• 07.09.2009, 08:27:09
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: GM/Opel: Europas Sicht ist eingeschränkt - von Hans-Jörg Bruckberger

Bei aller Liebe: So wichtig ist Opel für GM nun auch wieder nicht

Wien (OTS) - Was wird in Europa nicht darüber gelästert, wie
zaghaft und wankelmütig GM in der Causa Opel vorgeht. Diese Woche
steht schon wieder ein "entscheidendes" Meeting an, und alle
fürchten, dass das "Kasperltheater" weitergeht. Immer noch scheinen
alle Optionen offen: ein Verkauf an Magna, RHJ, oder dass GM Opel
behält und selbst saniert. Bei aller Kritik darüber, wie hier
vorgegangen wird, und allem Verständnis dafür, dass die Zeit für Opel
drängt, wollen wir hier doch einmal einiges ins rechte Licht rücken.

Die europäische Sicht weicht von der amerikanischen, manchmal sogar
von der Realität, ab. Lange schien es laut deutschen Medien etwa so,
als würde die Entscheidung in Deutschland fallen. Dass die
vermeintlich finalen Verhandlungen von deutschen Politikern dann
keinen Durchbruch brachten, ist kein Wunder. Opel gehört nun einmal
nicht dem deutschen Staat, sondern GM bzw. den USA, die ja GM
gerettet haben. In der öffentlichen Wahrnehmung zieht sich die Causa
aber auch deshalb so unerträglich in die Länge, weil wir schon damals
Deadlines im Kopf hatten, die aber gar keine waren.

Nichtsdestotrotz ist auch GM nicht gerade schnell unterwegs. An
Unfähigkeit liegt das aber nicht. Die Amerikaner haben im
Chapter-11-Verfahren eindrucksvoll demonstriert, dass sie, wenn's
drauf ankommt, Gas geben können. Dieses wurde in Rekordzeit
abgewickelt.

Also steckt bei Opel wohl auch Taktik dahinter. Erfolgreich. RHJ hat
sein Offert kürzlich nachgebessert. Doch auch das ist noch zu kurz
gegriffen. In Wahrheit hat Opel für GM nicht solche Priorität wie für
uns. In Europa, vor allem Deutschland und Österreich, ist Opel eine
der bedeutendsten Automarken. GM aber ist ein Weltkonzern, der ganz
andere Probleme hat. Wie fährt man in China fort? Welche Werke muss
man schließen? Was sagt die mächtige Gewerkschaft? Ganz wichtig ist
eine neue Werbestrategie. Nachdem man sich zuletzt für Fehler
entschuldigt hat, muss man dringend in die Offensive gehen und die
Produkte selbst bewerben. Gleichzeitig muss der Verwaltungsrat gegen
politische Einflussnahme ankämpfen. Kurz: Die GM-Manager haben alle
Hände voll zu tun, Opel ist nur eine Baustelle von vielen. Noch dazu
wurde der Verwaltungsrat neu besetzt. In einem Meeting im Sommer
wurde ein Großteil der Zeit damit verbracht, schlicht die neuen Autos
kennenzulernen und zu testen - Opel war da ein Randthema. All das
muss man schon auch sehen, bevor man GM verurteilt. Eine rasche
Opel-Entscheidung ist freilich dennoch wünschenswert.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

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