das von jungen und gesunden Männern, die
arbeiten könnten es nur nicht wollen, sind weder in der Sache
dienlich noch entsprechen sie der Realität.
Die Fakten sprechen für sich:
- Die neue Mindestsicherung ist im Wesentlichen die alte Sozialhilfe. Weder handelt es sich um eine Grundsicherung noch um eine soziale Hängematte. - Nach Abzug der Fixkosten rund ums Wohnen bleibt einem Drittel der KlientInnen der Caritas Sozialberatungsstellen weniger als vier Euro pro Tag und Person im Haushalt übrig, um alle anderen Bedürfnisse wie Essen, Kleidung oder Schulsachen für die Kinder abzudecken. - Leben am Limit macht Stress und krank. Dutzende Studien weisen den Zusammenhang von Armut und Stress nach. Darauf folgt geringere Immunabwehr und höheres Erkrankungsrisiko. - Wer Arbeitswilligkeit einfordert, muss auch für die entsprechenden Arbeitsplätze sorgen. Derzeit kommen auf einen freien Arbeitsplatz acht Arbeitssuchende. - 29 Prozent aller SozialhilfebezieherInnen sind Kinder und Jugendliche, das sind derzeit 44.000 Kinder in Österreich, die unter Sozialhilfebedingungen leben müssen. - Eine Mindestsicherung ist leistbar. Derzeit werden nur 0,5 % der Gesamtsozial-Ausgaben für Geldleistungen der offenen Sozialhilfe verwendet.
Michael Landau und Michael Chalupka appellieren an Bundeskanzler
Werner Faymann und Vizekanzler Josef Pröll ihre Verantwortung
gegenüber den von Armut betroffenen ÖsterreicherInnen wahr zu nehmen
und fordern eindringlich in der kommenden Regierungsklausur die
Kürzung zurückzunehmen.
Rückfragehinweis:
Mag. Bettina Klinger Leitung Kommunikation Diakonie Österreich Tel: (01) 409 80 01-14 od. 0664/314 93 95 Email: [email protected] Mag.(FH) Klaus Schwertner Pressesprecher, Caritas der Erzdiözese Wien Tel.: (++43-1) 87812 - 221 od. 0664/8482618 E-Mail: [email protected]
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