- 01.09.2009, 16:07:10
- /
- OTS0291 OTW0291
"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: "Was geht uns das Baby der Grün-Chefin an?"
Eva Glawischnig will ihre Doppelrolle privat halten. Eine vergebene Chance.
Wien (OTS) - Heute steigt Eva Glawischnig wieder in den
Ring. Die grüne Parteichefin hatte sich nach der Geburt ihres
zweiten Sohnes Anfang Juli eine Auszeit von knappen zwei Monaten
genommen. Ab sofort stemmt sie eine respektgebietende
Mehrfachbelastung.
Politisch: Nach den für die Grünen unerfreulichen
Nationalratswahlen hat sie vom amtsmüden Alexander Van der Bellen
die Parteiführung übernommen - und als erste Weichenstellung die
sympathische, aber nicht durchschlagskräftige Ulrike Lunacek als
Spitzenkandidatin bei den EU-Wahlen durchgedrückt. Sie blieb weit
unter dem Ergebnis, das ihr Widersacher Johannes Voggenhuber noch
fünf Jahre zuvor einfuhr. Welk ist auch die Stimmung vor dem
nächsten Wählertest. Bei der Landtagswahl in Oberösterreich in
dreieinhalb Wochen steht mit Schwarz-Grün die bislang einzige
Regierungsbeteiligung der Ökos am Spiel.
Privat: Eva Glawischnig und ihr Mann, der Sportjournalist Volker
Piesczek, sind Eltern des dreijährigen Benjamin und des zwei Monate
alten Sebastian.
Eva Glawischnig verbittet sich bei politischen Interviews Fragen
zu ihrem Privatleben bisher sehr vehement. Argument Nummer eins:
Die Grünen-Chefin will öffentlich als Politikerin und nicht als
Mutter wahrgenommen werden. Wenn sie Fragen über ihr
Baby-Management beantworte, mache sie kurzfristig Schlagzeilen.
Ihre politischen Botschaften fallen aber langfristig unterm Tisch.
Ein Argumentation, die in Ihrer Schwarz-Weiß-Malerei den bunten
Interessen-Mix von Wählern und Medien vernachlässigt. Es bleibt
natürlich Glawischnigs Privatsache, wie sie mit ihrer neuen
Doppelrolle umgeht. Wie eine Spitzenpolitikerin Kinder und Karriere
ganz konkret bewältigt, ist intern und extern Gesprächsthema, ob
sie will oder nicht. Je transparenter sie das handelt, desto
authentischer wirkt sie generell.
Argument Nummer zwei: "Wir haben Minister mit mehreren Kindern
und keiner fragt , wie das bei denen geht." Ein vollkommen
berechtigter Einwurf, der vielen Frauen zu Recht aus der Seele
spricht. Er schafft aber nicht den bestehenden Widerspruch zwischen
Wunsch (mehr Väterbeteiligung) und Wirklichkeit (Hauptlast bei den
Müttern) aus der Welt.
Weiter bringen hier nur bessere Rahmenbedingungen und Vorbilder.
Vor zwanzig Jahren waren Väter in Karenz noch Exoten. Heute sind
Männer auf Babypause dank des einkommensabhängigen Karenzgelds dabei,
zu einer respektablen Minderheit zu wachsen. "Work-Life-Balance",
sagen die Zukunftsforscher, ist eine der Fragen, die junge Eltern am
meisten beschäftigt. Gerade der einstigen Avantgarde-Partei stünde
daher eine offener Umgang mit dem tagtäglichen Spagat zwischen Mutter
und Mandatarin gut an. Nicht via Selbstdarstellung in oberflächlichen
Homestorys, sondern mit einem politischen Zugang im besten Sinn das
Wortes: Was kann die Politik tun, damit Kind und Karriere für Eltern
auch hierzulande endlich besser unter einen Hut gehen?
Rückfragehinweis:
KURIER, Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
mailto:[email protected]
www.kurier.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKU






