• 10.09.2009, 09:06:14
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  • OTS0027 OTW0027

Anzeichen für Konjunkturerholung mehren sich

Wien (OTS) - Nachdem die österreichische Wirtschaft auch im II.
Quartal 2009 noch saison- und arbeitstägig bereinigt gegenüber dem
Vorquartal um 0,5% schrumpfte ( -4,6% gegenüber dem Vorjahr),
schwächt sich die Rezession in der Sachgütererzeugung im III. Quartal
weiter ab. Die Ergebnisse des aktuellen WIFO-Konjunkturtests deuten
darauf hin, dass der Tiefpunkt des Abschwungs bereits durchschritten
wurde. Auch bei Österreichs wichtigsten Handelspartnern verstärken
sich die Anzeichen für eine Konjunkturerholung. Neben
fiskalpolitischen Maßnahmen stabilisiert der Lagerzyklus die
internationale Industriekonjunktur. Auf dem Arbeitsmarkt
verschlechtert sich die Lage weiter, vor allem in Industrie und
Bauwirtschaft stieg die Arbeitslosigkeit abermals.

Gemäß der aktuellen VGR-Quartalsrechnung des WIFO sank das BIP in
Österreich im II. Quartal 2009 saison- und arbeitstägig bereinigt
real gegenüber dem Vorquartal um nur noch 0,5% (nach -2,7% im I.
Quartal). Mitte August hatte das WIFO in seiner jüngsten
Schnellschätzung noch eine Verringerung des BIP um 0,4% gegenüber dem
Vorquartal angenommen. Im IV. Quartal mit negativer Veränderungsrate
(gegenüber dem Vorquartal) in Folge lag das reale BIP damit um 4,6%
unter dem Niveau des Vorjahres. In der Sachgütererzeugung dürfte die
Rezession den Tiefpunkt durchschritten haben. Nachdem sich der
Rückgang bereits im II. Quartal verlangsamt hat (-2,2% nach -10,7 im
I. Quartal), zeigen auch Vorlaufindikatoren eine weitere
Stabilisierung an. Laut dem WIFO-Konjunkturtest von August
verbesserten sich die Produktionserwartungen zum fünften Mal in
Folge. Hier spielt auch der Lagerzyklus eine Rolle: Nach dem
drastischen Lagerabbau im 1. Halbjahr 2009 kann die Produktion wieder
ausgeweitet werden.

Auch international haben alle wichtigen Frühindikatoren den
Tiefpunkt durchschritten. In den USA erreichte der ISM Purchasing
Manager Index im August erstmals seit 13 Monaten die 50%-Marke,
welche eine Expansion anzeigt. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit
bleibt das Konsumentenvertrauen nach einem Anstieg im Frühjahr jedoch
gedämpft. Im Euro-Raum verbesserte sich der Economic Sentiment
Indicator im August bereits das vierte Mal in Folge. Auch der
Euroframe Growth Indicator zeigt für das III. Quartal 2009 eine
Zunahme des BIP im Vorquartalsvergleich an.

Im Zuge einer internationalen Stabilisierung dürfte sich auch der
österreichische Außenhandel erholen; er reagiert gewöhnlich rasch im
Konjunkturzyklus. Der Rückgang der Exporte schwächte sich bereits im
II. Quartal 2009 ab (-2,3% gegenüber dem Vorquartal nach -7,4% im I.
Quartal). Die Importeinbußen fielen im II. Quartal geringer aus
(-1,5%), sodass der Außenbeitrag negativ war und das BIP drückte.
Einen positiven Beitrag lieferten im II. Quartal die privaten
Konsumausgaben (+0,4%, nach +0,1% im I. Quartal), gestützt durch die
Effekte von Steuerreform und Verschrottungsprämie. Während der
Einzelhandel Umsatzzuwächse meldete, litt der Großhandel nach wie vor
unter der Schwäche der Exportnachfrage und verzeichnete einen
schlechten Geschäftsgang. Nach dem scharfen Einbruch im I. Quartal
stabilisierten sich die Anlageinvestitionen, vor allem die
Bauinvestitionen erholten sich. Für das III. Quartal 2009 wird von
einer weiteren Festigung in der Bauwirtschaft ausgegangen. Gemäß dem
jüngsten WIFO-Konjunkturtest verbesserte sich die Beurteilung der
Auftragsbestände zum zweiten Mal in Folge, auch die
Beschäftigungserwartungen sind günstiger.

Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung

Der österreichische Tourismus kann sich den Auswirkungen der
internationalen Wirtschaftskrise nicht entziehen. Bei rückläufigen
Übernachtungszahlen sank die Wertschöpfung im II. Quartal im
Beherbergungs- und Gaststättenwesen gegenüber dem Vorquartal um 0,4%.
Mit der Aufhellung der Konjunkturaussichten stieg der Erdölpreis
weiter, Rohöl der Sorte Brent notierte im August bei 72 $ je Barrel
(nachdem er zu Jahresbeginn mit rund 43 $ den niedrigsten Wert des
Jahres 2009 erreicht hatte). Die Verbilligung von Energie im
Jahresabstand dämpft weiterhin die Inflationsrate im Euro-Raum.
Sobald dieser stetige Rückgang aus dem Vorjahresvergleich
herausfällt, verschwindet der negative Beitrag der Energiepreise zur
Inflationsrate. In Österreich sank der Verbraucherpreisindex im Juli
um 0,3%. Eurostat schätzt die Inflationsrate für den Euro-Raum im
August auf -0,2% (Juli -0,7%).

Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes

Auf dem österreichischen Arbeitsmarkt verschlechtert sich die Lage
erwartungsgemäß weiter, eine Erholung ist noch nicht in Sicht. Im
August waren 238.800 Arbeitslose vorgemerkt, um 54.900 bzw. 29,8%
mehr als ein Jahr zuvor. Auch im Vergleich mit dem Vormonat steigt
die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen unvermindert kräftig. Zugleich
hielt der Beschäftigungsabbau im August an. Die Arbeitslosenquote lag
im August laut österreichischer Definition saisonbereinigt bei 7,6%,
laut Eurostat-Definition betrug die Quote im Juli 4,4%.

Methodische Hinweise und Kurzglossar
Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird von "saison- und arbeitstägig bereinigten Veränderungen"
gesprochen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine relative Veränderung gegenüber der gleichen
Periode des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Konsumentenpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (http://www.statistik.at/).

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.100 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit (http://www.itkt.at/). Die Indikatoren sind
Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen
Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen,
sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Tabellen und Graphiken zu den Presseaussendungen des WIFO finden Sie
jeweils auf der WIFO-Website,
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12

Rückfragehinweis:
Mag. Sandra Bilek-Steindl
Tel. (1) 798 26 01/244
[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO

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