WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Sieger heißt Magna, die Wette gilt - von Alexis Johann

"Das Beste ist, dass GM eine Entscheidung getroffen hat"

Wien (OTS) - Opel wurde gestern Magna zugeschlagen. Damit traf GM-Chef Fritz Henderson unter intensiver Beteiligung seines neuen Aufsichtsrates eine folgenschwere Entscheidung, von der tausende Arbeitsplätze in Europa abhängen und mit der sich auch die Zukunft von GM deutlich verändert. Das beste an Hendersons Tat war allerdings, dass er eine Entscheidung getroffen hat. Die bis dahin ungewisse Zukunft hatte Opel, noch immer eine der teuersten Marken Europas, massiv geschadet. Betrachten wir Hendersons Tat, das Treffen einer Entscheidung, als Wette, über deren Gewinnverteilung wir erst in der Zukunft Klarheit gewinnen, haben wir ein Instrument, um die Leistung zu messen. Wozu sollen wir das tun? Bei Opel verhält es sich wie bei den Banken: Erste Bank-Chef Andreas Treichl ermahnt Manager, die Ressentiments der Bevölkerung gegenüber dem Berufsstand Banker nicht zu unterschätzen. Wenn die Gehälter des Vorstands das 100-Fache des durchschnittlichen Angestelltensalärs ausmachen, dann ist es verständlich, dass diese lautstark Fragen nach Leistung und Verantwortung stellen. Treichl mahnt also indirekt ein, in die Prämiendiskussion neben den ökonomischen Variablen auch Aspekte der sozialen Interaktion einfließen zu lassen. Das ist gut so, denn schließlich wollen weder Banker noch Industriekapitäne ihren guten Ruf verlieren und in der gesellschaftlichen Stellung mit Politikern gleichgesetzt werden.

Nur: Verantwortung ist ein schwammiger Begriff. Konkret können Manager Verantwortung wahrnehmen, indem sie Entscheidungen treffen. Daraus ließe sich ein ganz neuer Markt - abseits der klassischen Börse - bilden, auf dem die Bonifikationen verdient werden. Landen Manager Treffer, verdienen sie den Wetteinsatz. Umgemünzt auf Opel heißt das: Gestern wurde die Wette über die Zukunft abgeschlossen, ab heute läuft die Auswertung. Die Bewertung erfolgt durch den US-Staat, durch die Arbeitnehmer, die Geschäftspartner, aber auch die neuen Eigentümer. Fragen wir also ihre Vertreter in einem Jahr, ob der Zuschlag an Magna die richtige Wahl war. Das entscheidet über den Wettausgang. Der Gewinner bekommt den Einsatz. Es fehlen nur noch diejenigen, die dagegen halten. Neben Stakeholdern könnten das alle Investoren sein, die riskante Optionsgeschäfte suchen.

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