• 30.08.2009, 09:00:00
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"trend": Neue-Grippe-Vorsorge zu kostspielig.

Gesundheitsminister Stöger auf Distanz zu Impfexperten Kunze.

Wien (OTS) - Knapp vor dem erwarteten Vollausbruch der Neuen
Grippe mit Schulbeginn geht Gesundheitsminister Alois Stöger auf
Distanz zu Sozialmediziner Michael Kunze, der die Pandemiepläne zur
Massenausbreitung der Krankheit wesentlich mitgestaltet hat. Kunze
ist in pharma-kritischen Kreisen wegen seines massiven Eintretens für
breite Impfaktionen nicht unumstritten. "Wir wollen in Zukunft
neutrale Experten haben und werden nun auch andere einladen, unter
Umständen aus dem Ausland", wird Stöger in der am Montag
erscheinenden Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "trend" zitiert.

Hintergrund dieses Schwenks: Die unter anderem auf Empfehlung Kunzes
hin angepeilten Vorsorgemaßnahmen seien angesichts des niedrigen
Gefährdungspotentials durch das A/H1N1-Virus übertrieben, wie
Experten des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Health Technology
Assessment (HTA, Kosten-Nutzenrechnungen im Gesundheitsbereich)
erklären. Leiterin Claudia Wild: "Natürlich ist das Virus nicht vom
Tisch zu wischen, aber die bisher angekündigten Maßnahmen sind zum
Teil vollkommen überzogen. Da wird mit Kanonen auf Spatzen
geschossen." Kunze sieht die Aufregung gelassen: "Ich bin Skepsis
gewohnt. Aber die Pandemiepläne sind keine One-Man-Show von mir."

Der "trend" präsentiert dazu Hochrechnungen, wonach die medizinischen
Kosten einer Epidemie ohne Vorsorgemaßnahmen im Ausmaß des bisher am
stärksten betroffenen europäischen Landes (Großbritannien), sich in
Österreich gerade mal auf gut 14 Millionen Euro belaufen würden.
Hingegen: Die Kosten für die bisher getätigten und angekündigten
Vorsorgemaßnahmen könnten im Extremfall auf rund 230 Millionen Euro
anwachsen. Dazu käme, sagt Expertin Wild dem "trend", dass damit die
Folgen einer Grippewelle nur minimal einzudämmen seien: "Sowohl
Grippemedikamente als auch Impfstoffe sind volkswirtschaftlich
gesehen so gut wie wirkungslos, da sie den Krankheitsverlauf
bestenfalls um einen Tag reduzieren." Minister Stögers Resümee: "Wir
sind in den Vorsorgemaßnahmen derzeit offenbar sorgsamer unterwegs,
als es dem Krankheitsverlauf entspricht."

Rückfragehinweis:
trend Redaktion
Tel.: (01) 534 70/3402

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