Rating-Agenturen haften für Schaden von Anlegern

Anwalt Wildmoser sieht Haftungsgrundlagen für Schadenersatz

Wien (OTS) - Die Stellung von Rating-Agenturen als Experten ist jener der Wirtschaftsprüfer vergleichbar. Daher können Rating-Agenturen nach deutschem und österreichischem Recht von Anlegern auch grundsätzlich zum Schadenersatz herangezogen werden. Zu diesem Schluss kommen die international tätigen Wirtschaftsanwälte Gerhard Wildmoser (Wildmoser/Koch & Partner Linz/Wien) und Jan Schiffer (Schiffer & Partner, Bonn) in einer umfassenden Analyse für die hoch angesehene deutsche Fachzeitschrift "Recht der Internationalen Wirtschaft". In dem Fachartikel, der in der am 07.09.2009 erschienenen Ausgabe von "Recht der Internationalen Wirtschaft" nachzulesen ist, zeigen die beiden Top-Anwälte und Bernd Langoth, RA-Anwärter bei Wildmoser/Koch & Partner, die Haftungsgrundlagen entsprechender Klagen, insbesondere in Deutschland, auf. Die Erklärungen in Ratingverträgen, wonach die Rating-Agenturen keinerlei Haftungen übernehmen würden, sind nach Ansicht von Wildmoser/Schiffer/Langoth rechtlich völlig unwirksam.

"Die Stellung der Rating-Agenturen als Experten ist jener der Wirtschaftsprüfer durchaus vergleichbar, sodass haftungsbegründende Schutzpflichten gegenüber Anlegern bestehen. Zudem ist die beabsichtigte Drittwirkung von Ratings viel stärker ausgeprägt als bei Wirtschaftsprüfern, was umso mehr für eine Haftung der Rating-Agenturen spricht." Zu diesem brisanten Schluss kommen die international tätigen Wirtschaftsanwälte Gerhard Wildmoser (Wildmoser/Koch & Partner Linz/Wien) und Jan Schiffer (Schiffer & Partner, Bonn) sowie Bernd Langoth, RA-Anwärter bei Wildmoser/Koch & Partner in einer umfassenden Analyse für die hoch angesehene deutsche Fachzeitschrift "Recht der Internationalen Wirtschaft".

In dem Fachartikel, der in der am 07.09.2009 erschienenen Ausgabe von "Recht der Internationalen Wirtschaft" nachzulesen ist, schreiben Wildmoser/Schiffer/Langoth, dass sämtliche Anleger in den Schutzbereich des jeweiligen Ratingvertrages eingezogen werden, da "es gerade Sinn und Zweck des Ratings entspricht, Ratings gegenüber potentiellen Anlegern zu veröffentlichen." Daher sei davon auszugehen, dass Anleger in den Schutzbereich des Ratingvertrages zwischen Emittenten und Rating-Agenturen einbezogen seien.

Nach Ansicht der renommierten Juristen sind zumindest nach deutschem und österreichischem Recht, auch die umfassenden Erklärungen in Ratingverträgen, wonach die Ratingagentur keinerlei Haftungen übernehme, völlig unwirksam. Wörtlich schreiben Wildmoser/Schiffer/Langoth: "Die allumfassenden Haftungsfreizeichnungen der Rating-Agenturen sind unwirksam, sodass bei Verletzung der Kardinalpflichten bereits leichte Fahrlässigkeit zur Haftung der Ratingagentur führen kann." Freilich müsse ein Anleger bei seiner Klage, die Kausalität nachweisen, nämlich dass das Rating für sein Investment entscheidend gewesen sei. Es empfehle sich daher eine entsprechend nachvollziehbare Dokumentation. Allerdings spreche schon alleine die bestehende faktische Bedeutung von Rating-Agenturen bei Investitionsentscheidungen dafür, dass ein solcher Kausalitätsbeweis auch vor Gericht gelinge.

Übrigens wurde erst letzte Woche in den USA eine Sammelklage von Investoren gegen eine Ratingagentur zugelassen. Ein New Yorker Gericht ließ eine Sammelklage gegen Moody's und Standard & Poor's wegen irreführender Anlageurteile zu.

In ihrem Beitrag führen Wildmoser/Schiffer/Langoth auch einige prominente Beispiele dafür an, wie Rating-Agenturen deutliche Hinweise ignoriert und somit eindeutig falsche Beurteilungen abgegeben haben. So wies etwa die Bonität der Lehman Brothers Holding Inc. bis zum Tag der Anmeldung des Gläubigerschutzverfahrens hervorragende Ratings auf (Standard & Poor's: A, Moody's: A2, Fitch:
A+). Die Ratings deuteten somit allesamt auf eine gute Zahlungsfähigkeit hin. Hinweise, dass Lehman um die Existenz kämpft, gab es demgegenüber schon monatelang davor.

Die Autoren:

Dr. Gerhard Wildmoser, Jahrgang 1946, Rechtsanwalt in der Rechtsanwaltskanzlei Wildmoser/Koch & Partner Rechtsanwälte GmbH, Linz/Wien (www.wildmoser-koch.com) ist seit Jahrzehnten in wirtschaftsrechtlichen Bereichen tätig und übt eine Reihe von Funktionen in der Industrie, im Bank- und Versicherungswesen in der Republik Österreich aus. Darüber hinaus ist er in verschiedenen Funktionen im Forschungsbereich tätig.

Dr. K. Jan Schiffer, Jahrgang 1958, Wirtschaftsanwalt seit 1987, Partner der Rechtsanwaltskanzlei SP§P - Schiffer & Partner, Bonn (www.schiffer.de) und seit 2005 ständiger Mitarbeiter des BB. Er berät Unternehmen, Unternehmerfamilien, vermögende Privatpersonen, Banken und Institutionen in wirtschaftsrechtlichen Fragen. Beirats-und Stiftungsratsmitgliedschaften, Leiter des Praxisinstituts für Haftungs- und Risikofragen in Unternehmen, Bonn, Wien, Zürich, München (www.haftung-und-risiko.de); Fachdozent und Verfasser zahlreicher Fachbücher und -schriften. Kontakt: schiffer@schiffer.de.

Dr. Bernd Langoth, LL.M., Jahrgang 1979, Rechtsanwaltsanwärter der Rechtsanwaltskanzlei Wildmoser/Koch & Partner Rechtsanwälte GmbH, Linz/Wien (www.wildmoser-koch.com) seit März 2009, davor seit 2005 Rechtsanwaltsanwärter in renommierten Wirtschaftsrechtskanzleien in Wien und Linz. Er ist seit mehreren Jahren in der kapitalmarktrechtlichen, gesellschaftsrechtlichen und zivilrechtlichen Beratung tätig. Kontakt:
b.langoth@wildmoser-koch.com.

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