"trend": Neue-Grippe-Vorsorge zu kostspielig.

Gesundheitsminister Stöger auf Distanz zu Impfexperten Kunze.

Wien (OTS) - Knapp vor dem erwarteten Vollausbruch der Neuen
Grippe mit Schulbeginn geht Gesundheitsminister Alois Stöger auf Distanz zu Sozialmediziner Michael Kunze, der die Pandemiepläne zur Massenausbreitung der Krankheit wesentlich mitgestaltet hat. Kunze ist in pharma-kritischen Kreisen wegen seines massiven Eintretens für breite Impfaktionen nicht unumstritten. "Wir wollen in Zukunft neutrale Experten haben und werden nun auch andere einladen, unter Umständen aus dem Ausland", wird Stöger in der am Montag erscheinenden Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "trend" zitiert.

Hintergrund dieses Schwenks: Die unter anderem auf Empfehlung Kunzes hin angepeilten Vorsorgemaßnahmen seien angesichts des niedrigen Gefährdungspotentials durch das A/H1N1-Virus übertrieben, wie Experten des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Health Technology Assessment (HTA, Kosten-Nutzenrechnungen im Gesundheitsbereich) erklären. Leiterin Claudia Wild: "Natürlich ist das Virus nicht vom Tisch zu wischen, aber die bisher angekündigten Maßnahmen sind zum Teil vollkommen überzogen. Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen." Kunze sieht die Aufregung gelassen: "Ich bin Skepsis gewohnt. Aber die Pandemiepläne sind keine One-Man-Show von mir."

Der "trend" präsentiert dazu Hochrechnungen, wonach die medizinischen Kosten einer Epidemie ohne Vorsorgemaßnahmen im Ausmaß des bisher am stärksten betroffenen europäischen Landes (Großbritannien), sich in Österreich gerade mal auf gut 14 Millionen Euro belaufen würden. Hingegen: Die Kosten für die bisher getätigten und angekündigten Vorsorgemaßnahmen könnten im Extremfall auf rund 230 Millionen Euro anwachsen. Dazu käme, sagt Expertin Wild dem "trend", dass damit die Folgen einer Grippewelle nur minimal einzudämmen seien: "Sowohl Grippemedikamente als auch Impfstoffe sind volkswirtschaftlich gesehen so gut wie wirkungslos, da sie den Krankheitsverlauf bestenfalls um einen Tag reduzieren." Minister Stögers Resümee: "Wir sind in den Vorsorgemaßnahmen derzeit offenbar sorgsamer unterwegs, als es dem Krankheitsverlauf entspricht."

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